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Wer es häufig genug sieht, glaubt es irgendwann, - und so können eingefleischte Fans von Terrorfilmen mittlerweile davon ausgehen, dass jeder fünfte Haushalt in den USA aus degenerierten und psychisch völlig kranken Individuen besteht, die nichts Besseres als Kidnapping und Folter im Sinn haben.
Das Problem des häufiger Sehens ist allerdings: Man kennt die Muster und Abläufe des Genres aus dem FF und kann kaum noch überrascht werden.

Deswegen wundert es auch nicht, dass sich Genreveteran Bill Moseley einmal mehr als Psychopath in der Rolle als Jon entpuppt, der Mara (Michelle Page) am See anspricht, als diese just die Asche ihres verstorbenen Dads in den titelgebenden Fluss rieseln lassen will.
Zurück an der Straße, scheint Maras Auto gestohlen worden zu sein, so bietet Jon, der mit seiner krebskranken Frau Lea (Lucinda Jenney) in einem abgelegenen Haus in der Pampa lebt, Mara eine Übernachtungsmöglichkeit an, was sich als fataler Fehler entpuppt…

Krankes Ehepaar hält junge Frau gefangen, - man könnte diesbezüglich eine lange Liste an Filmen mit derselben Grundidee anfügen, doch Horrorfreunde wissen auch so, wie der Hase läuft.
Leider erhält Mara kaum eine Figurenzeichnung, sie wechselt zu Beginn ein paar flüchtige Worte mit ihrem Bruder und verhält sich dem Paar gegenüber angemessen zurückhaltend, bis die beiden ein paar Stunden später ihr wahres Gesicht zeigen.
Darauf folgt viel Wimmern und Schluchzen aufgrund diverser verabreichter Medikamente, wobei das genaue Motiv des Kidnappings außen vor bleibt. Das Trauma eines früh verstorbenen Kindes kann nur vermutet werden, ansonsten könnte allenfalls die schiere Langeweile auf dem Land zu sadistischen Tendenzen führen, wie in anderen filmisch bekannt gewordenen Vorbildern auch.

Im Folgenden konzentriert sich die Erzählung auf die drei Hauptfiguren, auch wenn der Dorfsheriff obligatorisch vorbeischaut und zum Finale ein zweites Opfer involviert ist.
Mara geht es, trotz einiger Befreiungsversuche zunehmend dreckiger, was bereits mit dem Nähen einer Schnittwunde an der Hand einsetzt. Weitere Drangsalierungen sollen nicht vorweggenommen werden, allerdings fehlen in der aktuellen deutschsprachigen Fassung rund drei Minuten, in der es zu einer sexuellen Handlung unter Zwang kommt und einige Gewalteinlagen, die allerdings nicht sonderlich drastisch ausfallen (zumindest nicht so explizit, wie die Sensibelchen der FSK das mal wieder einstufen).

Was der beklemmenden Atmosphäre zugute kommt, ist die düstere Farbgebung in leicht ausgewaschenen Tönen, in der selbst der titelgebende Fluss trist und wenig einladend erscheint. Auch die trostlose und karge Einrichtung des Hauses spiegelt die Gesinnung der verrückten und selbstgerechten Sadisten wider, welche in Form von Moseley und Jenney im Übrigen grundsolide in Szene gesetzt werden ohne dabei ins Overacting abzudriften, während Michelle Page als potentielles Opfer zumindest passabel performt.

Nur leider bleibt die Erzählung komplett vorhersehbar, zwischenzeitlich mangelt es an spannenden Auseinandersetzungen, während der Stoff nie in die Tiefe geht und beide Parteien zu wenig von ihren Hintergründen und Zielen offenbaren.
Etwas mehr Bewegung kommt erst zum Finale ins Spiel, doch auch hier wird der Genrefreund kaum überrascht, während einige Fragen mittendrin zwar gestellt, bis zum Ende aber nicht beantwortet werden.
Ein oberflächlicher, kaum schockierender Vertreter seiner Gattung, - handwerklich ist das für ein Debüt in Ordnung, doch die Story bleibt ideenlos, wirkt zu selten adrenalinfördernd und dürfte nach kurzer Zeit bereits in der Masse an Terrorfilmen untergehen.
5 von 10

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