Wir erinnern uns zurück: Am Ende von Teil 3 versprach Alice (Milla Jovovich), Umbrella-Boss Albert Wesker im Hauptquartier in Tokio einen Besuch abzustatten - gemeinsam mit über hundert Klonen. Jupp, "Afterlife" führt diese Story weiter, setzt genau da an und Paul W.S. Anderson bietet dem Zuschauer ein kurzes, knackiges Intermezzo in Tokio. Der Anfang ist der reine Action-Overkill, in dem aus jedem Furz ein 3D-Effekt rausgequetscht wurde, so dass sich bei mir schon die schlimmsten Befürchtungen breit machten, einen qualitativ genauso realistischen Teil zu sehen, wie es der zweite war (Wenn ich mir nur wieder bildlich den Harley-Sprung in die Kapelle vorstelle, läuft mir der kalte Schauer über den Rücken).
Doch Anderson will dem Zuschauer wohl damit nur sagen: "Hey, da bin ich!", denn danach wird der Handlungsablauf deutlich ruhiger. Scriptmäßig bekommt Alice die übernatürlichen Kräfte genommen, was ich sehr begrüße. Flitzpiepe Jason O´Mara, der Albert Wesker noch im dritten Teil verkörperte (ganz ehrlich, der Typ wäre selbst für einen Porno nur zweite Wahl) wurde ausgetauscht und durch den deutlich besser agierenden Shawn Roberts ersetzt, der das gewisse Charisma mitbringt, Albert Wesker genauso bedrohlich wie im Spiel darzustellen.
In Tokio kommen die beiden Kontrahenten knapp mit dem Leben davon und Alice macht sich nach dem Kampf mit einem kleinen Propellerflugzeug auf den Weg nach Alsaska, wo sie hofft ihre Freunde wiederzufinden, die (wie im dritten Teil versprochen) dort eine Zuflucht in einer virusfreien Kolonie suchten. Sie findet dort nur Claire Redfield (Ali Larter), die ihr Gedächtnis verloren hat und sich weder an Alice noch an die anderen erinnern kann.
Beide machen sich im Flugzeug nach Los Angeles auf (ist ja logisch, oder?) und machen eine eher unfreiwillige Bruchlandung auf dem Dach eines riesigen Gefängniskomplexes. Dort befinden sich noch weitere Überlebende, die sich dort verschanzt haben, da das Gebäude von tausenden von Zombies umzingelt ist. Ein Ausweg scheint diesmal unmöglich zu sein...
Das größte Ärgerniss bei den meisten dürfte schon im Vorfeld programmiert sein: Die Geschichte der überlebenden Charaktere wird weitererzählt, jedoch legte W.S. Anderson einen dicken Haufen auf die Atmosphäre der Erde, die er im dritten Teil präsentierte. Während in Teil Drei Wasser knapp war und die Erde im "Mad Max"-Style einer öden Wüstenlandschaft glich, ist in "Afterlife" davon nichts mehr zu sehen - okay, Tod, Cholera und Zombies herrschen immer noch über das Tagesgeschäft. Aber hier ist die Erde eine Scheibe und zusätzlich noch eine blühende Landschaft.
Natürlich herrscht immer noch Endzeitstimmung durch zerstörte Städte, aber ganz ehrlich: Man kann sich als Regisseur nicht rausnehmen, bei einer Fortsetzung aus einem "Mad Max" einen "Waterworld" zu kreiren. Was für andere sozusagen ein "Epic Fail" ist, nehme ich höchstens mit einem Punkt Abzug in Kauf. Schließlich haben die RE-Teile noch nie durch Logik oder eine durchdachte Story geglänzt. Ich muss auch ganz ehrlich zugeben, wenn mir auch noch so die Kulisse im Dritten gefallen hat, stört mich dieser "Klimawandel" nicht sonderlich.
Kommen wir wieder zum Filmgeschehen zurück. Die Gefängnislocation ist gut gewählt, wird jedoch nicht voll ausgenutzt. Wir lernen interessante Charaktere kennen, doch bevor die meisten einen Hauch an Charakterzeichnung verbuchen können, beißen sie ins Gras. Dieser Punkt ist jetzt so ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite könnte man "Event Horizon"-Macher Anderson fehlende Tiefe vorwerfen. Auf der anderen Seite würden die Fastfood-Maniacs ihre Hamburger wieder rauskotzen, wenn nicht alle paar Minuten einigen Zombies das Gehirn weggpustet wird. Ich wäre eher für eine längere Version mit mehr Handlung gewesen, denn RE4 kam mir sehr kurz vor.
Lediglich Wentworth Miller ("Prison Break") und Boris Kodjoe als bekanntes Model Luther West (oder war er ein Basketball-Star? Man scheiß Alzheimer) können einigermaßen Tiefe (wenn man das bei Anderson überhaupt so nennen kann) in diesem kurzweiligen Spaß erreichen.
Kurioserweise muss ich behaupten, dass dem Film 30 Minuten mehr Laufzeit gut getan hätten. Das hätte nicht nur zum Figurenaufbau dienen können, sondern auch dazu, dass man ein wenig mitfiebert mit den Neuen und natürlich wäre mehr Atmosphäre drin gewesen. So fühlt sich "Afterlife" lediglich wie ein schnell runtergekurbelter Action-Clip an, bei dem man igendwie den PS-Zockern gerecht werden wollte, und mit Chris Redfield einen weiteren Charakter aus dem Spiele-Universum einbauen wollte, andererseits wollte man auch nicht die Gelegenheit verpassen, dass das Publikum wegpennt. Und so ist dieser Film eben Nonstop-Action geworden. Hört sich vielleicht gut an, doch mehr Atmosphäre hätte dem Streifen nicht geschadet. Selbst die Schocksequenzen versagen auf ganzer Linie. Wo man normal aufschreckt bei einer Stelle, popelt man im hintersten Ecken des Nasenwinkels ohne Zucken einen Larry raus. Das sagt eigentlich schon alle über die Wirkung. Die Kreaturen kommen wie üblich aus dem PC, sie sind aber nett anzuschauen und der Boss mit dem Hammer - naja, so einen Hammer wollte ich schon immer zum Heimwerken haben. Da sitzt der Nagel mit dem ersten Schlag.
Teil Vier ist leider wieder ein kurzseitiges Vergnügen. Es kommt keine Langeweile auf, aber ebenso wenig Mitfiebern der Figuren. Wer die Reihe mag, kann sich auch dieses Teil reinkloppen. Der schlimmste Ausfall war immer noch Teil 2.
6/10