Er hat uns mit 'Haute Tension' verstörenden, verschachtelten Psychohorror geliefert, der in einem kleinen Massaker endet. Er hat aus Wes Craven's Kulthorror 'The Hills Have Eyes' eine modernisierte und weit aus bessere Version hergezimmert, die vor allem in der ersten Hälfte durch Atmosphäre und einen gesunden Spannungspegel überzeugt. Dann hat sich der gute Mann einen weitgehend unbekannten südkoreanischen Mysteryhorror vorgeknüpft und den atmosphärisch dichten, aber etwas unentschlossenen 'Mirrors' geschaffen.
Exil-Franzose Alexandre Aja (stets im Doppelpack mit seinem Schreiberling Grégory Levasseur) ist bereits bekannt, für seine Remakes - und die sind gar nicht mal so schlecht. Es ist kaum verwunderlich, dass sein nächster Streich ebenfalls eine Neuverfilmung darstellt, nur dieses mal greift er tiefer in die Filmgeschichte und fischte sich Joe Dantes 70er-Horror 'Piranhas' heraus. Nach all den ernsten und strengen Filmen, die Aja bis dato produzierte, scheint sein letzter Streich 'Piranha 3D' seine andere Seite zu präsentieren - denn das, was er und seine Kollegen uns hier auftischen, ist der absolute Partyfilm - und der ist gar nicht mal schlecht in Szene gesetzt worden.
Schon zu Beginn fängt das fröhliche Zitieren an, in dem er Richard Dreyfuss, der einst in Steven Spielbergs Flossen-Horror 'Der weiße Hai' den Fischfreund mimte, in einem regelrechten Blutbad das Zeitliche segnen lässt. Was uns dann auf den Teller serviert wird, ist ein höllisch unterhaltsamer Film, der sich wie wild durch die Filmgeschichte zitiert und sich dabei nie allzu ernst nimmt. In der Provinz, die gerade im Spring-Break-Fieber ist, gibt es den zurückhaltenden Jake Forester, der wie jedes Jahr um diese Zeit Baby sitten sollte, sich aber anders entscheidet und mitsamt (s)einer Freundin auf ein Schiff eingeladen worden ist, deren Besitzer für die Website "Wild Wild Girls" dementsprechende Filmchen produziert - die Akteurinnen sind ebenso auf dem Boot. In der Zwischenzeit ist die Party am Strand im vollen Gange, es wird gesoffen, gefeiert und getanzt bis zum Umfallen - im wahrsten Sinne des Wortes. In einer netten Nebenrolle als "Wet T-Shirt Host" sehen wir Eli Roth, der anscheinend überaus Spaß an der Rolle hatte. Das hatten wohl die Meisten, denn dieser Film weiß, wie er sein Publikum zu unterhalten hat, und hält stets die Balance zwischen überkandideltem Ernst und übertriebener Klischeeansammlung.
Bevor das Gemetzel losgeht, werden hier und da noch ein paar Charakter gesponnen, was aber nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt, da eh die Meisten bald im Blutbad ersaufen werden. Neben der stets anhaltenden Gute Laune, die durch den ständigen Einsatz von Party-Musik angeheizt wird, stört nicht einmal die unnötige, vorsichtig aufbauende Liebesgeschichte zwischen dem Milchbubi und seiner heimlichen Geliebten Kelly.
Die Piranhas vernaschen den ganzen Film über die ein oder andere Person, und das endet meist in einem rasanten Tempo, in dem sich das zuvor glasklar-blaue Meer auf einen Schlag blutrot färbt. Zugegeben, das Niveau der Tricks schwankt erheblich, doch aufgrund der schnellen Kamerafahrten und dem in den Attacken rasanten Schnitt fällt dieses Manko nicht allzu sehr ins Gewicht, vor allem nicht am Ende, wenn die Meute dann richtig zuschlägt. Ganz auf die Männer zugeschnitten werden hier auch mehrmals die Brüste gewackelt, was mit einer Art Lesbenszene unter Wasser seinen kleinen Höhepunkt findet - aber dann ist Schluss mit lustig, doch der Spaß fängt erst richtig an.
Nachdem die örtliche Polizei darauf gekommen ist, das menschenfressende Piranhas ihr Unwesen treiben, wird sofort Alarm geschlagen, jener wird von den schon besoffenen Partygästen aber falsch interpretiert, woraufhin das Blutbad beginnen kann. Und das hat es ganz schön in sich. In Abwechslung mit CGI-Effekten und drastischen Nahaufnahmen veranstaltet Aja in gut 15 Minuten ein panisches, überaus spannendes Massaker, das einem mehr als einmal den Atem stocken lässt. Obwohl er sich nie zu ernst nimmt, spürt man die Angst und stockende Panik, da fast im Sekundentakt Menschen entstellt angeknabbert werden, oder in schicken Unterwasseraufnahmen zerteilt werden. Bei so viel Hektik und Literweise Blut wird dabei noch eine Szene in James Cameron's Katastrophenepos 'Titanic' gebührend zitiert, nur ist das in Ajas Werk 100-mal cooler.
Wer auf Titten und Blut steht, macht bei diesem Film absolut nichts falsch. Es wird mit Klischees ohne Ende um sich geschmissen, Literweise Blut versenkt, Leichen getürmt und das ist einem so rasanten Tempo und einer zügigen Inszenierung, die uns nicht eine Sekunde Atempause gönnt. Bei diesem flotten Tempo verzeiht man gerne inhaltliche Defizite und die Niveauschwankungen der Spezialeffekte.
Alexandre Aja hat mit 'Piranha 3D' seinen bis dato zweitbesten Film in seiner Karriere gedreht; ironischerweise auf jeglichen Verzicht auf blanke Ernsthaftigkeit, was seine früheren Werke auszeichnete und populär machte. Das ist ein Partyfilm, der als solcher gedreht wurde, primär für das männliche Geschlecht. Und der Clou des ganzen ist sowieso ein Muss, selbst wenn er nicht unbedingt vorhersehbar ist. Das schreit geradezu nach einer Fortsetzung, die aber nicht wirklich einen Sinn machen würde. Spannung, Blut, schicke Mädchen und ein herrlich schönes Wetter - lasst die Party beginnen!