Review

Die Fortsetzung der Verfilmung eines Comics setzt direkt da an, wo der erste Teil geendet hat: Die einzige Überlebende eines Dorfs in Alaska, das während einer einmonatigen Dunkelheit von einer Horde Vampire überfallen wurde, kehrt ihrer Heimat den Rücken und macht sich quer durch die USA auf die Suche nach Vampiren. Dabei trifft sie auf eine Gruppe Gleichgesinnter, die alle nur eines im Sinn haben: Rache an den Monstern für den Verlust ihrer Lieben!

„30 Days of Night: Dark Days" wurde im Gegensatz zum deutlich teureren Vorgänger direkt für den Heimvideomarkt produziert - und das merkt man auch. Nicht nur fallen Settings und Ausstattung billiger aus, auch die Story verzichtet auf einige wichtige Punkte, die dem ersten Teil noch als Alleinstellungsmerkmale zumindest ein wenig Originalität beschert hatten: Die Einsamkeit der lebensfeindlichen Weiten Alaskas und das Sujet der verlängerten polaren Winternacht fehlen hier. Damit verliert der Film gleich zwei wichtige Elemente für eine Grundspannung im Storykonstrukt. Stattdessen irrt Stella durch US-Großstädte, was alles ein wenig beliebiger macht. Auch das Finale auf einem Schiff kann nicht so richtig für Spannung sorgen.

Immerhin werden die düsteren und dreckigen Seiten dieser Metropolen in starken Bildern eingefangen. Eine finstere Farbgebung und Ausleuchtung verleihen der Szenerie immer wieder eine starke Atmosphäre, die vom düsteren Elektro-Soundtrack noch intensiviert wird. Und die Gewaltszenen fallen blutig und brutal aus, wie sich das für einen echten Vampir-Schocker gehört. Splatter-Fans kommen hier durchaus auf ihre Kosten.

Darüber hinaus ist die Königin der Vampire, Lilith, mit Mia Kirshner kongenial besetzt. Ihre attraktiven Gesichtszüge in Verbindung mit der ekligen Inszenierung als Ober-Vampirin verleihen ihr eine faszinierende Aura aus Erotik und Bedrohung. Das ursprüngliche Grundprinzip des verführerischen Blutsaugers wurde im Genre lange nicht mehr so gut getroffen wie hier. Allerdings bleibt sie auch die einzige erwähnenswerte Darstellerin, und auch das nicht wegen ihrer schauspielerischen Leistungen. Der restliche Cast dümpelt mit größtenteils belanglosen Dialogen und schwach gezeichneten Figuren vor sich hin, ergeht sich in Klischees und unglaubwürdigen Handlungen.

Auch die Story kommt über ein grob zusammengezimmertes Konstrukt nicht hinaus - zu schwach bleiben die einzelnen Beweggründe der Charaktere, zu vorhersehbar sind einzelne Handlungsentwicklungen und Wendungen. Echte Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf, im Gegenteil ziehen sich einige ruhigere Passagen zu sehr in die Länge. Und die Kampf- und Actionszenen werden von einer viel zu verwackelten Handkamera eher nervig als fesselnd inszeniert.

Alles in allem bleibt „30 Days of Night: Dark Days" ein in seinen besten Szenen höchstens mittelmäßiges Produkt aus der postmodernen Vampirfilm-Schmiede, das allenfalls mit Atmosphäre und Gewalt punkten kann, in Sachen Spannung, Story und Charaktere aber völlig versagt. Letztlich ein belangloser Streifen unter vielen, der dem längst ausgesaugten Genre keine neuen Aspekte hinzufügt.

Details