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1978 schickte Joe Dante im Erfolgsfahrwasser von Spielbergs „Weißem Hai" einen Schwarm mutierter Killer-Piranhas auf Menschenjagd, 32 Jahre später legt nun Horrorremake-Spezialist Alexandre Aja, der zuvor unter anderem dem Wes-Craven-Klassiker „The Hills Have Eyes" eine Frischzellenkur verpasst hat, den kultigen Beißer-Reißer als derbe B-Party-Movie-Hommage neu auf. Dafür bedient er sich des spätestens seit James Camerons durchschlagendem „Avatar"-Erfolg schwer gefragten und im Horrorgenre immer noch am effektivsten funktionierenden 3D-Trends - auf ganzer Linie zu überzeugen weiß das Creature-Spektaktel leider dennoch nicht.

Wie jedes Jahr zum Spring Break fallen tausende feierwütige Studenten am beschaulichen Lake Victoria ein und verwandeln das verschlafene Nest in eine Partymeile - doch die lokalen Ordnungshüter haben sich bald mit einem gewichtigeren Problem als ins Wasser geworfenen Flaschen und illegalem Drogenkonsum herumzuschlagen: Ein Erdbeben öffnet den Zugang zu einem über Millionen von Jahren abgeschlossenen See unter dem Meeresgrund, in dem prähistorische Ur-Piranhas die Zeiten überdauert haben. Die sind des Kannibalismus an der eigenen Art überdrüssig und machen sich mit Freude über das nichts ahnende Partyvolk her...

Die gewichtigste inhaltliche Neuerung gegenüber dem Original neben der Szenariovariante Spring Break liegt in der Erklärung der Herkunft der Bestien und leider ist es keine Änderung zum Vorteil: Wo die Killerfische bei Joe Dante Produkt eines militärischen Genexperiments waren, langweilt das Remake mit einer Prämisse, die nicht nur unglaubwürdiger, sondern auch wesentlich lahmer und unattraktiver ist. Der Rest wirkt über weite Strecken wie leidiges, teils uninspiriertes und oft vorhersehbares Abhaken der obligatorischen Genre-Bausteine, Elemente wie die unvermeidlichen ungehorsamen Bälger, die in Gefahr geraten und denen sowieso nichts passiert, nerven nur.

Doch was auf inhaltlicher Seite alllzu altbekannt dahinplätschert, kompensiert Aja mit einer visuellen Breitseite, die die Hauptqualität von „Piranha 3D" ausmacht: Der Regisseur zelebriert das Klischee-Bild der Spring-Break-Partyorgien mit einem grandios in Szene gesetzten optischen Cocktail aus traumhaften Sommer-Sonne-Strand-Aufnahmen und zu chicen House-Klängen feiernden knapp bis gar nicht bekleideten Girls. Szenen wie der Wet-T-Shirt-Contest und die nackten Unterwasser-Spielchen der traumhaften Kelly Brook und der noch traumhafteren Riley Steele zeigen den wahren Sinn der 3D-Technik auf und Aja hält den Unterhaltungswert seines Werkes mit der Hochglanz-Erotikshow ganz wunderbar hoch.

Weniger perfekt ist ihm leider die zweite Komponente des Partyhorrorfilms gelungen: Wenn die Piranhas nach inhaltlich mühsamer Einführung endlich loslegen, ist das zwar so megaderb und blutig inszeniert, dass man sich nur wundern kann, wie sich die FSK zum KJ-Siegel bewegen ließ, aber leider nicht oft genug im Sinne schwarzhumorigen over-the-top-Vergnügens. Wenn die Studenten detailliert zerfleischt, zerfetzt und zerrissen werden, ihrer unteren Hälfte beraubte Überbleibsel menschlicher Körper über den Boden kriechen und totgebissene blutige Leichen durch die Gegend fliegen, ist das großteils nicht lustig, sondern nur ekelhaft und widerwärtig. Die Gorenhounds mag die gebotene Gewalt zwar in Verzückung versetzen, doch das lustvolle Abschlachten von Leuten, die von einigen Ausnahmen abgesehen nichts  mit Badguys oder Unsympathen gemein haben, wirkt schlicht krank und mir ist schleierhaft, wie man sich daran ergötzen kann. Der Charakter des bewusst ironisch inszenierten, übertriebenen Over-the-Top-Splatters kommt hier nämlich nur sehr vereinzelt zur Geltung. Da rettet es auch nicht viel, dass Aja häufig sehr souverän die Spannungsschraube anzieht und aus Standardsituationen  nette Thrills zu zaubern weiß.

Auf schauspielerischer Seite agieren die Hauptdarsteller Steven R.McQueen und Elisabeth Shue als Sohn und Tochter okay, während Jerry O'Connells Overacting-Performance eines widerwärtigen Pornoregisseurs nur nervt (der einzige Charakter, über dessen Tod man sich von Herzen freut, und es ist der mit Abstand krasseste) und Ving Rhames als ballernder Deputy leider völlig verheizt wird. Großen Spaß macht immerhin der Gastauftritt von „Zurück in die Zukunft"-Kultstar Christopher Lloyd als irrem Wissenschaftler, mit „Der weiße Hai"-Star Richard Dreyfuss als Opening-Opfer und Eli „Hostel" Roth als Wet-T-Shirt-Contest-Moderator gibt es zwei nette Gastauftritte - und dass Kelly Brook und Riley Steele erst im knappen Bikini und dann ohne das beste am Film sind, haben wir ja vorher schon festgestellt.

Fazit: Alexandre Ajas Neuauflage des Joe-Dante-B-Klassikers „Piranha" funktioniert als Partygranate leider nur zum Teil: Die Hochglanzoptik und Girls-Show machen Spaß, von der lahmen Handlung und der kranken, allzu selten als schwarzhumoriger over-the-top-Fun funktionierenden Gewalt kann man das weniger behaupten. Letztlich ein purer Fanfilm für Splatterjünger - für die einen Spaß, für die anderen ekelhaft. Im Falle von „Piranha 3D" zähle ich mich zu letzteren.

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