Review
von Sir Fuckalot
Der Taiwaner Kai ist unglücklich. Seine Freundin ist zwecks Studium nach Paris gezogen. Jede Nacht sitzt Kai deshalb in einer Taipeher Buchhandlung und lernt französisch aus Büchern, die er aber nicht kauft. Dadurch erweckt er die Aufmerksamkeit einer jungen Verkäuferin, die bald mit ihm anbandeln will. Nach einiger Zeit teilt Kais Freundin aus Paris telefonisch mit, dass sie sich von ihm trennen wolle. Kai will nach Paris fahren, um sie umzustimmen. Zu diesem Zweck leiht er sich vom lokalen Immobilien-Hai und Mafia-Paten Brother Baoh reichlich Geld. Der Deal ist mit einer Bedingung verknüpft: Kai soll ein ominöses Päckchen nach Paris schmuggeln (das Päckchen erfüllt innerhalb für den Film ziemlich die gleiche Funktion wie der Koffer in "Pulp Fiction"). Hinter dem Päckchen sind aber auch andere her, und die Dinge nehmen ihren Lauf.
Dieser Film, der nach dem ersten Drittel der Laufzeit in einer einzigen Nacht spielt und kriminelle Verstreckungen, ein Katz und Maus Spiel sowie eine aufkeimende Romanze zwischen Kai und der Buchhändlerin zeigt, hat viele Subplots, die sich irgenwann kreuzen. Beispielsweise die amorösen Bemühungen von Kais bestem Kumpel. Das Verhältnis eines Polizisten zu seiner Ex-Freundin. Die Tolpatschigkeit der Gehilfen von Brother Baoh.
Zugute halten muss man "Au Revoir Taipei", dass er wunderbar strukturiert und geschnitten ist, so dass er trotz des ständigen Wechsels zwischen seinen diversen Handlungssträngen nie sprunghaft oder holprig anmutet, sondern ein fließendes Ganzes ergibt.
Loben muss man auch die fast schon magische Atmosphäre, die den Film durchzieht, die ansprechende farbliche Gestaltung, die immer wieder gelungenen Bildkompositionen im nächtlichen Taipeh sowie schlicht den Umstand, dass die Bilder immer wieder detaillierten Einblick in die Kultur geben (z. B. auf dem Lebensmittelmarkt mit vielen Nahaufnahmen der diversen, in der Zubereitung befindlichen Speisen).
Mag "Au Revoir Taipei" auch atmosphärisch angenehm und zudem schön anzuschauen sein, gibt es in der Erzählung einige Probleme. Ich will gar nicht die gravierenden Unlogeleien kritisieren (z. B. dass ein Polizist 200m(!) hinter den Tatverdächtigen aus seinem Auto steigt und "Halt, Polizei!" ruft, anstatt zu ihnen hinzufahren, woraufhin die Verdächtigen natürlich wegrennen).
Es geht mit eher um einige Vorhersehbarkeiten der Geschichte (z. B. dass ein großer Bohei um Kais Freundin in Paris gemacht wird, wo jedem Zuschauer längst klar ist, dass der Film in absehbarer Zeit den prototypischen Trennungs-Anruf bringen wird, den wir aus x Filmen kennen).
Vor allem merkt man, dass der Film sich in den Details seines nächtlichen Verstrickungs-Spiels einen "Instant-Kultfilm-Charakter" verleihen will. Das wirkt recht prätentiös. Zumal viele Rohrkrepierer vorhanden sind: So wirken die humoristischen Einlagen der tolpatschigen Thugs von Brother Baoh nicht wirklich überzeugend. Und auch viele andere Elemente sind eher gewollt cool als wirklich cool.
Auf der anderen Seite enthält "Au Revoir Taipei" aber viele warmherzige Momente der Menschlichkeit, die sich im chaotischen nächtlichen Treiben entwickeln. Insgesamt also ein sympathischer, angenehmer kleiner Film.