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Auf einer Bergspitze im hintersten Winkel von Finnland gräbt ein Ausgrabungsteam unter amerikanischer Leitung ein tiefes Loch in den Berg und wird dabei von den beiden neugierigen Jungen Pietari und Jusso beobachtet. Da es außer einigen seltsamen Verhaltensregeln für die Arbeiter dort nichts interessantes zu sehen gibt und Weihnachten vor der Tür steht ziehen die beiden schnell wieder ab.

Auf dem Heimweg diskutieren die Jungen über den Weihnachtsmann. Jusso ist der Meinung, dass Santa Claus nicht existiert, woraufhin Pietari daheim anfängt sich in Büchern zu informieren und dabei auf eine Schilderung des Weihnachtsmannes stößt, die so gar nicht zum landläufigen Bild passen will.

Als am nächsten Tag seltsame Fußabdrücke unter seinem Fenster zu sehen sind und kurz darauf eine ganze Herd Rentiere tot aufgefunden wird ist Pietari klar, dass dieses Weihnachtsfest alles andere als ruhig und besinnlich wird...

Alle Jahre wieder kommt so sicher wie Weihnachten auch die passende Ladung an Filmen dazu in die Kinos und Videotheken. Während die allermeisten das kindgerechte Friede-Freude-Eierkuchen-Weihnachten zum x-ten Mal auf klebrigste Art aufwärmen findet ab und an aber auch ein etwas anders gelagerter Streifen den Weg zu uns. Gemeint ist damit eine Handlung, der sich ebenfalls mit Weihnachten auseinandersetzt, aber die bekannten Versatzstücke durcheinanderwirbelt, teilweise neu zusammensetzt oder manche auch ins Gegenteil verdreht. Vor einigen Jahren gab es in diesem Sinne z.B. Billy Bob Thornton als „Bad Santa“ zu sehen und in diesem Jahr kommt der etwas andere Weihnachtsfilm aus Finnland und hört auf den Titel „Rare Exports“.

Was es mit dem Titel auf sich hat und weiteres zur Handlung wird hier nicht verraten, da dies den Unterhaltungswert des Films entscheidend mindern würde. Soviel sei jedoch gesagt, die Story ist fantasievoll, insgesamt unterhaltsam, weist einige durchaus gelungene schwarzhumorige Einlagen auf und bietet eine kaum vorhersehbare Schluss-Pointe.

Obwohl der Streifen bereits zu Beginn mit einer Filmmusik unterlegt ist, die so mancher Big-Budget Hollywood-Produktion alle Ehre machen würde, wird dem Zuschauer aber recht schnell deutlich, dass der Film zwar an einige der verspielteren Spielberg-Produktionen wie „Goonies“ erinnern will, aber weder handwerklich, dramaturgisch  oder auch budgettechnisch mithalten kann.

Die auf einer Idee der Brüder Jalmari und Juuso Helander basierende Produktion hatte gerade mal etwa zwei Millionen US-Dollar zur Verfügung, was sich über den größten Teil der Spielzeit kaum negativ bemerkbar macht, zumindest nicht visuell. Normalerweise verschlucken ja Special-Effects wahre Unsummen an Geld und ohne die kommt auch „Rare Exports“ nicht aus. Trotzdem wirken die meisten hier verwendeten überzeugend, wenn auch nie spektakulär. Einzig die Flugszene mit Pietari schwächelt in Sachen Qualität etwas.

Der Punkt an dem das eingeschränkte Budget zum Tragen kommt ist hier im Script verborgen, dass natürlich keine Effektorgien beinhaltet, die auf Grund des mangelnden Geldes sowieso nicht realisierbar gewesen wären. Aber mangels entsprechender Mittel, wird speziell im mittleren Filmteil zu sehr auf die Wirkung der etwas kauzigen finnischen Hinterwäldler in Verbindung mit dem „Weihnachtsmann“ gesetzt. Ein paar der Gags sind zwar ganz nett, können aber über einen deutlichen Mangel an Substanz der über die Grundidee hinaus geht nicht kaschieren. So sieht man sich als Zuschauer dann immer mal wieder fragend auf die Uhr schauen, wenn eigentlich nichts wirklich die Handlung vorantreibendes oder von diesem Mangel ablenkendes spektakuläres geschieht.

Unabhängig davon, dass sich in Sachen spektakuläres gegen Ende auch nicht allzu viel tut, wirkt der Film an diesem Punkt aber deutlich zielstrebiger und auch unterhaltsamer um schließlich in einem wirklich komischen finalen Turn zu enden.

Sieht man mal von den finanziellen und damit verbundenen dramaturgischen Schwächen ab und hängt das bisschen an gebotenem skurrilen Humor nicht zu hoch, bietet sich einem ein ordentlich inszenierter und handwerklich gut gemachter Film, der gerne noch etwas böser und auch härter hätte ausfallen dürfen.

Fazit: „Rare Exports“ ist leider nicht das wirkliche filmische Kontrast-Programm zu Weihnachten geworden, dass ich gerne gesehen hätte. Dem Film mangelt es in dieser Hinsicht ganz klar an inhaltlichem Biss und finanziellen Mitteln. Für Leute, denen „Der kleine Lord“ aber schon lange auf den Zeiger ging dürfte sich hier zumindest eine Alternative zum üblichen Festtags-Programm anbieten (5,5 von 10 Punkten)

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