Mit „Spiderman“ kommt ein langerwarteter Blockbuster in die Kinos, der schon einige Rekorde gebrochen hat.
Der Held ist wie schon in den gleichnamigen Comics Peter Parker (Tobey Maguire). Peter ist ein unattraktiver Brillenträger, der von allen nur klein gehalten wird. Heimlich verliebt ist er in seine Nachbarin Mary Jane Watson (Kirsten Dunst), die ihrerseits mit einem arroganten Schönling ausgeht. Gleich zu Beginn haut „Spiderman“ alles an Klischees raus, was geht. Es verwundert den Zuschauer, dass Peter noch keinen Selbstmordversuch gestartet hat in einer Welt, in der sogar der Busfahrer Spaß daran hat ihn zu quälen.
Sein einziger Freund Harry (James Franco), der Sohn des Industriellen, nein nicht Ozzy, sondern Norman Osborn (Willem Dafoe). Bei einem Schulbesuch in einem Forschungszentrum (inklusive total freakigem Verhalten Mary Jane gegenüber) hat diese allerdings keine Skrupel Mary Jane anzugraben und sich dabei noch das Wissen Peters zu nutze zu machen. Krönender Abschluss ist der Biss einer genetisch mutierten Superspinne. Tja, nach wenigen Minuten hat „Spiderman“ schon richtig angefangen.
Zu Hause bei seinem Onkel und seiner Tante (Eltern sind bereits verstorben) ist Peter erst mal kotzübel, aber am nächsten Morgen kann er ohne Brille sehen und seine Muskeln sind auch ein End gewachsen. In der Schule und auch danach fallen Peter noch weitere Veränderungen auf: Er kann selbst glatte Wände problemlos hinaufklettern, Spinnennetze aus Drüsen an seinen Armen verschießen und ist um einiges stärker als zuvor. Seine neuen Fähigkeiten bringen ihm prompt eine Schlägerei mit Mary Janes Freund ein, aber der kassiert kräftig Dresche, Spinnenfähigkeiten sei dank. Allerdings sieht die Schlägerei absolut beknackt aus (vor allem der ungelenke Salto); da fragt man sich im Zeitalter der realistischeren Kampfszenen aus „X-Men“, warum man hier so ein unästhetisches Gestakse fabriziert hat.
Gleichzeitig bastelt Osborns Firma Oscorp an einem Gleiter für das Militär, auf dem mit Leistungsverstärkern behandelte Menschen fliegen sollen. Norman testet das Zeug an sich selbst, nietet seinen Mitwissenschaftler um und wacht am nächsten Morgen auf, ohne sich zu erinnern. Ta-da, der Schurke für diesen Film, der Green Goblin wäre geboren, verschwindet aber erst mal für einige Zeit von der Bildfläche.
Peter braucht Geld, um Mary Jane zu beeindrucken und will dafür an einem Wrestlingkampf in einer Spiderman-Verkleidung teilnehmen. Da er bei der Auszahlung seines Geldes betrogen wird, lässt er einen Räuber, der den Promoter beklaut, laufen. Doch der Räuber klaut den Wagen von Peters Onkel und erschießt diesen. So stellt Peter ihn in Verkleidung. Allerdings kann das Drehbuch keine Rache bei seinem herzensguten Helden zulassen. Peter verzichtet selbst nach hundsgemeinen Tricks des Räubers darauf, diesem die Latüchte auszuknipsen. Allerdings stolpert der Räuber und stürzt zu Tode, damit die ausgleichende Gerechtigkeit hergestellt ist.
Nach der Schule gehen Peter und Harry nach Manhattan, wo Peter nach einem Job als Fotograph sucht. Auch Mary Jane arbeitet dort als Kellnerin, hat aber ihren Traum von der Schauspielerei nicht aufgegeben. Nach dem Tod seines Onkels verwandelt sich Peter nachts in Spiderman und geht auf Verbrecherjagd. Bald kommt es zum Zusammenstoß mit dem Green Goblin, der für seine Interessen mordet.
Die Idee in „Spiderman“ ruhig den Werdegang des Helden zu erzählen ist eine löbliche Sache, allerdings umschifft der Film nicht alle Gefahren. Denn viele Dinge werden zu ausgedehnt erzählt, während der Superschurke fast nur am Rand auftritt. So ist die Motivation vom Green Goblin nie ganz klar. Anfangs versucht er Oscorps Widersacher zu beseitigen, aber später fehlt ein glaubwürdiger Antrieb für seine Taten. Durch diesen Umstand mangelt es „Spiderman“ auch an Spannung.
Die Dialoge sind unterschiedlich gut. Die „coolen“ Sprüche sind recht zahm und locken kaum jemanden hinterm Ofen vor und auch die Schmalzszenen (wahlweise mit Mary Jane oder Familie) kramen die schnulzigsten Dialoge vor, die stellenweise extrem peinlich sind. Viel besser sind dann die Szenen, in denen Willem Dafoe als komplexere Figur auftritt und auch bessere Dialoge spricht.
Klasse hingegen sind die Effekte: Wenn Spiderman sich durch Straßenschluchten schwingt oder der Green Goblin sein Waffenarsenal einsetzt, dann ist jede dieser Szenen 1A getrickst worden. Dabei fügen sich die Computergenerierten Effekte sehr gut in den Film ein ohne unecht auszusehen.
Einige Kritiker geben „Spiderman“ die Betitelung „Action pur“, aber dies ist lachhaft. Denn die Action ist so gut wie gar nicht vorhanden. Von Spidermans Kämpfen gegen Schurken ist kaum was zu sehen und wenn, dann sehen die Kampfszenen übertrieben aus (das hat „X-Men“ viel besser hingekriegt). Die Fights mit dem Green Goblin sind spektakulär und sehen gut aus, sind aber auch von geringer Zahl und Dauer.
Tobey Maguire verkörpert Peter Parker sehr gut, auch wenn das Drehbuch ihn doch zu einem extrem armseligen Würstchen degradiert. Kirsten Dunst macht als Mary Jane Parker auch eine gute Figur, aber der Film lebt von seinen Nebendarstellern. Kultig sind die Auftritte von Peter Parkers Chefredakteur mit seiner herrlichen gemeinen Einstellung und Willem Dafoe gibt einen Schurken der Extraklasse ab.
Unterm Strich ist „Spiderman“ ein bloß durchschnittlicher Sommerfilm mit einigen Momenten und super Effekten, aber recht viel Leerlauf und ungeschliffenen Dialogen.