Review

Ich gebe sehr selten die Höchstpunktzahl, aber Ben Afflecks zweite Regiearbeit "The Town" ist ein großartiges Meisterwerk und es ist lange her, dass mich ein Film so gepackt und mitgerissen hat wie dieser hochspannende und dramatische Gangsterfilm alter Schule.

13 Jahre nach seinem Drehbuch-Oscar und Golden Globe für "Good Will Hunting" hat Ben Affleck endgültig das smarte Sunnyboy-Image abgelegt und sowohl als Darsteller als auch als Co-Drehbuchautor und Regisseur wieder zu alter Stärke gefunden, der hier in der Rolle eines Bankräubers, die beste und glaubwürdigste Darstellung seiner von Höhen und vielen Tiefen geprägten Karriere abliefert. Zu einem charismatischen Typen herangereift spielt er sich wie einst Sylvester Stallone in "Copland" vollkommen authentisch die Seele aus dem Leib, als wolle er all seinen Kritikern zeigen, dass er es doch kann und überzeugt als Sympathieträger auf der Seite der Bösen, mit dem man als Zuschauer bis zum erlösenden Ende mitfiebert.

"The Town" steht für die Abkürzung von Charlestown, einem rauen Stadtteil von Boston, und erzählt die packende Geschichte einer professionellen Gruppe von Bankräubern, die erfolgreich Banken und Geldtransporte ausraubt. Bei einem ihrer Beutezüge nehmen sie Claire Keesey, die Filialleiterin einer Bank, als Geisel, lassen sie aber wenig später wieder frei.
Um sicherzustellen, dass sie dem FBI keine nützlichen Informationen mitteilt, heftet sich Doug MacRay (Ben Affleck) an ihre Fersen und verliebt sich in sie. Er will ihr zu Liebe aussteigen, doch die Bande ist an dem irischen Gangsterboss Fergie gebunden, der keinen Ausstieg duldet. Das FBI im Nacken und unter Druck gesetzt von Fergie entbrennt im rauen Milieu Charlestowns ein atemberaubendes Duell zwischen MacRay und dem FBI-Agenten Frawley (Jon Hamm), der der Bande dicht auf den Fersen ist.

Ben Afflecks realistischer Film, der nicht von ungefähr an Michael Manns "Heat" erinnert, beginnt mit einem temporeichen, dramatischen Banküberfall mit einem fulminanten Score, der die minutiöse Abwicklung und das rasante Vorgehen der Bande perfekt untermalt.
Dieses hohe Niveau hält "The Town" von Beginn an bis zum Finale durch, wobei sich in den 120 Minuten Spielzeit nicht einmal Längen einschleichen.

"The Town" punktet in erster Linie durch eine glaubwürdige Milieu-Schilderung, eine sehr authentische Darstellung der Ermittlungsarbeit und einer geradlinig und straff erzählten Story mit ausgezeichneten Dialogen.
Die Handlung ist ungeheuer spannend und überzeugt immer wieder mit dramatischen Entwicklungen. Der Zuschauer weiss zu keiner Zeit, in welche Richtung sich die Story bewegt und verfolgt gefesselt dem Handlungsverlauf.
Der Film besticht vor allem auch durch seine sorgfältig gezeichneten Charaktere und überzeugt sowohl in den ruhigen Momenten als auch in den Actionsequenzen. Verfolgungsjagden und Autocrashs sind ganz nach alter Tradition ohne Animationen entstanden und auch hier beweist Affleck ein Talent für sauber inszenierte Action.

Man kann es drehen und wenden wie man will - aber es gibt an "The Town" einfach nichts auszusetzen und ich bin erfreut und überrascht zugleich, dass Ben Affleck, den man als Darsteller längst abgeschrieben hatte, es in drei verschiedenen Funktionen schafft, voll und ganz zu überzeugen und mit "The Town" sein eigenes, ganz großes Meisterwerk abgeliefert hat.
Wüsste ich es nicht besser, würde ich behaupten, Meister Clint Eastwood hätte auf dem Regiestuhl gesessen.
Es ist unglaublich, was Ben Affleck aus der simplen Bankräuber-Story herausgeholt hat: so menschlich, so natürlich, so emotional und gleichzeitig hart und realistisch. Ganz großes Kino! Dagegen wirkt "Heat" nur noch mittelmäßig!

Mein Geheimtipp!

10/10

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