Diese Taktik ist nicht neu, durchaus legitim und hat auch schon des öfteren wunderbar funktioniert. Zuletzt auch beim Meister selbst mit dem brachialen SF-Boliden-Spektakel
. Der immer coole Jason Statham, ein paar knackige Sprüche und vor allem pausenlose Action reichten völlig aus, um den B-Kost-Gourmet zufrieden zu stellen. Leider säuft Anderson der Motor diesmal bereits kurz nach dem Start gnadenlos ab.
Als die unkapputtbare Zombiejägerin Alice (Milla Jovovich) der sinistren Umbrella-Corporation zu Beginn des Films in einer herrlich "Over the top"-inszenierten und schamlos bei Matrix klauenden Baller-Ouvertüre mal so richtig einheizt, dürften es die ersten Zielgruppen-Kandidaten ob der zu erwartenden Krawall-Party bereits bitter bereut haben, mit nur einem Bier vor der Leinwand zu sitzen. Tja, so oder so wäre ein ganzer Kasten ratsamer gewesen, denn dann wäre ihnen vielleicht der völlige Bruch nach dem furiosen Auftakt und der darauf folgende bleierne Leerlauf erst gar nicht aufgefallen. Die nüchtern Gebliebenen werden jedenfalls mit einem stinklangweiligen Mittelteil gepeinigt, in dem Alice sich einer Gruppe Nichtinfizierter anschließt, die sich in einem Hochhaus des völlig verwüsteten Los Angeles verbarrikadiert haben. Die ohnehin wenig aufregende Geschichte kommt hier vollständig zum Erliegen und bietet zudem breitesten Raum für peinlichste Dialoge und belanglose Charaktere.
Ob der Film einfach nur miserabel synchronisiert wurde, oder auch das Original den Fremdschäm-Oscar verdient hätte, ist bei der penetranten Abwesenheit von Spannung letztlich egal. Jedenfalls wird man mit schläfrig vorgetragenen Knallern wie „Starke Landung!“ - „Eher starke Bruchlandung!“ malträtiert, die offenbar selbst den Darstellern zu blöde waren, um sie nur halbwegs engagiert vorzutragen. Das Ganze hätte dennoch durchaus spaßig werden können, wenn die Macher wenigstens einen Funken Humor besäßen. Von Selbstironie oder zumindest einem Augenzwinkern fehlt allerdings jede Spur und somit ist die hier servierte Debilität mit zunehmender Dauer nur noch enervierend.
Gut, wer Andersons Interviews zum Film verfolgt hat, dürfte wenig überrascht sein. Schließlich hat der Meister allerorten verkündet, das Drehbuch bewusst für 3D geschrieben zu haben. Und das merkt man dem Endprodukt überdeutlich an. Resident Evil: Afterlife suhlt sich in den Möglichkeiten der von James Cameron zur neuen Goldader erhobenen Kino-Technik. Zugegeben, die Totalen und weitläufigen Landschaftspanoramen haben ihren Reiz. Auch die (viel zu spärlichen) Actionszenen haben einen unmittelbarere Wirkung. Leider verkommt die Technik zum reinen Selbstzweck, was der Regisseur auch indirekt offen zugibt: „Weite Landschaften und Luftaufnahmen sehen in 3D fantastisch aus. Das ist der Grund, warum Milla im Film ein Flugzeug fliegt.“ Nicht etwa, weil es der Geschichte dient. Eine bemerkenswerte und äußerst entlarvende Aussage, die keiner weiteren Kommentierung bedarf.
Trendsetter James Cameron hat bei aller Technikverliebtheit und -begeisterung es jedenfalls immer geschafft, eine in irgendeiner Form relevante, berührende, spannende oder aufregende Geschichte zu erzählen. Diese Leistung kann man Andersons neuem Werk leider nicht attestieren, ganz im Gegenteil. Die abgegriffene Schmähung „Style over Substance“ scheint wie für Resident Evil 4 erfunden. Selbst für den vierten Aufguss einer B-Horror-Reihe ist das dann doch deutlich zu wenig.
Bei aller optischen Pracht bleibt am Ende nur die nüchterne Erkenntnis, den mit Abstand schwächsten Ableger der ohnehin nicht gerade qualitativ hochwertigen Franchise gesehen zu haben. Womit wir wieder bei der Jahrmarktsattraktion wären. Nach einem kurzen Adrenalinrausch fragt man sich relativ schnell, warum man für dieses substanzlose Getöse so viel Geld ausgegeben hat. Andererseits wir man beim nächsten Mal doch wieder in der Schlange stehen. Den Schausteller Paul W.S. Anderson wirds jedenfalls freuen. Resident Evil 5 ist bestimmt schon in Planung. Für den aktuellen 3D-Boom dürften solche Machwerke zwar den baldigen Popularitätstod bedeuten, aber auf den Rummelplätzen der Welt ist die Attraktion von heute ja auch der Gähner von morgen. In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!