Review

Lieber stotternd statt stumm

Drüben brüllt Hitler, dort stottert der neue König - ein ungleiches Duell? Nein, diese Annahme wäre falsch und mehr als nur vorschnell.

Oscarbait und wirklich emotionales Geschichtskino vereint, ich war gebannt, ich habe gebangt, ich war beeindruckt, ich hab' geweint.

Eine Kunst, dieses Thema null trocken oder theoretisch erscheinen zu lassen, das lässt aufhorchen vom goldenen Palast bis in die regnerischen Gassen.

Firth hat Anmut, Klasse und ein spürbar großes Herz, und diese Tugenden werden immer bleiben größer als uns'rer Weltes Hass, Gewalt und Schmerz.

Ich hänge gespannt an den Lippen, ich kann nur zustimmend nicken, es brauchte keine fünf Minuten um zu klicken.

Zwischen Würde, Wortwahl und Weltkrieg am Horizont, "The King's Speech" bringt all das unter einen Hut gestriegelt und gekonnt.

Über das Sprechen und Motivieren, über Sätze, die die Welt verändern können, diese inspirierende, intime Königsgeschichte kann man sich regelmäßig gönnen.

Das muss man sehen wie hören, um es zu fühlen und zu verstehen, erstaunlich wie über zwei Stunden "Historienkino" können dermaßen flott vorübergehen.

So wird's gemacht, Spielberg und "Lincoln", hier schafft's Tom Hooper wirklich wohltemperiert Nazis und anderen Verblendeten an's Bein zu pinkeln.

Gänsehaut über die Lautsprecher direkt in's Herz, auch Sie haben menschlich wie rhetorisch einen erneuten Termin, Herr Merz. 

Normalerweise interessieren mich Adel, Politik und Königshäuser recht wenig bis nicht, aber dieser Film über viel mehr als das, über unser aller Widerstand, könnte kaum mehr sein als Pflicht.

Fazit: "The King's Speech" ist viel, viel mehr als Polit- und Historienkino... Eine Ode an den Mut, die Rhetorik und das Einstehen für sein Land, die Freiheit und nicht weniger als das Gute auf dieser Welt. Und Colin Firth war nie besser! 

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