Viel zu selten werden Sterneköche oder Restaurantkritiker in den Mittelpunkt einer Persiflage gerückt, dabei bieten stereotype Vorurteile jede Menge Stoff für Verarschungen auf Kochshows, Philosophien von Feinschmeckern und herablassenden Äußerungen von selbst ernannten Gourmets.
Ansätze bringt vorliegender „Bitter Feast“, doch am Ende fühlt er sich doch nur wie ein austauschbarer Entführungs-Thriller an.
Fernsehkoch Peter Grey (James LeGros) hängt im Quotentief, zudem wird er als Koch eines Edelrestaurants aufgrund einer vernichtenden Kritik entlassen. Jene verdankt Peter dem Internet-Blogger JT Franks (Joshua Leonard). Kurzerhand entführt er Franks und legt ihn im Keller seiner abgelegenen Ferienwohnung im Wald in Ketten. Fortan muss Franks einige kulinarische Prüfungen bestehen, ansonsten drohen unbarmherzige Sanktionen…
Regisseur und Autor Joe Maggio gelingt es immerhin, einen latent zynischen Unterton mitschwingen zu lassen, denn die selbstgerechte Haltung des Meisterkochs kennt zu keiner Situation eine Einschränkung. Auch der Seitenhieb auf (amerikanische) Fernseh-Kochshows ist treffend auf den Punkt gebracht, denn das Publikum verlangt nach billigen Zoten anstatt wertvollen Hinweisen zu Ernährung. Kritische Töne in Sachen Lebensmittelqualität treten regelmäßig zum Vorschein und am Rande wird auch Massentierhaltung und die damit verbundene Verabreichung von gepanschtem Tierfutter erwähnt.
Die Situation zwischen Entführer Peter und Opfer Franks ist zu Beginn von deutlicher Sympathieverteilung geprägt, denn just trat Franks noch niederträchtig und herablassend gegenüber seiner Frau auf und auch seine Kritiken greifen die jeweiligen Betreiber persönlich mit verletzenden Worten an. So erscheint es zunächst harmlos, dass Franks in Ketten durch den Wald latschen muss, um ein simples Überlebenselement wie Wasser von einem Punkt zum anderen in einem Eimer zu transportieren. Peter will ihm Respekt und eine Form von Selbstreflexion einbläuen, doch Franks bleibt trotzig und erntet im Verlauf eine Menge Tritte und Schläge, was mehr durch das sehr gute Make-up in Erscheinung tritt, als durch explizite Szenen.
So muss Franks das perfekte Rührei zubereiten, ein Steak haargenau Medium grillen und zwischen Maulbeeren und Tollkirschen als Zutat zweier äußerlich völlig identischer Gerichte unterscheiden. Zwischendurch tritt der obligatorische, natürlich heruntergekommene Detektiv (Larry Fessenden) in Erscheinung und am Ende spielt auch noch Frank Frau eine kleine Rolle im Spiel. Die kulinarischen Spitzfindigkeiten nehmen im Verlauf leider ab, während typische Elemente des Psycho-Thrillers in vertraute Bahnen gelenkt werden, ohne dass es zu unerwarteten Wendungen käme und somit stellt auch der Showdown keine sonderliche Innovation dar.
James LeGros als Peter und Joshua Leonard als Franks ist es zu verdanken, dass die Chose trotz recht ruhigen Erzähltempos nie langweilig wird, denn beide gehen voll in ihren Rollen auf. LeGros hat seine starken Momente vor allem dann, wenn er seinem Opfer stillschweigend bei den gestellten Aufgaben beiwohnt und anmaßende Mine zum bösen Spiel macht oder zwischendurch und in aller Seelenruhe ein edles Menü für sich selbst zaubert und anschließend in vollen Zügen genießt, während sein Opfer im Keller an Ketten hängt.
Dennoch ist es am Ende schade, dass aus den kulinarischen Aufgaben nicht mehr gemacht wurde und sich das Mitfiebern aufgrund der Berechenbarkeit des Peinigers in Grenzen hält.
Damit sind nicht nur die überschaubaren Gewalteinlagen wie ein Ast im Hals, eine Axt im Rücken oder ein Messer in der Hand gemeint, sondern vielmehr die Spitzfindigkeiten und der Zynismus gegenüber maßloser Selbsteinschätzung innerhalb des großen Universums der Kochkunst.
Somit bleibt „Bitter Feast“ ein in Ansätzen unterhaltsamer Beitrag, der auf Ebene des Thrillers jedoch zu überschaubar und absehbar erscheint und passionierten (Hobby)-Köchen wahrscheinlich mehr gibt, als der breiten Masse.
Knapp
6 von 10