Die meisten Horrorfilmautoren begnügen sich mit der allseits bekannten Prämisse, junge Menschen von Hinterwäldlern gefangen nehmen zu lassen, ein wenig Folter einzubinden und final eine Flucht zu ermöglichen, die nicht selten böse endet.
Autor und Regisseur Franck Richard wollte mit seinem Debüt offenbar gleich zwei Hauptthemen bedienen und verzettelt sich an entscheidenden Stellen eklatant.
Dass man keine Anhalter mitnehmen sollte, zeigt sich mal wieder im Fall von Charlotte, die eigentlich nur planlos durch die Gegend fuhr, um CDs durchzuhören. Nachdem sie mit dem fremdem Max in der heruntergekommenen Kneipe „La Spack“ einkehrt, verschwindet Max kurz darauf spurlos und Charlotte findet sich hinter Gittern wieder. Doch damit nicht genug, denn die Wirtin sorgt mit menschlichen Opfern dafür, die örtlichen Golems zu beschwichtigen…
Der Zugang zur Hauptfigur wird nicht gerade leicht gemacht, denn die junge Dame raucht eine nach der anderen, gibt sich leicht patzig und respektlos und scheint mehr als nur eine Depri-Phase in ihrem jungen Leben durchlebt zu haben.
Die hilflose Situation kurz darauf lässt dann wieder einlenken, spätestens als Charlotte an Ketten hängt und die Kreaturen aus der Erde drohen, ihr mehr als nur an die Wäsche zu gehen.
Erstaunlicherweise widersetzt sich die Gangart zeitgenössischer Strömungen und klammert Splattereffekte weitgehend aus, denn bis auf ein Loch in der Stirn, einem abgerissenen Arm und einer zerschossenen Hand sind keine nennenswerten Blutmomente enthalten.
Leider hält sich die Spannung in Grenzen, denn auch wenn obligatorische Fluchtversuche und die Hilfe von einer dritten Person (einem ehemaligen Cop, der mit seinem Fahrrad wie mit einem Gaul spricht) einigermaßen ansprechend gestaltet sind, ist die Übermacht der Wirtin unumgänglich und Charlotte hat kaum eine Möglichkeit zum effektiven Gegenschlag.
Bis zum Mittelteil erscheint der Titel reichlich fragwürdig, was sich jedoch mit dem Auftauchen der blutrünstigen Bestien ändert.
Jene sehen maskentechnisch recht gekonnt düster aus, ohne Augen, einer verkrüppelten Nase und vorstehenden Kiefern sorgen die Monster zumindest im letzten Drittel für atmosphärische Szenen, etwa, als es zur Flucht durch die Wiese kommt oder die Verbarrikadierung einer Hütte zu bröckeln droht.
Leider scheint das Skript nicht in einem Guss verfasst worden zu sein, denn anders lassen sich massive Brüche kaum erklären. So arbeitet Charlotte plötzlich mit einem vorherigen Peiniger gegen die Golems, obgleich es keinen Grund für gegenseitiges Vertrauen gibt und auch einige Rocker, die das Drehbuch bereits außen vor ließ, werden zum Showdown noch mal eingebunden.
Hinzu gesellt sich eine äußerst merkwürdige Abschlussszene, welche einen großen Interpretationsraum lässt und noch mehr Fragen stellt, als auch nur ansatzweise beantwortet werden können.
Darstellerisch sind leider keine Glanzleistungen zu vermelden. Während die Hauptfiguren eher zurückhaltend bis hölzern agieren, übertreiben es die Rocker maßlos mit Grimassenschneiden, lediglich Yolande Moreau überzeugt als fiese Wirtin.
Auf der Habenseite ist hingegen der fein abgestimmte Score zu verbuchen, der sich im Gesamtbild zwar eher zurückhält, in entscheidenden Momenten aber effektiv in Erscheinung tritt und anbei ein paar gekonnt gemixte Soundeffekte integriert.
Insgesamt kann „Die Meute“ nur in Ansätzen überzeugen, da der Stoff von der Idee her zwar einen frischen Mix parat hält, in der Ausführung jedoch unausgegoren und zuweilen recht unlogisch daherkommt.
Spannende Momente halten sich in Grenzen, das allgemeine Mitfiebern ebenfalls und wer auf deftige Gewaltszenen steht, dürfte am Ende ein wenig unbefriedigt aus der Wäsche gucken.
Zwei brauchbare Komponenten, doch beiden mangelt es an einer überzeugenden und in sich schlüssigen Umsetzung und so gestaltet sich dieser Erstling nur mäßig unterhaltsam.
4 von 10