„Na dann – frohe Weihnachten…“
Es begann 2003 mit dem Kurzfilm „Rare Exports Inc.“, dem 2005 die Fortsetzung „Rare Exports II: The Official Safety Instructions“ folgte. Schließlich wurde die lose auf einem Weihnachtsmärchen Markus Rautios basierende Geschichte zu einem abendfüllenden Spielfilm ausgebaut, finnisch/französisch/norwegisch/schwedisch produziert und 2010 als Horror-/Fantasy-Komödie veröffentlicht. Regie führte jeweils der Finne Jalmari Helander, der mit diesen Filmen debütierte.
„Der Coca-Cola-Weihnachtsmann ist ein Schwindel!“
An der finnisch-russischen Grenze lässt der US-Amerikaner Riley (Per Christian Ellefsen, „Elling“) Bohrungen an einem Berg durchführen. Die Arbeiter stoßen dabei offenbar auf den vor Jahrhunderten verschütteten und eingefrorenen echten Weihnachtsmann. Der kleine Lappe Pietari (Onni Tommila, „Last Cowboy Standing“) und sein Kumpel Juuso (Ilmari Järvenpää, „Last Cowboy Standing“) beobachten die Szenerie heimlich. Als am nächsten Tag alle Rentiere tot sind, will Pietaris Vater Rauno (Onnos echter Vater Jorma Tommila, „Raid“) mit seinen Freunden Piiparinen (Rauno Juvonen, „Die Erlösung“) und Aimo (Tommi Korpela, „Last Cowboy Standing“) den Bergarbeitern einen Besuch abstatten, trifft jedoch niemanden mehr an. Auch die Kinder der Siedler verschwinden plötzlich fast allesamt, ebenso ihre Öfen. Pietari ist sich sicher, dass der Weihnachtsmann dahintersteckt, der, wie er antiquarischen Schriften entnehmen konnte, mitnichten der kinderliebe Rauschebart, sondern ein garstiger Dämon ist. Als ein nackter, dürrer, alter Bartträger (Peeter Jakobi, „Die letzte Reliquie“) sich in Raunos Bärenfalle verfängt, glauben die Männer, jemanden versehentlich umgebracht zu haben und wollen sie die vermeintliche Leiche zerlegen. Doch der Mann lebt noch, ist äußerst wehrhaft – und keinesfalls der Weihnachtsmann, sondern einer dessen zahlreichen Wichtel, die für die Kinderentführungen verantwortlich sind und mit den Öfen den großen Alten aufzutauen versuchen…
„Ganz klar ein Ausländer!“
„Rare Exports“ setzt sich zwischen alle Stühle: Für eine Genre-Komödie wird er überraschend ernsthaft dargereicht, was im (durchaus angenehmen) krassen Kontrast zur aberwitzigen Sujet steht, für einen Fantasy-Film ist der Horroranteil zu ausgeprägt und für einen Horrorfilm ist es wiederum unpassend, wie die Handlung plötzlich in Richtung Familienfilm umschlägt, als der kleine Pietari beweist, dass er zwar Lappe, aber kein Lappen ist (dieses Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen) und zum Chef der Anti-Weihnachtsmann- und Kinderrettungs-Initiative avanciert, was jedoch eher wie eine Parodie auf seichte, gefällige Familienunterhaltung der Saison wirkt. Aus dem Kanon der (Anti-)Weihnachtsfilme ist Helanders Film jedoch nicht mehr wegzudenken, denn wer sich auf ihn einlässt, begibt sich auf einen originellen, comichaften Trip durch die schneeweißesten Landschaften seit Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“, an den mich die Exposition dann auch erinnerte. Schroffe, bärbeißige Typen, mit der Flinte mitunter schneller als mit den grauen Zellen, ein superplietscher Junge, der ferner beweist, dass Lesen bildet, einige auch grafische Härten, tolle, unverbrauchte Schauspieler von nordosteuropäischer Exotik, besonders in der ersten halben Stunde dramaturgisch spannende Gestaltung und die eine oder andere überraschende Wendung sowie trockener makabrer Humor, der – wie bereits angedeutet – kaum einmal mit der Brechstange kommt, machen „Rare Exports“ zu einem kurzweiligen, schwer sympathischen Vergnügen.
Die Kurzweil ergibt sich indes natürlich auch aus der verhältnismäßig kurzen Laufzeit von nur rund 80 Minuten. Der Film spielt mit den Erwartungshaltungen des Publikums, das sich sicherlich Weihnachtsmann-Action wünschen würde und sich überrascht, vielleicht auch enttäuscht zeigen dürfte, wenn nach nicht einmal 80 Minuten schon alles vorbei ist, ohne dass der legendäre Rentierschlittenfahrer in Aktion getreten wäre. Tatsächlich ist die Schlusspointe angesichts des Potentials, das die Geschichte geboten hätte, nicht ideal. Um mein Geld für die Blu-ray fühlte ich mich trotzdem nicht betrogen, sondern freute mich über diesen (gewissermaßen doppeldeutigen) Exportartikel aus dem hohen Norden, der mit 7,5 von 10 Heizöfen inkl. deftigem Lokalkolorit-Bonus zielsicher durch den Schornstein kracht.