Muss man Barbet Schröder kennen? Ich weiss nicht, ich zumindest kannte ihn. "Weiblich, ledig, jung sucht.." ist ein Thriller der mir auch nach einigen Jahren noch im Gedächtnis haften geblieben ist. Ein gutes Zeichen. Nein, aber wirklich kennen muss man sie nicht, d.h. ich würde auch Menschen respektieren die den Namen noch nie zuvor gehört haben. Ich kannte ihn, das war mein Vorteil.
"Murder by Numbers" (klingt hundert mal besser wie dieser billige Mord nach Plan Quatsch) ist nicht die Art von Film dem viele sich erwartet hatten. Kein unglaublicher Thriller, auch keine Liebesgeschichte zwischen Chaplin und Bullock. Action? Sucht man vergebens. Was bleibt dann noch?
"Murder by Numbers" ist in erster Linie ein Drama. Viel Charakter, viel Dialoge. Trotzdem aber keine Langeweile, das dürfen wir Barbet Schroeder anrechnen. Sie schafft den Spagat und verbindet die verschiedenen Genres gekonnt zu einem überaus stimmingen Gesamtwerk. Drama. Sind wir doch mal ehrlich, bei dem Wort läuten bei uns schon die Alarmglocken: Langeweile. Stopp! Drama ist der Hauptbestandteil, daneben, oder besser dahinter läuft ein spannender Thriller.
Überall liest man den Vergleich zu Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche". Was soll ich dazu sagen? Ich kenne den Film nicht, scheint aber doch eine Art Kompliment zu sein. So würde ich es auf jeden Fall verstehen.
Sandra Bullock, bekannt als rasendes Mädchen aus "Speed" oder als Ulknudel in "Miss Undercover". Keine Filme die ein höchstmass an Schauspielkunst erfordern, anders hingegen hier ihre Rolle als Cassie. Sie hart, sie ist unnahbar, sie ist verletzlich, sie hat selbstzweifel, sie sucht nach sich selber. Der Zuschauer merkt das, merkt das etwas in ihrer Vergangenheit passiert ist, etwas entscheidendes. Schroeder erzählt dies gekonnt in Rückblenden, verrät ein Teil der Geschichte, aber nicht alles. Cassie schläft mit ihrem Kollegen Sam (Ben Chaplin) um ihn dann mitten in der Nacht einfach rauszuschmeissen. Wow, das ist eine Frau. Nein, keine Frau, einfach nur ein verletzlich Wesen. Was kann Cassie am besten? Ihren Job, darin ist sie stark, keiner macht ihr was vor.
Da wären wir dann schon bei den Beiden, die versuchen Cassie übers Ohr zu hauen, nur um sich selber was zu beweisen, vielleicht auch nur als kleiner Zeitvertreib. Richard, der reiche Snob, beliebt und cool. Justin, ein genialer Freak, ohne Freunde. Da musste ich erstmal schlucken. Das ist sooo simpel, sooo einfach gestrickt - kann man in jedem Groschenroman nachlesen.
Da musste sich Barbet Schroeder schon noch was einfallen lassen. Und das tat er. Wir wissen wer den Mord begangen hat, wir wissen wo, warum, wieso, weshalb...wir, der Zuschauer, weiss alles. Cassie weiss nichts. Trotzdem (und für meinen Geschmack viel zu schnell) versteift sich Cassie sofort auf die Beiden, obwohl sie das perfekte Verbrechen begangen haben. Sie schieben alles dem Hausmeister in die Schuhe (im wahrsten Sinne des Wortes), alles scheint für Richard und Justin glatt zu laufen, bis auf die unbekannte in der Gleichung - Cassie. Sie bleibt ihnen auf der Spur, trotz einiger Hindernisse, bis zum entscheidenen Kampf vor...ja vor was denn. Vor einem vanille farbigem Himmel. Deja vu.
"Murder by Numbers" erinnert zum Teil ein wenig an "Scream", zwei Täter planen den perfekten Mord, zwei jugendliche Täter. Die beiden spielen ihre Rollen gut, aber weder Ryan Gosline noch Michael Pitt haben mich umgehauen, dazu waren die Charaktere zu steif und fest. Anders Sandra Bullock, fand sie grosse Klasse, doch manchmal etwas zu aufgesetzt. Da drückt man schon mal eine Auge zu. Der Film funktioniert, ist spannend und auch ein bisschen innovativ, bleibt aber immer überschaubar.