Achtung! Spoiler vorhanden!
Ich komme gerade frisch von der Kino-Premiere und bin immer noch leicht verwirrt. Ich weiß leider überhaupt nicht, was ich von diesem Film halten soll. Die wichtigste Warnung also gleich zu Beginn, dieser Film ist absolut NICHT für die breite Masse gemacht. Würde man den Film 100 Leuten zeigen, würden sicherlich mehr als die Hälfte nach nur kurzer Zeit gähnend das Handtuch werfen. Und so war es auch im Kino und ich habe es wirklich noch nie erlebt, dass so viele Leute während des Films kapituliert haben und den Saal verließen. Der Regisseur, Terrence Malick, ist mir nicht ganz unbekannt. Mit "Der schmale Grad" hat er, zumindest für mich, einen wirklich beeindrucken Anti-Kriegsfilm geschaffen, der mir noch lange im Gedächtnis blieb. Doch all seine anderen Werke konnten mich überhaupt nicht packen, insbesondere die fürchterliche Pocahontas-Variante (Nein, nicht "Avatar") "The New World". Da der Regisseur sich immer längere Pausen nach seinen Filmen nimmt, war ich bereit ihm nochmal eine Chance zu geben. Zum einen muss ich sagen, dass "The Tree of Life" ein optisch wirklich hervorragendes Werk ist. Das Problem was ich bei diesem Streifen die ganze Zeit hatte war, dass ich nie wusste, was der Film jetzt eigentlich von mir wollte. Im Prinzip ist dieser Film ein reines Familiendrama, wo es um die strenge Erziehung eines Vaters (Brad Pitt) geht und dabei seine Familie zerstört. Doch was ich in den ersten 30 Minuten gesehen habe, kann ich irgendwie total schlecht beschreiben. Wir bekommen einen reinen und völlig kommentarlosen Bilderrausch geboten. Es beginnt mit dem Urknall, sämtliche Bilder aus dem Universum werden uns geboten. Danach sehen wir plötzlich Dinosaurier, ja kein Witz, wirklich sehr gut animierte Dinosaurier. Ich fühlte mich fast schon wie in einem neuen "Jurassic Park" Film, doch nach einigen Minuten mehr bekommen wir endlich wieder unsere Familie zu sehen. Aber auch hier darf man nie lange Dialoge oder irgendwelche tiefsinnigen Gespräche erwarten, fast Alles wird hier nur mit Musik untermalt. Die paar vereinzelten Dialoge bestehen dann nur aus Streitereien und kleinen Anekdoten über Geschwister. Doch gegen Ende dreht der Film dann völlig ab und mutiert beinahe zu einem reinrassigen David Lynch Streifen. Wir bekommen Szenen und Bilder geboten, die auf dem ersten Blick überhaupt keinen Sinn ergeben und viel Freiraum für Spekulationen und Interpretationen lässt. Hohe Schauspielkunst darf man hier auch nicht erwarten, da es wie bereits erwähnt kaum nennenswerte Gespräche gibt. Brad Pitt überzeugt zwar als aggressiver, aber auch gebrochener Ehemann und Vater, kann aber hier nicht an seine ganz großen Filmerfolge anknüpfen. Auch Sean Penn spielt eine völlig austauschbare Rolle, zumal man ihn, soweit ich mich erinnere, kein einziges mal Sprechen hört, jedenfalls nicht direkt. Wenn man seine Stimme hört, dann sind es nur vereinzelte Schnipsel aus seinen Gedanken.
Wie bereits erwähnt ist dieser Film wirklich mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn dieser Film viel zu lang geht und gegen Ende viel zu weit raus gestreckt wird, konnte mich der Film schon ein wenig beeindrucken. Er wird zwar für mich jetzt nicht in die Hall of Fame der Filmgeschichte eintreten, doch die künstlerischen und vor allem musikalischen Aspekte können sich durchaus sehen lassen. Wer "The Fountain" "Donnie Darko" und sämtliche David Lynch Filme mag, könnte hier wahrscheinlich voll auf seine Kosten kommen.
Fazit : Auch wenn es etwas hart klingt : "The Tree of Life" ist anstrengend, verwirrend und teilweise auch sehr belastend. Aber es ist der tolle Bilderrausch und der kunstvolle Touch, der den Film für mich schon irgendwie zu was Besonderem macht. Allerdings werden viele, wenn nicht sogar die klare Mehrheit, diesen Film einfach nur zum Kotzen finden.
7,5/10