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Chen Zhen, Hauptfigur des Filmes, gespielt von Donnie Yen, schlüpft aus nur erahnbaren Gründen in die Rolle des während eines gemeinsamen Kampfes im ersten Weltkrieg gefallenen Qi Tianyuan. Sodann baut er sich als Kompagnon des Nachtclubbesitzers Liu Yutian (Anthony Wong Chau-Sang) ein neues Leben in Shanghai auf und verliebt sich in die schöne Kiki (Shu Qi), die im Club als Sängerin auftritt.
Jedoch führt er ein geheimes Doppelleben - nebenbei versucht er als maskierter Retter einen Bürgerkrieg zu verhindern und damit den Einfall japanischer Truppen aufzuhalten. Schließlich trifft er auf seinen erbittertsten Widersacher - Colonel Chikaraishi Takeshi (Ryu Kohata), der einen ganz persönlichen Groll gegen Chen Zhen hegt, da dieser vor einigen Jahren seinen Vater getötet hat.

So weit zur Story des Filmes... wohltuend, nachdem mich in letzter Zeit mehrere Filme mit ihren merkwürdig verdrehten und unpräzisen vermeintlich geschichtlich realen Hintergründen verwirrt hatten, hat es Legend of the Fist endlich einmal geschafft, die Handlung in einem realen und nachvollziehbaren geschichtlichen Rahmen anzuordnen, nämlich zwischen dem ersten Weltkrieg und dem zweiten Sino-Japanischen Krieg. Der Rest mag Fiktion sein, spielt auch eher eine nebensächliche Rolle, aber immerhin kann sich der Zuschauer in etwa vorstellen, welche Zeit uns präsentiert werden soll - dies gelingt auch recht anständig.
Da ich mich jedoch nur ganz schlecht bis gar nicht an das dem Film zugrunde liegende Original, seine Remakes oder die Serie erinnern kann, hatte ich vielmehr Schwierigkeiten, der Figur des Chen Zhen etwas abzugewinnen - wäre es nicht Donnie Yen gewesen, hätte ich mich an dieser Stelle sicher beklagt, dass ich gar nicht weiß, wer dieser Chen Zhen sein soll, was er überhaupt will, wo er herkommt und was ihn umtreibt. Nun, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht, grundsätzlich kann man sich schon so seinen Reim machen, aber dennoch kann es nicht schaden, zumindest vorher drei Sätze über die fiktive Figur "Chen Zhen" gelesen zu haben, zumal es im Verlauf des Filmes eine nette Anspielung auf dessen "früheres" Leben gibt, da der japanische Colonel nämlich der Sohn eines ehemaligen Widersachers ist, den dieser getötet hat - erklärt, warum der Colonel so schlecht auf die Chinesen an sich und Chen Zhen im besonderen zu sprechen ist. Aber gut, dies sind Nebensächlichkeiten, die nicht verhindern, dass man der Story auch ohne Vorkenntnisse folgen kann.

Einen weiteren Kritikpunkt an diesem Film muss ich hinsichtlich der Erzählweise anbringen - ist allerdings ein persönliches Ding und mag andere Leute nicht stören, dennoch: der Film spoilert sich von Anfang bis Ende selbst. Es dauert keine halbe Stunde und dem aufmerksamen Zuschauer (und auch dem fast schlafenden) ist klar, wer hier was für ein Schurke ist, wer ein Spion, wer sich noch entwickeln wird und wie es ausgeht. Dies führt dazu, dass es meiner Meinung nach quasi keinen Spannungsbogen gibt - man wartet an und für sich nur auf die Kämpfe, denn die Geschichte ist längst fertig erzählt. Sicher, man kann noch mit Chen Zhen mitfiebern, denn der hat es offenbar noch nicht mitbekommen, aber mir persönlich hätte es besser gefallen, gewisse Kniffe hätten sich erst am Ende gezeigt.
Ansonsten gibt es meiner Meinung nach kaum was auszusetzen. Donnie Yen hat sich schauspielerisch erneut von seiner besten Seite gezeigt, Shu Qi war gewohnt niedlich (aber eher unauffällig) und Anthony Wong war halt Anthony Wong, alles im grünen Bereich!
Wenn ich nun an die Kämpfe zurückdenke, muss ich sagen, dass es Donnie Yen hier einmal mehr gelungen ist, eine interessante Mischung zu entwerfen. Mehrere Stile werden kombiniert (er selbst soll gesagt haben, dass dies eine Hommage an Bruce Lee ist, der ja sein Jeet Kune Do ebenfalls aus verschiedenen Kampfstilen entwickelt hat) und jeder Kampf hat etwas spezielles. Natürlich spare ich mir wie auch schon früher häufig nicht die Anmerkung, dass ich gern noch zwei/drei Fights mehr gesehen hätte - dafür hätten sie sich dann halt ihr Rumgeballere sparen können. Aber gut, irgendwie gehört auch das sicher zu dieser Zeit, also was solls... über mangelnde Action kann man sich jedenfalls trotzdem nicht wirklich beklagen.

Und so lässt sich zusammenfassend sagen:
ein gelungener, wenn auch nicht besonders überraschender Film mit einem guten und kämpferisch überzeugenden Donnie Yen vor historischer, gut gemachter Kulisse - kurzweilig unterhaltsam

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