"Drei Meter dicker Stahl. Nur so widerstandsfähig wie der, der den Schlüssel hat."
Während eines Banküberfalles nehmen die vier Kriminellen Doug (Ben Affleck), James (Jeremy Renner), Albert (Slaine) und Desmond (Owen Burke) die Filialleiterin Claire Keesey (Rebecca Hall) als Geisel, lassen sie aber kurze Zeit später wieder frei. Claire wohnt jedoch in Charlestown, wo auch die Bankräuber ihre Unterkünfte haben. Durch die Befürchtung von ihr enttarnt zu werden beschließt Doug herauszufinden, ob sie ihn erkennt. Als er den Kontakt zu Claire aufnimmt, erkennt sie ihn nicht als einen der Kriminellen, der sie kurzzeitig entführt hat. Allerdings entwickeln die beiden eine Liebesbeziehung zueinander, wodurch Doug seiner bisherigen Tätigkeit den Rücken kehren will. Sein langjähriger Freund James fühlt sich dadurch im Stich gelassen und der Auftraggeber Fergus Colm (Pete Postlethwaite) besteht weiterhin auf Doug's Teilnahme an den Raubzügen. Parallel sehen sich die Ganoven mit einem neuen Problem konfrontiert, denn die Ermittlungen von FBI-Agent Adam Frawley (Jon Hamm) ergeben Spuren zu den vier Bankräubern.
Charlestown ist ein Viertel von Boston, in dem laut Statistiken die meisten Verbrecher aufwachsen. Dieser Grundsatz zieht sich "The Town - Stadt ohne Gnade", der auf dem Roman Prince of Thieves von Chuck Hogan basiert, heran. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der eigentlich mehr aus seinem Leben machen möchte, durch Beziehungen und das aufwachsen in zwielichtigen Kreisen jedoch zunächst den Weg des Verbrechers beschreitet.
Ben Affleck, der mit seiner ersten Regiearbeit "Gone Baby Gone" in Form eines sehr eigenständigen Stils auffiel, inszeniert "The Town" als knallhartes Thriller-Drama. Der Film scheut sich nicht vor schonungslosen Bildern, wie der Brutalität sowohl auf Seiten der Polizei wie auch den Verbrechern, enthält gleichzeitig aber eine überraschend neutrale Erzählweise.
Im Laufe des Films ereignen sich drei Bankräube und damit verbundene, rasante Verfolgungsjagden und Schießereien. Diese Actionsequenzen erinnern durch eine bodenständige Inszenierung ohne großflächige Explosionen und eine übersichtliche Anzahl erschossener Personen weniger an einen Actionfilm, stattdessen an klassisches Spannungskino. Das bringt ein gewisses Gefühl der Realität in das ganze Geschehen, woraus der Film auch aus ist. Denn "The Town" erweist sich mit zunehmender Laufzeit als Charakter- und Milieustudie.
Zunächst erweist sich dies noch als Schwäche des Films, denn die nur schleppenden Ermittlungen des FBI und der Fokus auf die Charaktere bremst das Tempo des Films etwas aus. Mit der Zeit erschließen sich jedoch die inneren Konflikte der Figuren. "The Town" nimmt sich die Zeit seinen Charakteren eine Vergangenheit und Identität zu geben, sodass sie glaubwürdig erscheinen. Somit werden auch deren Schicksale interessant.
Ein wesentlicher Aspekt im gelingen von "The Town" ist auch die formidable Ansammlung an Darstellern. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen den Charakteren von Ben Affleck ("Armageddon") und Jeremy Renner ("Tödliches Kommando") sind von beiden großartig präsentiert. Aber nicht nur die Hauptrollen sind stark besetzt. Auch in den Nebenrollen finden sich bekannte Gesichter, die ihr Potential voll ausspielen können. So präsentiert sich beispielsweise Pete Postlethwaite ("Dragonheart") herrlich angsteinflößend und Rebecca Hall ("Prestige - Die Meister der Magie") glaubwürdig zerbrechlich.
In Form einer schnörkellosen Inszenierung und einem sich sanft steigerndem Spannungsbogen präsentiert Ben Affleck mit seiner zweiten Regiearbeit ein gelungenes Thriller-Drama mit dem Schwerpunkt auf Charaktere. Die abzählbaren Actionsequenzen sind rasant, realistisch und bilden ein kompromissloses Abbild des zyklischen Übergriffes auf Banken. Nur zu Beginn dauert es etwas, bis "The Town" an Tempo gewinnt.
8 / 10