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Thriller ohne thrill - Klassiker Remake

Der Plot ist bekannt:
Zwei sich elitär dünkende Studenten ermorden einen Kommilitonen. Nicht aus Rache, Wut oder Habgier bringen sie ihr Opfer um die Ecke, sondern nur aus einem einzigen trivialen Grund: In ihrer maßlosen Selbstüberschätzung wollen sie beweisen, daß es den perfekten Mord gibt. Müßig zu erwähnen, daß die beiden selbsternannten Elite-Bubis auffliegen und noch am Tag des Mordes von ihrem Proffessor überführt werden.

Die Story stammt aus dem Jahre 1948 und wurde von Kultregisseur Alfred Hitchcock in dem Klassiker "Cocktail für eine Leiche" verwandt. An die Stelle von James Stewart, dem findigen Professors von damals der das Verbrechen in 'Kopfarbeit' und im kompletten Alleingang löste, sind in der Neufassung zwei Polizisten des Morddezernates getreten: Cassie Mayweathe (Sandra Bullock) und Sam Kennedy (Ben Chaplin). Den Part der Mordfraktion übernehmen Michael Pitt II und Ryan Gosling, zwei (fast) gänzlich unbekannte - und deshalb erfrischend unverbrauchte - Gesichter.

Ansonsten ist eher biedere Hausmannskost angesagt. Die Originalstory wurde stellenweise dem Wandel der Zeit angepaßt und leicht modifiziert. Waren die beiden Mörder von 1948 angehende Akademiker mit Höhenflug-Neurose, so treten in der 2002er-Fassung die vernachlässigten Kids reicher Eltern an ihre Stelle. Und das Opfer ist kein Student mehr, sondern eine willkürlich auf der Straße ausgesuchte Frau.

Vollkommen identisch mit der Hitchcock-Vorlage ist jedoch die Storyline: Die Geschichte wird nicht ausschließlich aus der Perspektive der Polizei erzählt, sondern auch die Charaktere der Bösewichter werden beleuchtet; der Zuschauer weiß also von Anfang an, wer den Mord begangen hat. Womit ein wichtiges Spannungselement verlorengeht.

Und genau hieran krankt "Mord nach Plan". Während bei Hitchcock der Thrill dadurch erzeugt wurde, daß man sich bei jedem neu ans Tageslicht gekommenen Indiz fragte: "Wie wollen die denn das erklären?", so geht dieses Konzept in der Neufassung nicht auf. Hier braucht sich der Zuschauer keine Fragen zu stellen, denn irgendwie ist alles sonnenklar. Zumindest das meiste.

Wahrscheinlich geht viel Spannung auf ein paar konstruiert wirkenden Nebenschauplätzen verloren, wie z.B. einem unverarbeiteten Trauma der Polizistin Cassie oder der beginnenden Sexaffäre mit ihrem neuen Kollegen Sam; Nebensächlichkeiten, die nicht dazu geeignet sind, die Story voranzutreiben.

Erfrischend ist die Tatsache, daß der Film sowohl ohne schauspielerischen Ausfälle, als auch ohne billige Knalleffekte auskommt.

Fazit:
Durchgängig routiniert gemacht und deshalb ansehnlich, von einem spannungsgeladenen Thriller jedoch meilenweit entfernt.

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