Review

Emma Stone war schon als Support in „Superbad“ und „Zombieland“ positiv aufgefallen, doch nach Supportcast für Nerdprotagonisten war dann die Hauptrolle in „Easy A“ drin.
Hauptfigur Olive Penderghast (Emma Stone) ist ein normales Mädel ihrer Schule: Keine Cheerleaderin, aber auch kein Nerd, weder besonders weit oben noch besonders weit unten in irgendwelchen Beliebtheitslisten oder Hackordnungen. Als ihre beste Freundin Rhiannon (Alyson Michalka) sieht fragt wie sie ihre letztes Wochenende verbracht habe, erfindet Olive ein Date um nicht sagen zu müssen, dass sie nichts Aufregendes gemacht hat. Rhi glaubt direkt, dass da sexuell etwas gelaufen wäre und irgendwann gefällt Olive der Gedanke – dass dieses Gerücht sich alsbald in der Schule verbreitet und Olive direkt als „skank“ und „slut“ verschrien ist, das ist zwar extrem unglaubwürdig, aber hier soll nun mal „Der scharlachrote Buchstabe“ in Windeseile über die Bühne geprügelt werden.
Jenes Buch wird nämlich nicht nur in Olives Klasse gelesen, sondern ist auch die frei adaptierte Grundlage für „Easy A“. Mit dem besagten A lässt sich natürlich spielen, denn A ist natürlich eine Güteklasse, als scharlachroter Buchstabe das Symbol für adultery, als Schulnote in Amerika usw. „Easy A“ ist da ganz postmodern, gibt sein Vorbild ebenso offen an wie sich z.B. „10 Dinge, die ich an dir hasse“ auf „Taming of the Shrew“ bezog und spielt stark mit der Vorlage – und bezieht sich zudem kurz auf „Huckleberry Finn“, wobei der Roman nur für einen Gag herangezogen wird (der ist aber top).

Ihr schwuler Kumpel Brandon (Dan Byrd) hat Angst vor dem Coming Out, hat er doch schon genug unter den Bullies zu leiden. Also behauptet Olive sie hätten miteinander geschlafen, wodurch Brandon als Mann akzeptiert wird. Bald macht Olive daraus ein lukratives Geschäft mit den Nerds der Schule, muss jedoch auch die Schattenseiten der Sache kennenlernen…
Seine dramaturgischen Schwächen (z.B. die forciert schnelle Stigmatisierung Olives) sind der Grund, warum sich „Easy A“ die Chance auf ein echtes Highlight unter den Highschoolfilmen neueren Datums verbaut. Die Geschichte über Ruf und Vorurteile in der Highschool-Society wird noch mit Olives Rivalität mit einer Horde Hardcorechristen, einer Liebesgeschichte und lauter kleinen Subplots angereichert, die sich leider allesamt ausbremsen, was schade ist, denn ansonsten ist der Film ein spritziges Statement zum Thema weiblicher Selbstbestimmung. Denn Olive setzt sich gegen Fremdbestimmung zur Wehr, provoziert nach Erhalt ihres Rufes bewusst (u.a. durch das Tragen eines scharlachroten A auf knappen Klamotten), denn wenn sie ihren Ruf schon weg hat, warum soll sie sich nicht dementsprechend verhalten? Die die Menschen, die sie wirklich lieben und schätzen, wie ihre schrägen Eltern (Stanley Tucci, Patricia Clarkson) und ihr Schwarm Todd (Penn Badgley), die glauben nicht an den schlechten Ruf, sondern vertrauen auf den Menschen dahinter.
Und hinter der Figur Olive steht eine wahrhaft talentierte Schauspielerin, die den Film fast allein zu tragen weiß: Emma Stone spielt die Hauptrolle so charmant und abgeklärt wie es nur geht, wirkt mit ihrer natürlichen Schönheit nicht wie ein Fremdkörper in der Highschoolwelt, man kauft ihr gar das unscheinbare Mädel ab (im Gegensatz zu den bewusst auf graue Maus getrimmten Beautys anderen Genrefilme). Warum man einer so ausdrucksstarken Frau dann allerdings eine Blassback wie Penn Badgley an die Seite stellt, dass kann wohl keiner beantworten, denn der wirkt so hölzern wie Schulbänke um ihn herum. Die Nebendarsteller hingegen wissen zu gefallen: Stanley Tucci, ein Highlight wie eigentlich immer, Patricia Clarkson als seine ebenbürtige Partnerin, ein charismatischer Thomas Haden Church, ein wunderbar cholerischer Malcolm McDowell und eine okaye Lisa Kudrow.

Noch dazu ist „Easy A“ über weite Strecken echt spritzig erzählt und kann mit flottem Dialogwitz unterhalten, womit bewiesen ist, dass der aktuelle Teenfilme sehr gut ohne die Körperflüssigkeitsexzesse der letzteren Jahre auskommen kann, aber mit seinem charmantenn Wort- und Slapstickwitz sowie seiner oberflächlichen anrüchigen, im Endeffekt aber gar nicht so schlimmen Sexthematik steht „Easy A“ den Highschoolfilmen der 80er geistig wesentlich näher, die in einer charmanten Montage als weiteres Vorbild (neben „The Scarlet Letter“) bereitwillig ausgestellt werden: Hier gibt es einige der schönsten Momente aus „Breakfast Club“, „Sixteen Candles“, „Say Anything“ und „Can’t Buy Me Love“ zu sehen.
In den 80ern waren ja auch damals ultramoderne Sachen wie Walkmen zu sehen, dem bleibt man geistig ebenfalls treu, nur anno 2010 spielen dann Medien wie Twitter und Facebook eine wichtige Rolle, denn ohne Handy und PC würde die Gerüchteküche noch nicht mal ansatzweise so rasant funktionieren wie in „Easy A“ gezeigt. Die Kritik an der Unnachprüfbarkeit ist dabei ebenso wenig scharf wie die youtube-Thematisierung in „Never Back Down“, doch es ist immerhin ein Gedanke in diesem netten Film, der den Grat zwischen ernsthaft dargestellten Teenagersorgen und überzogener Komik nicht immer so ganz trifft. Gerade die Szene, in der Olive und Brandon Sex faken, ist in ihrer Überzogenheit deplaziert wie unlustig, ebenso will das märchenhafte Happy End, das nicht ganz zum sonst eher bodenständigen Film passt. Friede Freude Eierkuchen ist angesagt, auch wenn „Easy A“ seinen Schluss durch eine fortgeführte Referenz an die Teenkomödien der 80er sympathischer macht und die Knuddelklischees abschwächt.

Dank Emma Stone, diverser famos aufgelegter Nebendarsteller und einigen recht spritzig geschriebener Gags ist aber nette Unterhaltung für Freunde von Highschoolfilmen der Marke John Hughes drin – mit der etwas zerfahrenen Geschichte und der Uneinheit im Ton des Films muss man freilich leben können.

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