Review

Das Slasher-Genre ist immer wieder gut für  neue Horror-Ikonen. In "Orphan-Killer" (auf deutsch "Der Waisenmörder") geht Marcus (David Backus) auf Schnitzeljagd. Was den Film bekannt (und somit auch  begehrt) macht ist die Tatsache, dass es bis heute noch keine deutsche Fassung dieses Slashers zu kaufen gibt - und der Titel trotzdem schon auf der Beschlagnahme-Liste steht.

Und ganz ehrlich: Das Teil hier ist sau brutal. Ich würde sagen, noch einen Tick härter als die ungeschnittenen "Laid to Rest"-Filme.

Wenn man den Film nur in  Echtzeit spielen lassen würde, käme er auf knappe 40 Minuten in denen bis zum bitteren Ende gemeuchelt und geschlitzt wird, dass selbst der abgebrühteste Gorehound weiche Knie bekommen würde: Marcus (mit Maske) macht Jagd auf seine Schwester Audrey (Diane Foster) und bringt jeden, der zufällig seinen Weg kreuzt, um.

Die restliche Spielzeit begrenzt sich darauf, in Rückblenden dieser hauchdünnen Story etwas Tiefe zu verleihen, dass wir erkennen, warum Marcus dermaßen mächtig angepisst ist.
Klein Marcus und Audrey wurden damals Zeugen, wie ihre Eltern kaltblütig von Einbrechern umgebracht wurden. Während Audrey ein neues, liebevolles Zuhause gefunden hat, steckte man Marcus in ein Waisenhaus, in dem er missbraucht wurde.
Diese Rückblenden stehen schon nahe an der Grenze zum Schwachsinn: Marcus mordet bereits als junger Knirps wie der Teufel in Person und bekommt dafür lediglich ein paar kleine Strafen aufgebrummt. Wir sind uns ja mit Sicherheit alle einig, dass wenn man einen achtjährigen Mitbewohner mit 50 gezählten Hammerschlagen den Kopf zermatscht eine gepflegte Tracht Prügel inklusive Einzelzellenübernachtung ausreichen dürfte, um ihn zu erziehen...
Hinzu kommt, dass die Schwestern im Waisenhaus merken, dass wenn Marcus eine Maske auf dem Gesicht trägt, sich deutlich ruhiger verhält und keinen totknüppelt. Also bekommt Marcus dementsprechend den ganzen Tag eine dermaßen hässliche und auch furchterregende Maske über den Kopf gestülpt (hätte da nicht eine Goofy-Maske gereicht?), anstatt ihn mit Medikamenten vollzupumpen und ihn zum Kinderpsychologen zu schicken.
 Aua, da waren definitiv Drogen im Spiel. Dabei hätte man  mit einem soliden Grundgerüst vielleicht eine harte Trilogy rund um den "Orphan Killer" auf den Markt bringen können.

Was man für einen Dünnschiss aus der Vergangenheit ertragen muss, wird auch in der Gegenwart fortgesetzt. Nach den ganzen Rückblenden frage ich mich immer noch, warum  der ganze Hass auf die eigene Schwester reduziert wird. Logische Antworten wird man darauf keine finden.
 Richtige Charaktere gibt es in diesem Film eigentlich gar nicht. Ein paar Freundinnen von Audrey, hier ein Priester, da mal ein ganz Unschuldiger, der zur falschen Zeit am falschen Ort war und kabumm. In hervorragenden Special Effects wird mit der Kamera minutenlang draufgehalten.
 Sowas nennt man dann eben Mittel zum Zweck, oder wie die Verantwortlichen mit dem Stock im Arsch sagen: §131 Gewaltverherrlichung.
Und ich bin mir ganz sicher, dass euch die Bevormundung von der Zensurbehörde genauso gepflegt am Anus vorbeigeht wie mir.

Doch wie sieht es mit dem eigentlichen Film aus, wenn man sämtliche Logik und physikalischen Gesetze ausblendet?
 Ein starker Anfang, der zugleich die Endsequenz bildet, danach darf man bei  einer Autofahrt eine Deathmetal-Variante von dem Titellied "Cry Little Sister" von "The Lost Boys" hören und mit der Zunge schnalzen kann. 
Anschließend geht es aber steil bergab, da "Orphan Killer" lediglich mit brutalen Szenen glänzen kann und alles was dazwischen liegt, belangloser Quark ist. Der Soundtrack eignet sich hervorragend zum Moschen und Bier saufen, jedoch passt er nicht zum Plot und entzieht der Verfolgungsjagd und dem Morden jegliche Spannung und Atmosphäre. Mitfühlen mit Charakteren (da ja keine vorhanden sind) ist auch nicht angesagt, selbst Blondie Audrey wird dem Zuschauer gleichgültig bleiben, da selbst sie dünn wie ein Brett gezeichnet wurde.


Also, früher oder später wird sich ein Label erbarmen und "Orphan Killer" ungeschnitten über Österreich rausbringen. Wer einen Filminhalt lediglich auf Gore begrenzt, muss dann einfach zugreifen, da diese rohe Härte selbst mir in einigen Szenen im Magen weh getan hat. Wer jedoch mehr Ansprüche an Slasher stellt, sollte sich den teuren Kauf aus dem Ausland sparen. Blut und Gewalt machen (auf nüchternem Magen) noch lange keinen guten Film aus.

3/10

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