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Es war ein gutes Jahr für Natalie Portman. Mit "Black Swan" erhielt sie endlich ihren längst überfälligen Oscar und das selbstverständlich absolut verdient. Schon nach den ersten 20 Minuten sollte klar sein, wieso Portman diese begehrte Trophäe erhalten hat. Ich habe mich lange gefreut auf Black Swan. Da aber leider unsere örtliche Videothek diesen Film boykottiert (für das ich absolut KEIN Verständnis habe) musste ich mich dann doch noch dazu entschließen, diesen Film zu kaufen, obwohl ich selten Filme auf Verdacht kaufe. Aber eigentlich konnte ich ja letztendlich gar nichts falsch machen, da Natalie Portman zur Zeit die beste Schauspielerin für mich ist und der Regisseur, Darren Aronofsky, schon mehr Künstler als Regisseur ist, was besonders bei Filmen wie "The Fountain" oder "Requiem for a Dream" deutlich wurde. Und deshalb ist es auch keine Überraschung wenn ich sage, dass "Black Swan" all meine Erwartungen erfüllt hat. Dieser Film hätte sogar noch in einigen anderen Kategorien den Oscar verdient, aber leider war die Konkurrenz dieses Jahr besonders stark. In "Black Swan" geht es um die Balletttänzerin Nina, die von einer Hauptrolle im Stück "Die Schwanenprinzessin" träumt. Nach langem und hartem Training erhält sie schließlich, unter der strengen Aura ihres harten Trainers Thomas, die Hauptrolle und darf auf die große Bühne. Doch in dem Stück muss sie sowohl den weißen, als auch den schwarzen Schwan spielen, doch in dieser Hinsicht gibt es ein gravierendes Problem. Aus der Sicht des Trainers glänzt Nina als weißer Schwan, doch als schwarzer Schwan kann sie ihren strengen Trainer nicht überzeugen. Zu lieb, zu nett und zu schüchtern wirkt sie. Fortan muss sie lernen bösartiger, gerissener und kühler zu werden, um eine überzeugende und vor allem verführerische Darstellung zu verkörpern. Was jetzt erst mal wie eine totale Standard Flashdance, Fame, La Boush oder was auch immer Kopie klingt, entpuppt sich im späteren Verlauf als eiskalter Mystery-Thriller mit enorm vielen künstlerischen Aspekten, die man selten derart kreativ in einem Film gesehen hat. Natalie Portman spielt hier, nach "Leon der Profi", die Rolle ihres Lebens und macht eine erschreckende und grausame Entwicklung im Film durch, wodurch man auch viele Stunden nach Anschauen dieses Films noch fasziniert sein dürfte. Wir bekommen anfangs erst mal nur kleine kuriose Szenen geboten, über die man allerdings gar nicht so viel nachdenkt. Doch in der zweiten Hälfte dreht der Film dann total ab und liefert uns eine verwirrende Szene nach der Anderen und die ganze Zeit ist man am Denken und am Überlegen, was das Ganze nur für ein Sinn hat. Dabei ist es einfach nur ein Genuss mit anzusehen, wie Portman nicht nur als grandiose Balletttänzerin (sie hat, trotz aller Unkenrufe, ALLES selber getanzt!) eine gute Figur auf der Bühne macht. Sie gibt uns einen tiefen Einblick in Ninas Seele und sie nimmt uns mit auf eine paranoide Reise ihrer Wahnvorstellungen. Manche Leute werfen diesem Kunstwerk doch tatsächlich vor, dass er von dem Anime-Film "Perfect Blue" geklaut hätte. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Mag sein, dass MINIMALE Grundelement ein klein wenig an "Perfect Blue" erinnern, aber die Gesamtausstattung und die Thematik ist eine völlig Andere. Zudem gab es bei "Perfect Blue" ein klares Ende, dass keine Fragen mehr offen gelassen hat. "Black Swan" hingegen endet mit einem ultimativen Knall, dass die Kinnlade gerade zu auf Kommando runter schießen lässt. Das Ende von dem Film lässt extrem viel Freiraum zum spekulieren und man kann viele interessante Theorien zu den ganzen Geschehnissen entwickeln. Aber nicht nur Natalie Portman liefert eine übernatürlich gute Leistung ab, auch der Nebencast kann sich sehen lassen. Besonders der überragende französische Schauspieler Vincent Cassel als Trainer hat mich sehr begeistert und hätte meiner Meinung nach ebenfalls mit dem Oscar gewürdigt werden müssen. Obwohl er teilweise widerwärtige Aktionen raus haut, hatte ich für diesen Charakter stets eine große Bewunderung übrig. Er hatte trotz seiner unheimlichen und bösartigen Aura etwas sehr faszinierendes an sich und hat mich, egal was er getan hat, stets in seinem Bann gezogen. Eine kleine Enttäuschung gab es aber dennoch und das war Winona Ryder, von der hier leider viel zu wenig zu sehen ist. Zwar ist ihre Figur, wie fast jede Andere, enorm wichtig für den Ausgang der Geschichte, aber ich finde es ein wenig schade, dass eine so tolle Schauspielerin wie Winona Ryder viel zu wenig Screentime, in einem so überragenden Film bekommt.
Kunstfanatiker aufgepasst! Hier bekommt ihr wieder einen sehr originellen Film geboten. Wenn ihr schon Filme wie "The Fountain" oder "The Tree of Life" mochtet, werdet ihr bei "Black Swan" auf die Knie gehen. Und erwartet um Himmels Willen keinen Ballettfilm. "Black Swan" ist anders als man es zunächst erwartet. Ein schnörkelloser, eiskalter und teilweise auch sehr erotischer Psychothriller mit einigen sehr harten Szenen.


Fazit : Ein überragendes Werk von Darren Aronofsky. "Black Swan" ist einer der Filme, die man immer wieder gucken kann und dabei immer wieder neue Sachen entdeckt, da der Film einfach so enorm viele Facetten hat. Sämtliche Oscars sind hoch verdient, allen voran natürlich der für die bombastische Darbietung von Natalie Portman. Ein einzigartiges Kunstwerk.



9/10

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