Es ist schon ein Unterschied, ob man unbedingt "3D" in einen Film einbauen will, um ihn kommerzieller zu machen oder ob man sich sagt: "Hey, "3D" ist nun mal da, noch besser - also laßt uns speziell dafür einen Kracher produzieren!"
Wenn man darüber hinaus noch ein oder zwei brauchbare Unterhaltungsideen im Köcher hat, dann kann durchaus eine optisch herausragende Party losgehen.
Als sich der französische Filmemacher Alexandra Aja, der durchaus Erfahrung mit Remakes hat ("Mirrors", "The Hills have eyes"), nun an das Projekt machte, Joe Dantes überschätztes Kultepos "Piranha" zu überarbeiten, da wurde nicht einfach die Vorlage kopiert (was eh schon geschehen ist), sondern flugs überlegt, ob man daraus nicht einen überkandidelten Exploiter machen könnte, der all das spaßeshalber breittritt, daß junge Leute damals wie heute bewegen könnte, sich so einen Streifen reinzuziehen, sei es nun im Saal oder im Autokino (für das der Film gefühlt produziert scheint).
Das hieß: alle Figuren entweder betont klischeehaft oder enorm überzeichnet, wie es vor 30 bis 50 Jahren noch todernst abgelichtet wurde; ein paar bekannte Namen engagieren, die sich freundlichst für Cameos begeistern; sich knuffend an einige Klassiker anlehnen, ohne sie zu schänden; dann viele plastische Effekte, viele Mädels, noch mehr nackte Brüste und jede Menge Blut und Eingeweide.
Interessanterweise ging das Rezept enorm gut bei der Kritik auf, die dieses Mal den Schuß wohl gehört hatte; im Gegenzug aber ließ sich das sonst so feierwütige Publikum nicht sonderlich zahlreich ins Kino locken, was vielleicht auch dem 3D-Overkill der letzten zwei Jahre geschuldet ist.
Das Urteil lautet: schade, denn "Piranha 3D" ist (gerade für männliche Zuschauer) der ultimative Partyfilm, der exzessiv auf Gore und nackte Mädels setzt, um das dann auch noch in perfekt gelackte Bildern von der Spring-Break-Frühlingsfrische zu präsentieren.
Die Parole war offensichtlich: bloß keine Langeweile aufkommen lassen, also ballert Aja den unterhaltungswilligen Zuschauer ohne Pause knapp 85 zu, läßt gleich zu Beginn (noch vor der eigentlichen Titelnennung) den "Jaws"-Veteranen Richard Dreyfuss verfrühstücken und präsentiert dann in der Folge baldigst Haarsträubendes: nämlich einen prähistorischen See unter dem eigentlich Ausflugssee, aus dem ebenso prähistorische und enorm freßsüchtige Dinopiranhas in die Feriendomäne einfallen. Wie die es sich zwei Millionen Jahre in ihrem eigenen Kot gemütlich gemacht haben, bleibt zwar genauso ungeklärt, wie so vieles in diesem Film, aber um Logik gehts ja auch gar nicht.
Stattdessen werden uns Archetypen um die Ohren gehauen: da ist der weibliche Sheriff (Elizabeth Shue in der absoluten Roy-Scheider-Rolle), der sich um die unterseeische Felsspalte (das Wort wird dann auch gleich noch für ein paar treffliche sexistische Gags mißbraucht) und um 20.000 Party People kümmern muß; der bullige schwarze Hilfssheriff (wie gemacht für Ving Rhames); der schrullige Besitzer der Tierhandlung mit den nötigen Urzeitkenntnissen (ein fröhliches Wiedersehen mit Christopher Lloyd) und dann natürlich der koksende Chef eine Adult-Website namens "Wild Wild Girls", der mit seinen Pornoschnecken über den See schippert (hier darf Jerry O'Connell mal so richtig vom Leder ziehen). Als Identifikationsfigur haben wir noch den Teenagersohnemann der Gesetzeshüterin und seine Beinahe-doch-nicht-Freundin, die beide auf der Pornotour mitreisen; seine zwei kleinen Geschwister, die natürlich zum Angeln ausbüxen und den letzten überlebenden Geologen, den die Fischis nicht versnackt haben, während sich auf dem Partyschiff dann noch ein paar sexy Mäuse räkeln, die sich in der Filmmittel dann natürlich für eine lesbische Tauchnummer unter das Glasbodenboot begeben.
Was man aus diesen Figurenabziehbildern machen kann und wird, kann sich jeder Horrorfreund an seinen zehn Monsterfingern abzählen und weil es so schön ist, wird aus der Notlage ein hübscher Zwei- bis Dreifrontenkrieg, der im letzten Drittel tatsächlich im Erhoffbaren kulminiert: die Fischis attackieren zähnefletschend die Hafenparty der kommenden Uni-Elite Amerikas (also sex- und saufsüchtige Uschis und Deppen) und zerfetzen in einer 15minütigen Goreorgie, die munter Filme wie "Braindead" zitiert den Hauptteil davon, mal in CGI-gesteuerter Großaufnahme, dann wiederum in malerischen Kamerafahrten über die blutverschmierten Überreste. Wenn da also dann jemandem noch ein abgebissener Penis fehlt, der von einem Piranha wieder hochgewürgt wird: den gibts als Sahnehäubchen gratis dazu.
Aja hat mit "Piranha 3D" offenbar den Spaß wiederentdeckt: Hemmungslos wird da alles in den Kochtopf gepfeffert, was irgendwie skandalös ausschaut und normalerweise für Partyspaß sorgt, von vollkommen übertriebenen Darstellerleistungen bis zu geordneten Einsatz von echten Pornostars als hübschen Zierat am Rande. Wer die Chose überlebt, ist von Beginn an klar und als es nicht mehr grotesker geht, setzt das Skript mit dem "Fortsetzung!" schreienden Schlußgag gleich noch einen drauf: hier ist nichts ernst und so soll es auch bleiben.
Optisch ist Ajas Film übrigens eine Pracht, nicht nur für Brillenträger, glasklare Unterwasseraufnahmen (reichlich) und eine reichhaltige Fülle von Primärfarben im Einsatz (ein knackeblauer Himmel vor nordamerikanischer Skyline samt Bikinis in allen Farben, plus hektoliterweise Filmblut) sorgen für rotierende Pupillen, ein bewußt klischeetriefender Score powert mit der nötigen Stimmung vorneweg und mehr braucht man zu Popcorn, Pizza und Bier auch eigentlich gar nicht, man will es einfach krachen lassen. All das bleibt dabei so albern überzogen, nostalgisch und ausgelassen, daß der "Brot und Spiel"-Vorwurf fürs einfache Volk schlicht und ergreifend nicht paßt, hier haben Stab und Crew vermutlich den meisten Spaß gehabt, indem sie den Film einfach gedreht haben.
Ach so, eins noch: Fortsetzung her, der Sommer kommt. (8/10)