Auch wenn es bereits 1933 "King Kong" gab, dessen unerfüllte Liebe zur "weißen Frau" den tödlichen Sturz vom World Trade Center zur Folge hatte, und in Hitchcocks "Die Vögel" Schwärme aggressiver Federviecher Jagd auf die Bewohner eines beschaulichen Küstenstädtchens machten, so war Steven Spielbergs Erfolg mit "Der weiße Hai" prägend für ein Subgenre, das sich seit jeher, und bis zum heutigen Tage, größter Beliebtheit erfreut: das des Tierhorrorfilms.
Dem Einfallsreichtum der Drehbuchautoren sei Dank, dass selbst die kleinste Spezies Amok läuft und zum Angriff gegen die Menschheit antritt, die man, mit Hilfe einer fadenscheinig eingebauten Ökobotschaft, für die Ausbeutung und Zerstörung der Natur mit verantwortlich macht.
Doch eine gefräßige Mordmaschine taucht immer und immer wieder auf - kein Lebeweisen auf der Erde verbreitet so viel Angst und Schrecken wie dieser Killer, der 1974 die Geburtsstunde des tierischen Horrorfilms einläutete: Der weiße Hai.
Unzählige Italo-Plagiate und US-B-Movies tragen die bissige Handschrift dieses Meeres-Ungeheuers, kein anderes Tier sorgt für mehr Biss und Blut als der Hai. Das dachte sich auch Trash-Legende Roger Corman, der einst in den 60er Jahren die grandiosen Edgar Allan Poe-Verfilmungen inszenierte und sich seit dem zum ungekrönten König des B-Movies etablierte. Um jedoch den maximalen Unterhaltungswert und Fun-Faktor für ein zünftiges Trash-Movie zu erreichen, dachte man sich, den Biss des Hais mit den tödlichen Tentakeln eines Tintenfischs zu kreuzen und die Kreatur "Sharktopus" zu taufen.
Das Cover der deutschen DVD/BR-Veröffentlichung von Tiberius Film bringt es mit einer einfachen Rechnung auf den Punkt: 50% Hai, 50% Oktopus = 100% Killermaschine.
Mit Regisseur Declan O´Brien geht die Gleichung sogar auf - und es war eine gute Entscheidung, O´Brien, dem wir die Teile 3 - 5 von "Wrong Turn", sowie "Joyride 3" zu verdanken haben, nicht auch noch mit dem Drehbuch zu beauftragen. An der Doppelbelastung scheitert O´Brien zuweilen, was er mit seinem "Joyride"-Sequel eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Hier arbeitet er also fleißig die bizarren Ideen von Mike Maclean ab und konzentriert sich auf ein trashiges und sehr blutiges Hailight, bei dem der "Sharktopus" unentwegt auf Beutefang geht und eine Schneise der Verwüstung im Golf von Mexiko hinterlässt.
Im Gegensatz zu den Creature-Movies aus dem Hause "The Asylum" ist der CGI-Einsatz minimaler und die Kreatur, für ein B-Movie dieser Art, überdurchschnittlich gut getrickst. Als Zuschauer fühlt man sich in die 50er und 60er Jahre zurückversetzt und genießt das aberwitzige Spektakel aus Bikini-Babes, skrupellosen Wissenschaftlern und blutiger Hai-Action.
Trotz unzähliger Angriffe mangelt es dem Film jedoch an Tempo. Er nimmt sich selbst zwar nicht sonderlich ernst - doch ist er über weite Strecken nicht ganz so witzig, wie er hätte sein können. Solchen Makeln stehen allerdings einfallsreiche Attacken gegenüber, die zwar vorhersehbar, aber nett anzuschauen sind und den Bodycount blutig in ungeahnte Höhen schrauben.
Insgesamt ein unterhaltsamer Spaß aus der Corman-Schmiede. Handwerklich solide, mit einem akzeptablen Score und gelungenen Special Effects. Eric Roberts overacted sich durch die Handlung und ist dabei das Sahnehäubchen bei diesem splattrigen Trashspaß! Absolute Empfehlung für Fans des Genres!
7/10