Review

Jedes Jahr zur Adventszeit kommt mindestens ein Streifen heraus, der es mit der Besinnlichkeit nicht so genau nimmt und den Weihnachtsfreunden ordentlich die Meinung geigt. Zwar kann dieser finnische Streifen durchaus als Winterfilm eingestuft werden, hauptsächlich bietet er jedoch eine wenig familientaugliche Mischung aus Fantasy, Horror und Mystery.

Pietari und sein Kumpel beobachten ein Team bei Bohrungen im Berg, jedoch verschweigen die Jungen ihren Vätern gegenüber, dass hierbei das Grab des bösen Weihnachtsmannes ausgehoben wurde. Kurz darauf sehen sich die Dörfler ihrer Einkünfte beraubt, als Dutzende von Rentieren tot aufgefunden werden. Als auch noch Kinder, Öfen und Kartoffelsäcke verschwinden, wird es Zeit für Pietari und einige Männer des Dorfes zu handeln…

Eine winterliche Stimmung ist rasch gegeben, denn die verschneiten Berge und die urigen Hütten lassen einen rasch die Kuscheldecke höher ziehen.
Die Kluft zwischen Pietari und seinem Vater wirkt zwar auch ein wenig fröstelig, allerdings wird nie so recht auf Erklärungen zurückgegriffen, lediglich der Verlust der Mutter deutet sich an. Leider ist Pietari ein ziemlicher Schnarchsack, woraufhin der Sympathiefaktor eher im unteren Bereich angesiedelt ist, teilweise mit leichtem Nervfaktor.
Die rauen Naturburschen kommen da schon wesentlich besser rüber, zumal einige zuweilen ein wenig stoffelig sind, während sich andere als Schaf im Wolfspelz entpuppen.

Die Erzählung benötigt fatalerweise eine ganze Weile, um mit dem letzten Drittel endlich in die Gänge zu kommen. Bis dahin wird ein wenig zuviel orakelt, vermutet, debattiert und durch den Schnee gelatscht, ohne dass einschneidende Erlebnisse zu erwähnen wären.
Erst als ein alter dünner Zausel aus einer Fallgrube gezogen und untersucht wird, gewinnt der Mystery-Faktor und es kristallisiert sich heraus, dass der kindliche Held natürlich mit sämtlichen Theorien Recht hatte.

Umso unglaubwürdiger erscheint seine Entschlossenheit zum Finale, denn wie durch einen umgelegten Schalter hören die Erwachsenen plötzlich auf ihn und folgen seiner Strategie, den bösen Weihnachtsmann und sein Gefolge in eine Falle zu locken.
Da das Geschehen fast ausschließlich aus der Sicht der jungen Hauptfigur geschildert wird, könnte es sich dabei auch um die alptraumhafte Verarbeitung einiger Erlebnisse handeln, denn ansonsten wäre der Bruch dieser Figur kaum glaubwürdig rüberzubringen.

Auffallend ist auch, dass innerhalb des kompletten Geschehens keine einzige weibliche Person zu sehen ist, dafür im Verlauf jedoch ein paar Dutzend nackter alter Männer.
In diesem Zusammenhang klärt sich der merkwürdige Titel erst mit den letzten Einstellungen, die final ein leichtes Schmunzeln verursachen.
Gerne hätte es von solch charmant-bösen Pointen etwas mehr sein dürfen, denn ansonsten hält sich der Humor eher in Grenzen und ergibt sich allenfalls durch ein wenig trockene Situationskomik.

Auf handwerklicher Ebene sind einige vortreffliche Kameraeinstellungen zu erwähnen und auch der Score unterstreicht die winterlich-urige Atmosphäre in allen Belangen.
Darstellerisch trifft man auf eine gute Besetzung, denn man nimmt den Typen durchaus ihre raubeinige, zuweilen etwas schroffe Art ab, was die Glaubwürdigkeit der Szenerie durchaus verstärkt.
Die wenigen Spezialeffekte erfüllen auf jeden Fall ihren Zweck und kommen aufgrund der bereits erwähnten Kamera gut zur Geltung und selbst der eine, kaum erwähnenswerte Splattereffekt ist grundsolide in Szene gesetzt.

Ein Weihnachtsfilm für die ganze Familie sieht demnach anders aus, denn hier wechseln sich trockener Humor, gruselige Momente und mysteriöse Einschübe ab.
Leider benötigt die Erzählung eine ganze Weile, um den roten Faden etwas strammer zu spannen und auch der Showdown läuft nicht ohne drehbuchtechnische Mankos ab, doch der makabere Charme hinter der erfrischenden Grundidee entschädigt für so manche Schwachstelle. Am Ende hat man dennoch das Gefühl, dass der Streifen sein Potential nicht voll ausschöpft und etwas mehr Pep vertragen hätte.
Für Zuschauer, die der Gefühlsduselei der Weihnachtszeit ein wenig entgehen wollen, stellt „Rare Exports“ jedoch eine willkommene Abwechslung dar.
6 von 10

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