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Wer intensive Dramen liebt die ohne viel Chi-Chi und nur durch die Kraft der Geschichte und wenigen Darsteller leben, kommt kaum an Francois Ozon vorbei. Der 45-jährige Franzose, der uns mit dem Überraschungs-Fantasyfilm RICKY, den guten Dramen UNTER DEM SAND, SWIMMING POOL und IN IHREM HAUS beglückt hat, lässt stets seine erkennbare Handschrift durchschimmern. Auch in RÜCKKEHR ANS MEER dominieren ruhige, einfühlsame und fast elegische Einstellungen und der Fokus auf die Introspektion, die Sicht in die innere Gefühlswelt der Darsteller.

Das gilt vor allem für die Hauptdarstellerin Isabelle Carré als werdende Mutter Mousse. Ähnlich wie in dem ähnlich intensiven UNTER DEM SAND Charlotte Rampling steht mit Mousse wieder eine Frau im Mittelpunkt der Geschichte. Eine drogensüchtige Frau, deren Liebe Louis an schlechtem Stoff stirbt, und der sie schwanger hinterlässt. Wie sie mit dem Schicksal umgeht, davon handelt RÜCKKEHR ANS MEER. Ich verzichte hier bewusst auf weitere inhaltliche Details RÜCKKEHR ANS MEER wirkt wie so oft am besten, wenn man nicht lange Inhaltsangaben studiert und sich einfach aufgrund einer Empfehlung auf das Drama einlässt. Ozon Freunde werden sowieso zugreifen.

Die ruhige aber gleichzeitig extrem souveräne Art der lichtdurchfluteten Bilder die die Kamera zeigt, verstärkt das melancholische Gefühl das einem bei der berührenden Geschichte beschleicht. Isabelle Carré wirkt zugleich unglaublich zerbrechlich, selbstbewusst, attraktiv und auch verstört. Einige Handlungen sind nicht nachvollziehbar aber sie wirkt stets sehr präsent. Die Gefühlsschwankungen kommen gut in einer zentralen Tanzszene zur Geltung. Sie wechselt ihre Stimmung entsprechend ihrer Verfassung von einem Moment auf den anderen und legt die Figur der Mousse ohne jegliche Übertreibungen ganz dem Realismus geschuldet an.

Sie ist dabei so wandlungsfähig, dass ich ein ab und zu zweimal hinschauen musste um nicht zu denken, dass es mehrere Darstellerinnen sind. Selten brauchte ein Drama so wenig Worte und so wenig Musik. Vereinzelt hört man mal ein Gitarrenriff oder ein paar Klaviertakte und man fühlt sich fast an bewusst gänzlich musiklose Werke von Michael Haneke erinnert. Die Konzentration auf die Gefühlsdimensionen der Darsteller ergibt nach außen den flüchtigen Eindruck einer Ereignisarmut. Aber unter der Oberfläche brodelt es und dieser Eindruck wird durch die malerischen Bilder mit poetischer Kraft verstärkt ohne das je der Boden der Nachvollziehbarkeit und des Realismus der Geschichte verloren geht.

6,5/10 Punkten

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