Review

Nachdem das Hollywoodkino Ende der 90er zig Katastrophenfilme ins Rennen schickte, musste das B-Genre bald auch dort seine Vertreter platzieren wie z.B. „Scorcher“ von 2002.
Nach dem miesen Auftakt (Wissenschaftler entdecken ein grottig animiertes CGI-Feuer im ewigen Eis; hat aber keine Bewandtnis für den Film, außer der Tatsache, dass John Rhys-Davies kurz seine Fresse in die Kamera halten kann) und den halbwegs stimmigen Credits darf der Zuschauer Colonel Ryan Beckett (Marc Dacascos) dabei begleiten wie er die Forscherin Julie McGrath (Tamara Davies) aus einem Vulkansbruchsgebiet abholt. Dies bietet auch ein paar spektakuläre Aufnahmen – die aber alle aus „Dante’s Peak“ stammen, so dass der Film schon zu Beginn verärgert.
Derweil häufen sich seismische Beben, woraus Julie und ihr Vater Dr. Matthew Sallin (John Rhys-Davies), ebenfalls führender Wissenschaftler, prognostizieren, dass bald das Ende der Menschheit droht, falls man nicht eine sich verschiebende Gesteinsplatte stoppt. Sie unterbreiten Präsident Nelson (Rutger Hauer) den Vorschlag, dies mittels einer Atombombenzündung zu machen. Das ist schon mal dermaßen hanebüchen, dass der Zuschauer beginnt um Gnade zu winseln.

Diese Operation soll Ryan mit einem Team durchführen, wobei es nur einen möglichen Punkt zur Sprengung gibt: Los Angeles. Nach der Evakuierung der Stadt rückt die Truppe an, um die Sprengung vorzunehmen, doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet…
„Scorcher“ ist dermaßen grottig, dass es wehtut und man sich fragt, welcher Teufel die Leute geritten hat, hierin mitzuspielen, denn Dacascos hatte mit „Pakt der Wölfe“ auch in den USA Erfolg und John Rhys-Davies mit „Herr der Ringe“ sowieso. Action gibt es so gut wie gar nicht: Eine Minischießerei, winzige Explosionen sowie superkurze Handgemenge, in denen Dacascos noch nicht mal seine Fähigkeiten im Kampf zeigen darf.
Die Story ist absolut unspannend, vorhersehbar und unlogisch. Ryan hat noch eine Tochter in L.A., die bei der Evakuierung (natürlich) durch einen Zufall zurückbleibt und dann gerettet werden muss, sicherheitshalber wird noch eine zweite Atomwaffe mitgenommen, denn Ryan kennt Blindgänger von Feuerwerkskörpern her (*autsch*) und zu allem Überfluss taucht dann auch noch eine Situation auf, in der die Waffe wirklich gebraucht wird (*arghhh*). Die meiste Zeit herrscht aber nur Langeweile, denn der mögliche Weltuntergang mit sinnlosem Geseiere (Dialoge will man das nicht nennen) begleitet, das so mies geschrieben ist, dass es fast schon wieder lustig ist.

Auch von den Effekten her ist „Scorcher“ unterste Kajüte: Die für den Film gemachten Effekte sehen einfach superschlecht aus und sind zum größten Teil durchschaubare PC-Tricks. Dazu kommt noch der berühmte Szenenklau: Neben dem aus „Dante’s Peak“ zusammen geschnippelten Beginn darf man sich noch über die Tunnelexplosion aus „Daylight“ und (am Schluss des Films) zerfallende Hochhäuser aus „Terminator 2“, ähem *hüstel*, freuen. Klischees gibt es natürlich auch zuhauf: Da holt ein Teammitglied Familienfotos heraus und erzählt von seinen acht Kindern und Sekunden später rafft es den Knilch natürlich den Genregesetzen folgend dahin. Damit es noch besonders peinlich wird, versucht der Regisseur auch noch den Stil von Michael Bay zu kopieren, stolpert aber aufgrund der eigenen Unbeholfenheit.
Marc Dacascos spielt hier noch am besten, aber man hat schon wesentlich besseres von ihm gesehen. John Rhys-Davies guckt absolut belämmert und lustlos aus der Wäsche und auch die Leistungen vom Rest der Besetzung sind mit mäßig noch schmeichelhaft betitelt.

Effekte, Action, Story, Schauspieler – kurzum alles ist bei „Scorcher“ mies. Die Genreeinordnung Katastrophenfilm zieht da in mehrerlei Hinsicht.

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