Black Swan
Nachdem Darren Aronofsky Mickey Rourke schon zu einer Oscarnominierung verhalf, durfte sich nun Natalie Portman zu neuen Höchsleistungen antreiben lassen. In "Black Swan" geht es um die Ballettänzerin Nina, die für das Stück "Schwanensee" die wichtigste Rolle erhält. Doch die Freude muss alsbald unterschwelligen Neid, die Furcht vor der Konkurrenz und rästelhaften Ereignissen Platz machen, die mit Ninas Problemen um die Darbietung des titelgebenden schwarzen Schwans einherzugehen scheinen: Für die erforderte Sinnlichkeit und Dunkelheit reicht tänzerische Perfektion nicht aus, die Ausstrahlung dessen muss von innen kommen. "Black Swan" macht dabei schon sehr früh klar, dass man sich als Zuschauer nicht sehr wohl fühlen sollte in seiner Haut. Immer mehr verdichtet Aronofsky die Atmosphäre, bis sein Film zu einem richtigen Psychothriller wird, bei der man die sprichwörtliche Wandlung seiner Hauptfigur zum schwarzen Schwan, sowohl auf der Bühne als auch dahinter, beobachten kann und ihr die Psychosen gehörige Streiche spielen. Ein leichter, wohliger Grusel stellt sich unerwartet ein, während der zunehmende körperliche Schmerz aller immer intensiver und fühlbarer wird. Natalie Portman liefert wirklich eine respekteinflößende Darbietung ab; allein die Tatsache, dass sie für die Rolle zur Ballerina wird, ist wirklich jede Huldigung wert, doch auch den emotionalen Part ihrer Rolle bringt sie überzeugend durch. Aronofsky bleibt dabei insgesamt seiner eher realistischen Inszenierung aus dem "Wrestler" treu, trotz einiger visueller Effekte bleibt das Geschehen durch ein grobkörniges, raues Bild und dem häufigen Einsatz der Handkamera im Hier und Jetzt verankert. Eine Handkamera, die in den Ballettszenen jedoch eindrucksvoll seine Tänzer umkreist, an sie heran-und wieder wegtritt, wie selbst in einem Tanz und zusammen mit der klassischen Musik und dem Schnitt eine richtige Sogwirkung entfacht, der man sich nur schwer entziehen kann.
Obwohl das Ende der Geschichte im Grunde vorhersehbar ist und auch konsequent eintritt und die symbolische Rollenverteilung ein wenig zu offensichtlich ist, versteht es der Regisseur für die ein oder andere kleine Überraschung zu sorgen und Tempo und Intensität permanent anzuziehen. "Black Swan" ist ein weiterer sehr gelungener Eintrag in die Filmographie des Machers mit einer großartigen Hauptdarstellerin.
7/10