Review

Im Zuge der französischen harten Welle machte sich auch der Regisseur Alexandre Aja im Horror-Genre einen Namen - und schaffte mit dem harten Remake von Wes Cravens „The hills have eyes" den Sprung nach Hollywood. Auch einem anderen Klassiker des Schundfilms hauchte er frischen Atem ein: Seine Version von „Piranha" ist ein greller Fun-Trash-Splatter voller Partystimmung, nackter Haut, literweise Blut und im wahrsten Sinne bestialischer Gewalt.

Eines gleich vorweg: Wer hier Attribute wie logische Story, tiefgründige Gedanken oder Political Correctness sucht, ist definitiv falsch. Der Inhalt ist flach wie eine Flunder, erzählt eine simple und geradlinige Geschichte von Urzeit-Piranhas, die durch ein Erdbeben aus ihrem unterirdischen See entkommen und jetzt Jagd auf Badegäste machen. Die dünnen Klischeefiguren bleiben oberflächlich, aber immerhin glaubhaft und sympathisch, und die zahllosen Close-ups auf nackte Silikon-Brüste dürften auch nur bei einer Hälfte des Publikums gut ankommen.

Aber all das ist gar nicht schlimm, denn „Piranha" hat von vornherein nur ein einziges erklärtes Ziel, und das erreicht er voll und ganz: Fun, Fun, Fun! Die hemmungslose Spring Break-Partystimmung fängt er mit rotierenden Kameraflügen, grellbunten Bildern feiernder Partymassen und einem fetten HipHop-Sound kongenial ein. Dazu kommt eine Reihe zentraler Figuren, die zwischen nettem Loser, der zum Helden wird, sympathischer Schönheit, der seine geheime Liebe gilt, und arroganten Feierwütigen pendeln. Ein echtes Highlight ist Jerry O'Connell als so zynischer wie schriller Porno-Produzent, der zugekokst durch die Gegend stampft und das bös-ironische Ende bekommt, das er durchaus verdient.

Für Splatter-Fans geht der Spaß auch über diese Party-Session hinaus: Was „Piranha" an saftigen Ekel- und Gewaltexzessen zu bieten hat, dürfte das Härteste der damaligen Kinosaison gewesen sein. Vor allem das zentrale Massaker, wenn eine Horde Piranhas über dutzende badende Spring Break-Teens herfällt, schockt nachhaltig mit krassen Bildern (eine Frau, die aus dem Wasser getragen wird und in zwei Hälften auseinander fällt; eine andere, deren Haare sich in einer Bootsschraube verfangen und deren Kopf komplett gehäutet wird) und einer durchaus realistischen Inszenierung der ausbrechenden Massenpanik. Für einige Momente fühlt man sich hier an reale Katastrophen erinnert, was ein sehr beklemmendes Gefühl auslöst. Inszenatorisch ist Aja mit dieser Massaker-Szene eine der intensivsten und schockierendsten Gewaltsequenzen seiner Zeit gelungen.

Die Splattereffekte bleiben dabei größtenteils überzeugend und drastisch, nur hin und wieder erkennt man allzu deutlich den CGI-Einsatz. Aber auch wenn der Film einiges Schock-Potenzial bietet, bleibt er im Herzen doch ein herrlich ironischer Trash-Streifen, der sich selbst keine Sekunde ernst nimmt - dazu gehören auch nette Gastauftritte von Genre-Veteranen wie Richard Dreyfuss oder Christopher Lloyd.

Wer auf Inhalt verzichten und klaffende Logiklöcher großzügig übersehen kann, darüber hinaus Spaß an Ironie, nackter Haut und heftigen Blutbädern findet, der hat mit „Piranha" einen absoluten Pflichtfilm vor sich. Die simplen, auf den 3D-Kinoeinsatz ausgerichteten Effekte mit direkt in die Kamera schwimmenden Fischen oder hineinragenden Pflanzen kann man dabei getrost ignorieren. Hier geht es einzig und allein um Erwachsenen-Spaß der derberen Sorte. Und den hat „Piranha" uneingeschränkt zu bieten.

Details
Ähnliche Filme