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Hinter dem despotischen Titel verbirgt sich die nächste Stufe des Schaffens von Dennis Law und seiner extrem in sich selbst begrenzten künstlerischen und mittlerweile wohl auch gleichsam eingeschränkten kommerziellen Wirkung. Wobei diese von Beginn an vorhandenen Tendenzen sich nun noch zum eher Negativen hin ausweiten und so die Erwartungen aus Kommendes über das Normale hin hinaus gesteigert werden. Law, der sich erst kurz mit Romantischen Komödien und damit dem damals gefragten Metier der Problematiken von Mann und Frau im Geschlechterkampf beschäftigt hat und dann mit Fatal Contact + Fatal Move + Bad Blood schnell in die plötzlich wieder gefragte Schiene der Actionfilme wechselte, wodurch er auch einen gewissen Ruf außerhalb der Kronkolonie erlangen konnte, tritt hiermit in die eh schon nicht leuchtende Sphäre des Kantonesischen Horrorgenres ein, dessen Standpunkte er teilt und vorgeprägte Sprache er nutzt.

Dabei hat er gewissermaßen die Anknüpfungen an gefühlte Ewigkeiten zurück liegende Traditionen des einstmals berüchtigten Category III verstanden, zumindest auf dem Papier, dass wie wiederum gewohnt bei Law allerdings nicht oder nur selten zu Leben erweckt wird, und vielmehr ausgesprochen steif bzw. preziös sein Dasein fristet. Im Grunde ist der Film genauso tot wie sein Titel und dem Einfluss, dem er um Jahre verspätet angehört. Wobei das beste Beispiel des Stilbemühens zwar indirekt auch auf Laws Konto geht, produzierte er mit seinen hauptberuflichen Einnahmen aus dem Immobiliengeschäft doch Herman Yaus Gong Tau - A Black Magic Story, ist er als Bereitsteller eines finanziellen und artistischen Spielraumes allerdings weit erfolgreicher als als Schöpfer eigener Fiktion:

Die bereits zwei Fehlgeburten erlittene Winnie Shum [ Koni Lui ], die Ehefrau des Arztes Dr. Joseph Lee [ Chris Lai ] bekommt von ihrer Frauenärztin die Diagnose gestellt, daß sie nunmehr auch wieder schwanger und schon im dritten Monat ist; trotz vieler guter Ratschläge und verschriebener Medikation verliert sie auch dieses Kind noch im ungeborenen Zustand. Während die Polizei angesichts merkwürdiger DNA bei den untersuchten Föten ihre Ermittlungen auch auf die übernatürliche Welt ausstrecken muss, werden der Schwarze Magier Sifu Lok [ Lam Suet ] und seine mit Joseph Lee eine Affäre habende Tochter Zoe [ Chrissie Chau ], die sich als Krankenschwester an Ort und Stelle auch mit frischer Plazenta und anderem Nachschub versorgen lässt, von einem unheimlichen Plagegeist verfolgt.

Das Ganze spielt an drei, vielleicht vier Örtlichkeiten, die allesamt eher ein Bedrängnis statt eine Beseligung ausdrücken; untrüglich eingeleitet, ohne alle Disziplin und eine gleichschwebend kühle Temperatur angebend. Optisch und seelisch und narrativ wie eine verkrampfte Improvisation mit plötzlichen Querblicken, die auch in der Unkreativität überwintern, wobei das Drehbuch mit den Überresten eines Zusammenhanges auch noch nach den Regeln grundverschiedener Baumeister spielt und als Ersatz eines Vernunftprinzips lieber eine Wahlverwandtschaft aus Träumen, Symbolen und mancherlei Effektszenen vortäuschen und Fremdartiges absondern möchte. Das wenige Erbrechen, Gepansche mit Blut und Frösteln durch einerlei als eklig verschriehenes Getier wie Ratten im Müll oder die Würmer im Essen machen den bereits im Titel gefundenen offensichtlichen Vorbildern des letzten Jahrhunderts wie Golden Harvests Devil Fetus oder Shaw Brothers Seeding of a Ghost übrigens keinerlei Konkurrenz und sind vergleichsweise nichtig und harmlos geraten. Mangels Schneid und wahrlich gebieterischen Herkommens verliert man später sogar diese äußerlichen Buße und ergötzt sich lieber an der Sage des schwarzhaarigen Mädchens, dass als gespenstige Gestalt mit herab hängender Frisur und Gliedmaßen Anfang diesen Jahrtausends nun weitaus zur Genüge durch den gesamten asiatischen Raum gerade in Japan und danach auch als Trittbrettfahrer durch Hong Kong und dessen billige Spukkaschemmen gewandelt ist und selbst da nicht zur alles überstrahlenden filmischen Mode gehörte.

Durchaus angenehm dabei ist, dass man in dem hanebüchenen Durcheinander nicht das Gefühl hat, dass Filmemacher Law, der im Grunde genommen schon ein auteur, da eben ein Solitär – wenn auch einer mit bloßen fragmentarisch unnatürlichen Bemühungen – ist, sich mit seinen Arbeiten neuerdings breiter aufstellen möchte, als er es sich in jedweder Hinsicht leisten kann. Gewisse Erwartungen werden geschickt unterlaufen, die Ankündigung des Projektes selber kam aus dem Nichts und spürt so auch nicht den Druck einer Verantwortung und der scheinbare Verzicht von Selbstkritik besonders im Hinblick auf die antinaturalistischen Aura von Set und Setting ist der Handlung in seiner Rückwendung auf das Irrationale sogar [unfreiwillig] hilfreich. Die eh schon mimisch auf das Nötigste reduzierten Darsteller wandeln in geistloser Beharrlichkeit durch meist wie leer gefegt verlassene Gegenden, haben kaum und wenn dann nur gleichfalls aseptisch wirkenden Kontakt mit den wenigen anderen Gestalten der Dramaturgie, und sind auf dieser Einbahnstraße der Gesellschaft und seinen Unzulänglichkeiten und Unzulänglichkeiten zudem mit hinkender Fabulierkunst geplagt. Eine sattsam pessimistische Metaphysik, in der so wirklich viel und selbst dann auch so richtig aufregendes gar nicht passiert, man sich aber auch an keinen deutlich vorhersehbaren Weg und derart alle absurden Optionen theoretisch für später offen hält. Quasi ein M. Night Shymalan für den Amüsierpöbel.

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