Fast hätte Matt Farnsworth Streifen als pure Hommage an die klassischen Slasher der Achtziger durchgehen können, wenn er nicht der immer noch andauernden Welle von Folterfilmen erlegen wäre. Einen gewissen Härtegrad kann man dem Werk zwar nicht absprechen, doch mit der ausgeleierten Story dürften eingefleischte Genrefans ihre Probleme bekommen.
Es waren einmal zwei Waisenkinder, die in einer von Nonnen geführten Einrichtung aufwuchsen. Während sich Audrey als putziges Mädchen hervortat und bald von einem Cop adoptiert wird, neigt ihr Bruder Marcus bereits als Kind zu Gewaltausbrüchen.
Als junge Erwachsene soll Audrey dieses deutlich zu spüren bekommen, denn der maskierte Marcus ist nicht nur hinter ihr her…
Diane Foster, die nicht nur die Hauptrolle bekleidet und den Streifen auch mitproduzierte, hat sich prinzipiell recht gut in Szene gerückt, indem sie den Genrefreund zunächst mit ein paar nackten Tatsachen konfrontiert und später ein recht glaubhaft leidendes Opfer abgibt, welches gleichermaßen eine toughe Ader offenbart. Ihr Pendant ist hingegen der Gesichtslose hinter der Maske, der im Wechsel mal grummelt oder ein paar religiös angehauchte Worte an den Tag legt, dabei zwar nicht gänzlich plemplem agiert, aber eben auch nicht sonderlich furchterregend daherkommt.
Dennoch wirken die Szenen in einer halbleeren Schule mit angrenzender Kapelle recht genreorientiert, den Mustern gängiger Slasher folgend metzelt sich der Killer durch zahlreiche Randfiguren, bis er schließlich Audrey im Visier hat.
Dabei ist die Kamera meistens solide positioniert, das Tempo zieht regelmäßig gut an, nur der Score ist größtenteils völlig daneben, indem auf billiges Heavy-Metal Geröhre zurückgegriffen wird, was die aufkommende Atmosphäre bei jeder Actionszene im Keim erstickt.
Anbei gibt es noch einige Flashbacks, die in die Kindheit der ungleichen Geschwister zurückreichen und dramaturgisch gut ins Gesamtbild passen. Erzählerisch hinkt dabei allerdings einiges, denn nach dem Totschlag an einen Schüler darf Marcus ohne psychologisches Gutachten im Waisenhaus bleiben, muss allerdings von da ab eine Maske tragen, was die dortigen Nonnen offenbar für genauso pädagogisch angemessen halten, wie sein Gesicht unter Wasser zu drücken und ihm den Rücken blutig zu peitschen.
Nun, irgendwie muss der kompromisslos agierende Killer ja zustande kommen.
Und der schlägt wahrlich explizit und derbe zu, so dass ein Kopf platt getreten wird, eine Machete einen Schädel spaltet, ein Schraubenzieher im Oberschenkel landet, ein Arm abgesägt und ein Messer im Auge platziert wird. Die Effekte sind durch die Bank handgemacht und können sich ohne Ausnahme sehen lassen, - da ist handwerklich viel Wert auf eine überzeugende Umsetzung gelegt worden.
Innerhalb der Story wird dieser Fokus jedoch vernachlässigt, denn ohne diverse Logiklöcher und Unwahrscheinlichkeiten kommt man auch hier nicht aus. So stehen Figuren nach über zehn Messerstichen oder gar Hammerschlägen auf den Kopf noch auf, Cops handeln mal wieder ohne Absprache mit Kollegen und manche Wunden unterliegen offenbar einer rasanten Wunderheilung.
Auch der Showdown impliziert ein paar dieser undurchdachten Handlungsabläufe, was sich bis zur finalen Szene erstreckt und nebenher einige Klischees aus der Mottenkiste einbindet.
Am Ende lebt „Orphan Killer“ eigentlich nur von den Splatterszenen härterer Gangart und dem einigermaßen hohem Tempo während der ersten Hälfte. Originell oder gar raffiniert wird die Geschichte hingegen nicht erzählt, überraschende Momente bleiben aus und auch das Interieur bleibt minimal und arbeitet die wesentlichen Aspekte im eher oberflächlich ausgearbeiteten Eilverfahren ab.
Für reine Splatterfans durchaus eine kleine Fundgrube, für Genrefreunde des Slashers allenfalls einer, den man mitnimmt und kurz darauf wieder abhaken kann.
5 von 10