Aus der Reihe antiweihnachtlicher „Festfilme“ für Feiertagsmuffel sticht diese skurrile finnische Perle dank ihrer schrägen Ausgangsidee ein Stück weit heraus: Bei Bohrarbeiten an der Grenze zwischen Finnland und Russland stoßen Arbeiter auf eine eingefrorene und vergrabene Kreatur – den ursprünglichen, wilden Weihnachtsmann! Der war wohl hauptsächlich dazu da, Kinder zu bestrafen und zu fressen – und seine neu erwachten garstigen Helfer gehen schon mal auf die Jagd. Da braucht es – natürlich – ein mutiges Kind, dem niemand glaubt, um das Schlimmste abzuwenden...
„Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ ist zwar genau das, sollte aber von niemandem konsumiert werden, der sich auf die heimelig-kuschelige Feiertagsstimmung vorbereiten will. Denn der düstere Fantasy-Reißer mit Horror-Anleihen killt mit fiesen Ideen und dunklem Humor ganz schnell jeden Gedanken ans frohe Fest. Dabei erfindet er zwar das Genre-Rad nicht gerade neu, bedient aber alle leidlich bekannten Topoi durchaus gelungen: Finstere Andeutungen, sich allmählich steigernde Eskalationen, schließlich dramatische Kämpfe und eine zusammengewürfelte Gruppe einheimischer Jäger, die sich einer enormen Herausforderung gegenüber sehen, lassen den Spannungsfluss stetig ansteigen und zum Finale hin sprunghaft in die Höhe schnellen.
Vor allem die Figuren können dabei durchaus gefallen. Wenn sie auch nicht sonderlich tiefgründig gezeichnet werden – dafür ist aufgrund der kurzen Laufzeit kein Platz, wodurch der Film vor allem im Anfangsteil leider arg gedrängt wirkt und keinerlei Einleitung oder sozialen Background liefert – schaffen die Darsteller (im ganzen Film taucht nicht eine einzige Frau auf) es doch, ihren Rollen nach und nach kleine Ecken und Kanten und angedeutete Verletzungen zu verleihen. Vor allem die Hauptfigur, der kleine Pietari, überzeugt als einsamer Außenseiter, der zwischen gemeinem älteren „Freund“ und lieblosem Vater auf sich allein gestellt bleibt und über sich hinauswächst, und kann selbst Leuten, die Kinder in Horrorfilmen nicht leiden können, durchaus gefallen. Aber auch sein Vater zeigt in ein, zwei überraschend ruhigen Momenten ein wenig Herz und lässt erahnen, wie die Wunden der Vergangenheit ihn zu dem groben Klotz haben werden lassen, unter dem sein Sohn nun leidet. Der restliche Cast ist dann eher für Gags oder skurrile Landleben-Momente da, macht seine Sache aber ganz ordentlich, sodass hier einiger Spaß aufkommt.
Die Story selbst überzeugt dann auch eher durch ihre verrückte Grundidee als die Umsetzung. Wie gesagt erfolgt hier alles ein wenig nach Schema F, allerdings gekonnt inszeniert: Die Bilder der verschneiten finnischen Weite wechseln mit dunklen, schnell bedrohlichen Nachtsequenzen ab und vermitteln ein gutes Gefühl dafür, wie allein und auf sich gestellt die Menschen in dieser abgelegenen Region sind. Die wachsende Bedrohung durch herumschleichende „Wichtel“ hätte etwas subtiler ausfallen können, kann aber ab einem bestimmten Punkt der Eskalation durchaus unterhalten. Und wie schließlich die eigentliche Hauptgefahr eingeführt wird, ist gelungenes dramatisches Kino. Auch wenn sich der Film dann in Sachen Splatter wieder ein wenig zu sehr zurückhält, gefällt das Finale mit bösen Ideen und spannenden Sequenzen – und einigen skurrilen Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. Von der herrlich absurden Schlusspointe ganz zu schweigen.
Man sollte „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ einen gewissen Trashfilm-Bonus zugestehen, dann bekommt man die miesen Spezialeffekte im Schlussteil, die teils wahrhaft lachhaften Ideen und die abgefahrene Story besser goutiert. Wer sich darauf einlässt, kann hier aber definitiv seinen antiweihnachtlichen Spaß haben – und das ist doch schon mal was!