Hommage an die besseren Zeiten des Martial Arts Kinos, wobei man sich zwar namentlich auch auf die Sechziger des Vergangenen Jahrhunderts bezieht, aber gedanklich wohl eher nur die Siebziger im Vordergrund stehen und die in Fels gehauenen Verweise samt den [Alt]stars auch genau dieser Epoche entspringen. Gerade die Konfliktstruktur der Motive und die Verflechtung von Lehrer - Schüler - Konkurrenz ist wie auch die einleitende Farbsymbolik und Bildgestaltung exakt auf den Zeitraum von der ab da an auch im Ausland erfolgreichen Kung Fu Welle 1971 bis etwa 1977/78 bezogen; wobei das auf diversen Festivals ausdrücklich von den Kritikern anerkannte Werk besonders auch den Lebensstrom dieser speziellen Art von Matinee – hierzulande durchaus treffend als "Bahnhofskino" bezeichnet
– mit gar lyrischen Einschüben würdigt.
Das ist magisch-verderblich, dem Ästhetisieren nah, gleichzeitig anbiedernd, von Sehnsucht erfüllt und mit humorig-satirischen oder auch vor [Lebens]Freude sprühenden Witz durchdrungen. Eine weitere Underdog - Geschichte mit auch moralischem Rüstzeug als Reinigungsbad:
Der bei Rookie Property Real Estate Company arbeitende, aber dort nur von allen Seiten schikanierte und so ziemlich verängstigte Leung King-cheung [ Wong Yau-nam ] soll im Auftrag der Firma von der Stadt aufs Land reisen, um dort innerhalb sieben Wochen einen anhaltenden Käuferstreit zu schlichten. Dort angekommen gerät er schnell in die Schwierigkeiten um die sich gegen den Verkauf ihres Restaurants "Laws Tea House" wehrenden Dragon [ Chen Kuan-tai ] und Tiger [ Bruce Leung ] gegen das mit allen schäbigen Mitteln agierende Immobilengeschäft von Chung Shen-mang [ Ou-Yang Ching aka MC Jin ], der sich auch der schlagkräftigen Hilfe von "Bronze Rooster" [ Law Wing-cheong ] und "Jade Kirin" [ Lo Meng ] erfreut. Da trifft es sich gut, dass der mit Chung verbandelte Master Pong Ching [ Michael Chan Wai-man ] als Publicity Stunt für sein Trainingsstudio ein Hong Kong Martial Arts Open angesetzt und mit seinem Sohn Pong Ka-kwan [ Li Hai-tao ] auch den besten Athleten auf den Sieg eingeschweisst hat. Doch niemand rechnet mit dem seit nahezu 30 Jahren im Koma liegenden Master Ben Law Sun [ Teddy Robin Kwan ], dem Eigentümer des Restaurants.
Trotz einem durchaus simplen Vordergrundsgeschehen, dass sich theoretisch von Fight zu Fight hangelt und dramaturgisch von zwei verfeindeten Kampfschulen ernährt, und so Sitte und Konvention eines entsprechend einfach gehaltenen Unterhaltungsfilmes wie die Hundertschaften ähnlich aufgebauter Artkollegen, laut eigenen Aussagen auf die Arbeiten Chang Chehs, Liu Chia-liangs und besonders Kuei Chih-hungs The Tea House aufweist, steckt hinter der allgemeingültigen Retro-Fassade vor allem auch ein dichterischer Charakter. Der Kulmunationspunkt ist hier nicht der [physische] Sieg über den Gegner, und trotz anfangs auffälliger Ausdrucksanalogien wie vorsätzlich gesetzte Filmrisse, drop outs, Tonsprünge, Vergilbungen, Flimmern, Flackern, Nachjustierungen und weitere Nachahmungsstufen à la Silhouettenfights im Vorspann und Vorstellung per Namensnennung im freeze frame die reine ungetrübte Romantik auf längst als passé abgehakte Grindhouse-Phasen, sondern je nach Sichtweise auch die Tragödie bzw. Komödie des Gegensatz von Alt zu Jung, Vergangenheit zu Moderne und Arm zu Reich. Sowie das Paradox zwischen Hochloberei und Trauergesang auf das einheimische Kampfkunstkino, dass so nicht mehr existiert, sich heutzutage zahlenmäßig immer mehr einschränkt und wo die Selektion schon derart auf ein Minimum zusammengeschrumpft ist, dass man die lächerlich kleine Anzahl bereits an einer Hand abzählen kann.
Sarkastischerweise ist Gallants dabei momentan sogar neben Ip Man 2 [ und dessen Prequel ] der einzige aktuell vorhandene Vertreter, und ebenso ungetrübt ist das Verhältnis ihrer Macher zueinander. Dort Wilson Yip, dessen Drehbücher jahrelang bis zum komplett kommerziellen Durchbruch und folgerichtig der Anpassung an den Mainstrean von Derek Kwok geschrieben wurden sind; hier Neuling Clement Cheng und Kwok selber, der seitdem eben nicht mehr mit und für Yip arbeitet, sondern sich mit eigenen Regiearbeiten wie The Pye-Dog und The Moss [ DT: Hong Kong Dangerous ] hervorgetan hat. Eine Affinität für das ehemals modekonforme, nunmehr vernachlässigte Getümmel der hand-to-hand combat Auseinandersetzungen liess sich dabei bisher nicht erkennen, wird aber ausdrücklich proklamiert
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auch wenn die ersten vor Jahren fertiggestellten Drehbuchfassungen eigentlich eine alternde Musikgruppe und deren Rockklangesszenerie im Fokus hatten
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und weist "Enter the Boxing Ring" [ wörtliche Übersetzung des Originaltitels ] neben dem Sakralräumen von Trainingsstätte und Turnierring, den allgegenwärtigen Herausforderungen und den archaischen Verflechtungen auf die chop socky Historie auch die gewohnt tiefere überreale Bedeutsamkeit und die Existenz im Schatten eines kosmischen Naturraumes aus. Spielt der Film an einem abgeschiedenen Fleckchen von ländlicher Örtlichkeit, dass aus genau zwei Gebäuden und einem Dutzend an Bevölkerung zu bestehen scheint, zu gern geliebter Dunkelheit, in der fahle Lichter die wenigen sichtbaren Gesichter und Gegenstände beleuchten und scheinbar simple Taten überreale Bedeutsamkeit erlangen.
Dabei gilt die Actionchoreographie von Yuen Tak und die Auftritte und Einsätze von den erst bei Shaw Brothers, dann bei Golden Harvest, schliesslich wahllos bis hin zu IFD Films and Arts eingesetzten Lo, Leung, Chen und Chan sicherlich als die Transparenzstellen der kultivierten und kulturellen Illusion und werden die Schläge und Tritte entsprechend auch mit demonstrierender Effizienz analysiert. Trotz dem gewissen Kleine-Leute-Milieu im mit klapprigen Dekorationen angereicherten Folkloretheater, dass der Film im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Produktionen unzweifelhaft darstellt, dem nicht nennenswerten Budget und der knappen Drehzeit von gerade einmal 18 Tagen sind die vergleichsweise wenigen Zweikämpfe mit trefflichen Bewegungen und besonders druckvollen Soundeffekt-Schnitt und so dem eigenem Reiz umgesetzt.