Review

Eine hübsche Idee macht noch keinen Winter und ein schöner Kurzfilm hat sich in den wenigsten Fällen zu einem wirklich herausragenden Spielfilm gemausert, um diese Weisheit kommt auch Fanfavorit "Rare Exports" leider nicht herum.
Daß der Weihnachtsmann ein ganz schlimmer Finger sein könnte, ist ja nun auch nicht mehr die allerneueste Filmidee, da hat "Futurama" ganz sauber Vorarbeit geleistet und alle machen das fleißig nach, diesen Winter z.B. die Niederländer.

Die finnische Variante postuliert den bösen Weihnachtsmann als dämonische Wesenheit, die man vorsorglich vor Hunderten von Jahren begraben hat, aber nicht auf dem Friedhof, sondern gleich mal unter einem 400 Meter hohen Hügel irgendwo in der weißen Wildnis. Doch dann gräbt man eben an dem Ding herum und juppheidi, der suchende Wissenschaftler ist sofort ganz aus dem Häuschen.
Diese Variante von "das Böse aus seinem Gefängnis befreien" läßt man dann aber wieder fallen und konzentriert sich stattdessen auf einen kleinen Jungen namens Pietari, der das Übel nach der Lektüre Dutzender fieser Weihnachtsbücher schon kommen sieht (er ist dann auch der Intellektuelle in dieser integren Gemeinschaft von Rentierfängern). Er wohnt eigentlich mit seinem kantigen Papa (Mom ist natürlich tot) in der Nähe und macht ne Menge Stuß, aber als dann plötzlich alle Rentiere abgeschlachtet werden und die Kinder der Gegend verschwinden, genauso wie die Heizungen und alle Kartoffelsäcke, ist etwas im Busch. Das hängt vermutlich mit dem garstigen bärtigen Mann zusammen, den man in einer Tierfalle findet und der sich gar nicht kooperativ gegenüber seinen Rettern zeigt.

Was "Rare Exports" denn nun eigentlich sein soll, bleibt leider über die volle (mit 73 Minuten sehr kurze) Laufzeit ein Mysterium, der Film ist eine zwitterartige Kuriosität. Im Wesentlichen deutet der Film an, gruselig sein zu wollen, verzichtet aber auf den meisten Gore, bringt aber dennoch ein paar Grausamkeiten mit sich, die aber nicht dazu passen wollen, daß der Film fast komplett aus der Sicht des Kindes erzählt wird. Die Erwachsenen sind ein bißchen tumb überzeichnet, kälteerprobte Hunde, aber nicht die Hellsten, doch für echte Jokes reicht es nicht. So rückt der Film etwas in die Nähe der Fantasy, läßt aber deutlich erahnen, daß der Schlußgag wohl am Anfang da war und man die Story wohl rückwärts entwickelt hat.
Für das eher unentwickelte Filmland Finnland trotzdem ein hübscher Exportartikel, vor allem weil er sehr kompetent und treffend inszeniert ist, visuell und atmosphärisch stilsicher und ohne gleich die halbe Filmwelt Hollywoods kopieren zu müssen. Der kleine Junge ist auch recht angenehm gewählt (Vater und Sohn werden übrigens gespielt von Vater und Sohn im wahren Leben), der Umgangston robust und handfest, ohne falsche Sentimentalität.
Nur daß man außer der hübschen Idee eigentlich keine echte Zielgruppe gefunden hat. Für Horrorfans ist er nicht grell genug und hat auch keine großen Bluteffekte zu bieten, für Kinder und Jugendliche ist er zu umheimlich, für Fantasy- und Abenteuerfans ist er trotz seiner Kürze zu brav. Ein netter Film, aus dessen einzigem Twist (der erst spät im Film zum Tragen kommt) man mehr hätte machen können, mehr Spannung destillieren und mehr graphische Bedrohung filtern.

So bleibt mir nur der Respekt vor einer sauberen Produktion, bei der ich beim besten Willen nicht weiß, wem ich den Film nun empfehlen soll. Demnächst vermutlich irgendwo in ihrem vorweihnachtlichen Nachtprogramm. (5/10)

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