kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 11.05.2014
Das Gewalt- und Vergewaltigungsdrama bemächtigt sich derselben Werkzeuge wie ein Film über häusliche Gewalt, setzt sie aber in einen bislang eher unzureichend beackerten Kontext: Nicht ist es das Böse, das unbemerkt vom Fußgänger auf dem Bürgersteig hinter verschlossenen Türen operiert, sondern stattdessen waltet es offen seines Amtes und wird vom Umfeld sogar als gerecht und natürlich angesehen. Das Verborgene bezieht sich in einem größeren Kontext eher darauf, dass diese Dinge auf einer Insel geschehen, fern von der Aufgeklärtheit des Festlandes, und somit regelrecht eine soziale Akzeptanz innerhalb der eigenen autonomen Grenzen genießen. Jang Cheol-Soo verschwendet in seinem Regiedebüt keine Zeit damit, ähnlich „The Wicker Man“ einen Außenstehenden erst langsam hinter die schrecklichen Geheimnisse der Insel kommen zu lassen, sondern zeigt die frei ausgelebte Brutalität und das paralysierte Denken der Umliegenden von Beginn an, wobei die tatsächliche Eskalation erst spät eintritt. Ab hier nimmt der Film eine Wende zum überstiegenen Rachedrama, das schamlos den Blutdurst des Zuschauers befriedigt und zur Groteske wird, die den kritischen Ansatz der ersten beiden Drittel aushöhlt. Manipulativ, aber nicht ganz uneffektiv.
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