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Er ist nicht nur für fünf Oscars nominiert, sondern lässt einem auch extrem viel Raum für eigene Interpretationen. Regisseur Darren Aronofsky (The Fountain, Reqiem for a Dream) inszenierte schon immer weit ab vom Mainstream, seine Filme pendelten geschickt zwischen verschiedenen Genren, während die Hauptfiguren gerne mit seelischen oder moralischen Problemen behaftet waren. Fast als würde Aronofsky in seiner eigenen Filmwelt leben, welche auch kuriose Züge annehmen kann. Genauso sein "Black Swan", der neben reichlich dramatischen Momenten auch Platz für knisternde Erotik, sowie für ein paar Thriller- oder Horrorelemente lässt. Eine von Kritikern und auch Zuschauern hochgelobte Mischung, mit der sich nicht jeder anfreunden kann. Vielleicht bin ich auch für solch unkonventionelle Genre-Kompositionen nicht gemacht, denn für mich stellt "Black Swan" einen mehr oder minder unentschlossenen Mix da, der wie seine Hauptfigur perfekt sein will und schließlich am eigenen hohen Anspruch scheitert.

Vier Jahre hartes Training hat die Ballerina Nina Sayers (Nathalie Portman) hinter sich. Nun wird ihr Einsatz belohnt, denn sie erhält die Hauptrolle in Thomas Leroys (Vincent Cassel) Neuinszenierung von Tschaikowskis "Schwanensee". Doch Nina wird schnell von der Realität eingeholt, denn das harte Training setzt ihr schwer zu und besonders die Verkörperung des schwarzen Schwans bereitet ihr Probleme. Zusätzlich leidet Nina unter ihrer strengen Mutter (Barbara Hershey), der eine Karriere als Ballerin versagt blieb. So leidet Nina plötzlich unter grauenvollen Halluzinationen und bald kann sie ihre Wahnvorstellungen nicht mehr von der Realität unterscheiden. Nun kommt auch noch die lebenslustige Lily (Mila Kunis) hinzu, in der Nina bald eine Konkurrentin entdeckt. Somit steht ihre erste große und ausschlaggebende Rolle auf dem Spiel.

Das Leben einer Ballerina ist kein Zuckerschlecken, schon der Anblick allein, wenn Nina sich nur auf ihren Zehenspitzen dreht, sorgt beim Zuschauer für ein ungutes Gefühl. Da kann es auch mal passieren, dass ein Zehnagel einreißt, oder man die empfindlichen Schuhe nach bearbeiten muss. Nina steht unter einem enormen Druck, nicht nur seitens des Regisseur Thomas Leroy, sondern auch dank ihrer Mutter. Doch gerade ihre angestrebte Perfektion geht den Bach hinunter, als die Hauptrolle in "Schwanensee" bekommt. Die Rolle des eleganten und präzise tanzenden weißen Schwans hat sie schnell inne, doch die Verkörperung des schwarzen Schwans, wozu man eine gewisse dunkle Seite benötigt, bereitet Nina schreckliche Probleme. Jedoch verläuft "Black Swan" gerade in der ersten Stunde zu einseitig. Entweder ist Nina beim Proben, oder zankt sich mit ihrer herrschsüchtigen Mutter. Auch mit Ninas sehr theatralischer Art vermag man nicht immer klar zu kommen obwohl man sich gerade mit ihrem Hauptproblem identifizieren kann. Es ist die Angst zu versagen und dadurch den Weg einer Konkurrentin zu ebnen. Da nimmt Nina sogar die kalkulierten Anmachen ihres Regisseurs hin, oder dessen zügellose Ratschläge es sich selbst zu besorgen. Doch vor lauter Perfektion will es Nina nicht gelingen, eine dunkle Seite zu offenbaren.

Schnell nimmt der Druck überhand und sie leidet an paranoiden Wahnvorstellungen. Ihr perfekter Körper weist plötzlich Wunden auf, bis hin zu skurrilen Szenen, wo sich Nina die Haut vom Finger zieht, ihr Nagelbett herausreisst, oder sich ihr Bein fast abbricht. Gerade diese Elemente erinnern im Entfernten an den einzigartigen Stil von Kollege Cronenberg. Schließlich versucht Nina sogar mit Hilfe von Lily aus ihrem Leben auszubrechen, ein Besuch in der Disko inklusive Drogenkonsum und abschließender Lesben-Sex sind das Resultat. Gegenüber ihrer Mutter verhält sie sich zunehmend feindlicher, überall fühlt sie sich besonders durch Lily angegriffen und ihre Visionen gehen immer mehr in eine Schizophrenie über. Dies hält Aronofsky in sehr düsteren und teilweise beunruhigenden Bildern fest, manchmal bekommt man wirklich eine Gänsehaut. Hinzu kommt die gewollt aufdringliche musikalische Untermalung, meist durch klassiche Musik. Tschaikowskis berühmte Komposition kommt dabei erst in der finalen Aufführung richtig zum Tragen, um diw wuchtigen Bilder optimal zu unterstützen. Dabei beeindruckt Nathalie Portman (V wie Vendetta, Star Wars) durch ihr facettenreiches Schauspiel, obwohl gelegentlich ihre weinerlich Art zu sehr zur Geltung gebracht wird. Vincent Cassel (Sheitan, Tödliche Versprechen) nimmt man die Rolle des anspruchsvollen Regisseurs jeder Zeit ab, während Mila Kunis (The Book of Eli, Max Payne) als Lebenslust in Person und zweitweise sogar als Intrigantin punktet. In Nebenrollen sind Barbara Hershey und Winona Ryder zu sehen.

Es lässt sich viel in "Black Swan" hinein interpretieren und die Verschmelzung von verschiedenen Genren in düsteren und sehr kreativen Bildern ist Aronofsky auf jeden Fall gelungen. Dennoch wirkt das Geschehen über eine lange Distanz zu einseitig, selbst die brillant agierenden Darsteller können gewisse Längen nicht übertünchen. So ist das Ganze zu oft durch Ereignislosigkeit geprägt, was "Black Swan" viel von seiner Intensität nimmt. Ich konnte mit diesem Film eher wenig anfangen, vielleicht liegt es gerade an der unkonventionellen Art.

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