Review

Die schöne junge Mara verabschiedet sich kurz vor Weihnachten für ein paar Tage von ihrem Freund, um dem letzten Wunsch ihres Vaters nachzukommen. Dieser wollte eingeäschert und anschließend in den Stromschnellen des Rogue River versenkt werden. Doch gerade, als sie die Asche verstreuen will, wird sie von dem Farmer Jon unterbrochen. Dieser weist sie darauf hin, dass ihr Vorhaben illegal ist. Doch anstatt die junge Frau bei der Polizei anzuzeigen, lädt er sie auf ein Essen bei sich zu Hause ein. Mara nimmt das Angebot gerne an, als sie feststellen muss, dass ihr Auto gestohlen wurde. Was als anfängliches Abendessen mit netten Menschen begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Horrortrip.

Drei Dinge fielen mir bei der deutschen DVD schon vor Beginn negativ auf. Da wäre der billige Look der von den Bildern auf dem Cover entgegenstrahlt (und sich auch im Film oft genug wiederfindet, ein fähiger DOP war sicher nicht dabei). Auch der Titel "Gefangen und gefoltert" macht nicht wirklich Sinn (gefangen ok, aber gefoltert sieht für mich anders aus) und biedert sich sehr unbeholfen der modischen Toture Porn Welle an. Richtig gefährlich sind aber die Werbesprüche. "Für die Fans von Eden Lake, Cold Prey oder Hatchet" ist gequirlter Kuhdung, denn erstmal haben die drei (guten) Filme inhaltlich miteinander so ziemlich gar nichts zu tun und mit Rogue River eigentlich genau so wenig.
Die Story bietet altbekanntes. Das unschuldige Mädchen gerät in die Hand eines älteren Ehepaares (das sich nachher als Geschwisterpärchen entpuppt, was den angedeuteten Blowjob doppelt eklig macht), das sichtlich nicht mehr auf allen Zylindern rund läuft. Leider macht der Film hier einen bösen Kardinalfehler, indem er die Charakter völlig ohne Tiefgang läßt. Man erfährt über die arme Mara so gut wie gar nix, außer das Papas Asche ein Flußbad nehmen möchte. Noch schlimmer ergeht es Jon und Lea. Woher haben die ihre Klatsche (die sich nicht nur durch Selbstgeißelung und Inkontinenz äußert), was sind ihre Ziele oder Motive? Nichts davon wird auch nur ansatzweise erklärt, was bedeutet, das dem Zuschauer alle wesentlichen Figuren ziemlich am Allerwertesten vorbeirauschen.
Dazu kommen zahlreiche offene Fragen, die sogar schon während des ersten Ansehens auffallen. Warum zieht Mara anfangs nicht einfach die Schuhe aus und streift ihre sehr locker sitzenden Fußfesseln ab? Warum kill Jon völlig unnötig den Sheriff? Machen die beiden das schon länger (ich hab schon geistig die Schlußaufnahme mit hunderten Autos vorheriger Opfer gehen, die aber nicht kommt)? Warum verwirrt man den Zuschauer mit einer Anfangssequenz, die am Ende verdeutlicht wird, obwohl der Zeitablauf des Schusses nie und nimmer stimmen kann? Was passiert mit Jon am Ende (Bauchschuß ist nicht schön, aber auch nicht sofort tödlich)? Fragen über Fragen, die das Drehbuch da hinterläßt.
In einem hat das Cover immerhin recht, die Grundhaltung ist durchaus pervertiert und entbehrt nicht einer gewissen Spannung. Der Ablauf ist niemals langweilig, nur eben oft handwerklich und logisch fragwürdig. Dafür dürfen wir dankbar sein, das Bill Moseley wenigstens seinen Schlüpper anbehält, ich hatte wirklich schon schlimmstes befürchtet. Letztlich bleibt Rogue River aber ein unterdurchschnittliches Werk, das versucht auf der aktuellen Torture Welle zu reiten, aber dabei zu oft vom Surfboard fällt.
4/10

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