Da fühlt man sich doch gleich zurückversetzt in die Blütezeit des Exploitationfilms, als vermeintlich zarte Frauen zu Furien wurden und sich blutig an ihren Peinigern rächten.
Vorliegender Stoff erinnert ein wenig an „Die Frau mit der 45er Magnum“, in dem es um eine stumme Frau geht, die nach einer Vergewaltigung zum Racheengel mutiert.
Auch hier ist die Hauptfigur stumm und rächt sich für ihre Schwester.
Es dominiert das Thema der Zwangsprostitution: Mit der Aussicht auf eine ertragreiche Stelle als Putzfrau werden junge Frauen von Russland nach Kanada verschleppt, um gefügig gemacht zu werden und anschließend als Stripperin oder Hure zu arbeiten.
So schleust sich Karma (Shera Bechard) in den Ring ein, um ihre seit Wochen verschwundene Schwester Anna zu finden, während die stumme Schönheit einen Gangster nach dem anderen killt…
Die arg sprunghafte, nicht chronologische Erzählweise stiftet zunächst mehr Verwirrung als alles andere, denn es dauert eine ganze Weile, bis man überhaupt einen Bezug zur Hauptfigur aufgebaut hat. Pendelnd zwischen Rückblicken und Gegenwart muss man mühevoll einordnen, ob Karma noch in Russland ist oder bereits in Toronto agiert, während nach und nach die Kriminellen der Organisation eingeführt werden.
Dass Karma hören, jedoch nicht sprechen kann, gestaltet zwar ihre Grundsituation problematischer, da sie dem Taxifahrer ein Foto zeigen muss oder hastig eine Notiz aufschreibt, doch im Verlauf wird aus diesem Umstand zu wenig herausgekitzelt.
Es unterstreicht allenfalls den scheinbaren Widerspruch zwischen einer zarten und scheinbar hilflosen Frau und der eiskalten Killerin, als die sich die junge Frau entpuppt.
Dabei soll die Handkamera augenscheinlich für mehr Authentizität sorgen, doch die trüb ausgeleuchteten Sets in Bar, Strip-Club, Motelraum oder Kaschemme kommen dadurch oft recht verschwommen rüber, zumal sich die unsichere Führung bei einigen Szenen bemerkbar macht.
Dennoch kommen die Locations größtenteils angemessen schmierig rüber und unterstreichen die schmuddeligen Aspekte des fiesen Geschäfts. Mädchen werden befummelt, bedroht, geschlagen und auch mal vergewaltigt, - da will so ein etwas länger andauernder Tanz unserer Karma, die sich in den Strip-Club eingeschleust hat und an der Stange lasziv ihren BH fallen lässt, nun so gar nicht ins moralisierende Bild passen.
So pendelt die Erzählung zwischen blankem Voyeurismus, frauenverachtenden Zuhältern und ihren Schergen und den kurzerhand geplanten Racheaktionen Karmas, die zuweilen ein wenig Härte ins Spiel bringen, ob durch den Schlag mit einem Wagenheber oder einem Messer im Schädel.
Leider dümpelt der Stoff einige Zeit vor sich hin, bevor die zweite Hälfte deutlich treffender auf den Punkt kommt und sogar kleinere Twists einschließt.
Besonders gegen Ende erlebt man eine bittere Ironie, die recht gut zur vorher geschürten Stimmung passt.
Darstellerisch sticht lediglich Shera Bechard als Karma hervor, die allerdings mehr mit Sinnlichkeit, Look und Ausstrahlung punktet als mit differenzierten Minenspiel, wobei das ehemalige Playmate ein gewisses Talent für verführerische Blicke mit geheimnisvoller Note mitbringt. Die Ganoven performen hingegen immer am Rande zum Overacting, Totalausfälle sind allerdings nicht zu vermelden.
Und so passiert Karma eine Etappe nach der anderen im Untergrund, wird zwischendurch erwischt, kann wieder fliehen, beobachtet im Club und weiß auch mal körperlich auszuteilen.
Das Ganze gestaltet sich insgesamt nur phasenweise spannend, denn zu selten stehen die Mordakte im Vordergrund und ein wenig zuviel wird an der Stange getanzt.
Handwerklich im unteren Mittelmaß vermag kaum eine Figur Interesse zu erwecken, lediglich das offene Schicksal der vermissten Schwester hält halbwegs bei Laune.
Kein Streifen zum Wohlfühlen, jedoch auch keiner, der im Herzen betroffen macht…
4,5 von 10