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Rund sieben Jahre liegen zwischen Alexandre Aja´s Überraschungserfolg „High Tension“ und seinem erstmaligen Ausflug ins Tierhorror-Genre.
Dabei sind schon einige Beiträge zum Thema Piranhas auf die Leinwand geschmissen worden, allerdings gab es noch keinen, der die Viecher mit soviel Zynismus und Härte zubeißen ließ.

Es ist Spring-Break am Lake Victoria: Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue) hat bei dem Getümmel alle Hände voll zu tun, während ihr Ältester Jake (Steven R. McQueen) eigentlich auf die beiden jüngeren aufpassen sollte, jedoch über Umwege an Bord des Softcore-Filmers Derrick landet.
Als Seismologen durch einen Spalt am Grund des Sees ein darunter liegendes Gewässer entdecken, bleibt dieses nicht die letzte Erkenntnis, während die Party der jungen Feiernden voll im Gange ist…

Grundlegend kann man den Mustern gängigen Tierhorrors im und auf dem Wasser keine innovativen Facetten mehr verleihen, es sei denn man hat, wie Aja bereits mehrfach bewiesen hat, ein Händchen für Suspense und die wesentlichen Zutaten.
Die Hauptfiguren werden schnell und prägnant eingeführt, der eingestreute Wortwitz und einige Situationskomik fahren dabei deutliche Sympathiepunkte ein und aufgrund parallel ablaufender Handlungsstränge legt man von Beginn an einen ordentlichen Schlagabtausch hin, ohne sonderliche Verschnaufpausen einzulegen.

Der Ablauf bleibt natürlich komplett vorhersehbar und es kommt niemand vorzeitig ums Leben, der nicht genügend Screentime vorzuweisen hat.
Dazwischen wird, - so ist es bei der amerikanischen Variante von Ballermann 6 Usus, ordentlich nackte Haut präsentiert, während auf dem Erotikschiff ein paar kleinere Einlagen gebracht werden, welche das ästhetisch gefilmte Tauchspiel zweier üppiger Damen impliziert.
Recht bewusst tummeln sich hier einige Klischees, die von der toughen allein erziehenden Sheriff-Dame über den arroganten Regisseur bis hin zum alten Freak (Christopher Lloyd) reichen, welcher die besondere Spezies der Fische erläutert: Eigentlich vor zwei Millionen Jahren ausgestorben und zwischenzeitlich zu Kannibalen mutiert, holen sich nun ganze Schwärme alles im Wasser, was irgendwie in Bewegung ist.

Und da zeigt Alexandre Aja, was er in Sachen Splatter-FX und derbem Humor alles zu bieten hat: Ob es sich um einen abgetrennten Penis im Wasser, den von der Hüfte an zerfetzten Körper eines Opfers oder den zahlreichen Fleisch - und Bisswunden handelt, - seine Darstellungen sind durchweg drastisch und die Anzahl der Verletzten ist immens, gerade als mitten im Party-Trubel Panik ausbricht.
Dabei weitet Aja den Gorefaktor über die bissigen Viecher hinaus, indem sich auch mal jemand mit den Haaren in einer Bootsschraube verfängt oder diverse Leute mit dem Motorboot geplättet werden. Der Begriff Blutbad ist hier wörtlich zu nehmen und dabei sticht der Hang zum morbiden Humor immer wieder ins Auge, wenn sich gerade dort die Überlebenden versammeln, wo über ihnen der Schriftzug „Dying to get wet“ zu lesen ist.

Die Piranhas selbst wurden klasse animiert, da wirken einige rasante Unterwasserfahrten ebenso schick wie angreifende Schwärme aus verschiedenen Perspektiven und selbst einzelne durchs Feucht fetzende Exemplare bringen unglaublich viel Leben in die Bude.
Einziges Manko ist bei alledem eben jene Vorhersehbarkeit nahezu sämtlicher Aktionen, selbst beim Showdown zeichnet sich früh ein relativ exakter Verlauf ab.
Lediglich einen kleinen Twist am Ende hat man in der Form weniger erwartet.

Folgerichtig bietet dieser Genrebeitrag eine absolute Empfehlung für Fans:
Rasant, blutig, spannend, zynisch und mit sympathischen Figuren ausgestattet offenbart der Streifen optimales Futter für hungrige Zuschauer, die endlich mal wieder ein Exemplar mit sichtlich höherem Budget genießen wollen.
8 von 10

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