Review

PIRANHA 3D
USA 2010 / REGIE Alexandre Aja

In binnen 4 Jahren bringt der französische Regisseur Alexandre Aja nach "The Hills Have Eyes" und "Mirrors" nun seine bereits dritte Neuverfilmung eines schon einmal verfilmten Stoffes auf die große Leinwand. Doch ähnlich wie bei "Mirrors" ist es im Grunde kein Remake, sondern vielmehr seine Geschichte und seine verrückte Idee, die blutrünstigen Fische in Szene zu setzen.

Es ist Spring Break am Lake Victoria. Das heißt, dass viele hundert feierwütige Amerikaner eine verschlafene Kleinstadt stürmen, um eine Woche voller Exzess, Party und Freiheit einzuläuten. Dass diese aber die Rechnung ohne einen Schwarm hungriger prähistorischer Piranhas gemacht haben, wird sich schnell als großer Fehler herausstellen, denn die Fische haben seit Millionen von Jahren unterhalb des Sees ausgeharrt und somit einen unheimlich großen Appetit angestaut.

Es klingt wie eine Horrorkomödie, es ist eine Horrorkomödie. Und was für eine. Zuerst reibt man sich verwundert die Augen, dass sich Alexandre Aja, der sich eher durch kompromissloses Terrorkino á la "Haute Tension" oder "The Hills Have Eyes" eine große Fangemeinde im Horrorgenre aufbauen konnte, für derartige Banalitäten hinreißen ließ, aber dieser Gedanke verfällt schnell, denn mit "Piranha 3D" hat der Franzose überraschenderweise einen derben Knaller hingelegt.
Ausgeschmückt mit diversen Visualisierungen von Sex, nackten Körpern, wippenden Bikinioberteilen und prallen Hinterteilen gelingt es Aja, eine ironisch witziges Splatter-Feuerwerk abzubrennen, bei dem sein Blick auf die amerikanische Konsumgesellschaft in Form der Spring Breaker mehr als blutig ausfällt.
Gekonnt und überaus humorvoll befriedigt der Film niedere Gelüste und fährt dabei schwere Geschütze auf. Dass abgetrennte und abgenagte Körperteile, blutüberströmte Amerikaner, viel Geschrei und kein Ausweg aus der Hölle so viel Spaß überbringen können, klingt banal, aber Alexandre Aja serviert sie stets mit einem gewaltigen Augenzwinkern. Er rechnet gnadenlos mit bekannten Gesichtern wie Eli Roth ("Hostel"-Regisseur), Richard Dreyfuss (Matt Hooper aus "Jaws"), Ving Rhames und Jerry O'Connell ab und wirft sich zum Vergnügen der Zuschauer stets kreativ und plastisch den Piranhas zum Fraß vor. Dass auch prominente Pornogrößen wie Gianna Michaels, Ashlynn Brooke und Riley Steele ihr Fett wegkriegen, steigert den Spaß ungemein. Dazu gesellen sich noch Elisabeth Shue und Christopher Lloyd, die beide natürlich an ganz bestimmte Charaktere erinnern sollen.

Trotz des Schlachtfestes bleibt der Film immer spannend und hält die Balance zwischen Action und Humor. Er verlässt bewährtes Fahrwasser nie, lässt aber alles überspitzt, blutig und überaus wild darstellen. Er steuert zielgerichtet auf das vermeintliche Ende hin und macht keine Gefangenen. Man hat jederzeit das Gefühl, dass sich Aja schon sehr lange (das Drehbuch zu "Piranha 3D" war eines der ersten Scripte, welches er nach seinem Film "Haute Tension" in Amerika zu Gesicht bekam) auf die Inszenierung dieses Splatterwerks gefreut und viel Leidenschaft hineingelegt hat.
Ja, es ist ein Geschmetzel am Lake Victoria, das wohl zu den blutigsten des Horrorgenres gehört, aber es ist auch ein herrlich überdrehter Spaß, der nie bescheuert - gar langweilig wirkt. Somit wundert sich der Zuschauer z.B. auch nicht, wie zwei Mädels zu opernhafter Musik minutenlang ohne Sauerstoff im Wasser verbringen können und dabei ihre nackten Körper an sich reiben.

Ins Kino gehen, Popcorn speisen und das Bier ploppen lassen.

PS: Die Freude auf den verlängerten Director's Cut ist natürlich dementsprechend groß.

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