Für den Fall, dass mal jemand irgendwo auf dem Highway in der Einöde der USA unterwegs ist und meint, ein Kind mitten auf der Straße angefahren zu haben und kurz darauf auf einer nahe gelegenen Farm von einer Kreuzung aus Mensch und Schwein in einen Käfig gesperrt wird (kann ja jedem mal passieren), gibt es vorab drei bedeutsame Regeln:
- Wenn man den Motor abwürgt, nicht gleich aussteigen und nach Hilfe suchen.
Besser, man startet den Wagen einfach noch mal.
- Beim Kampf mit einem unermüdlichen Koloss haut man gefälligst solange drauf, bis der Typ endgültig eliminiert ist.
- Sollte man während der Flucht ein leerstehendes Gebäude entdecken, ist dieses entweder ganz zu ignorieren oder zumindest der Keller aufgrund mangelnder Ausweichmöglichkeiten zu meiden.
- Regel Vier kann man sich schenken, sofern man niemals mit untalentierten Musikern ohne Plan gemeinsam auf Tour geht…
Und da ist er wieder, einer dieser Debüt-Streifen, die einen auf grotesken Torture Porn machen.
Regisseur Tony Swansey hat zwar die Grundregeln des Slashers in Redneck-Land verstanden, versteht es jedoch nicht, ihnen auch nur ansatzweise neue Impulse zu verleihen.
Das beginnt bei den flachen Figurenzeichnungen, geht über die mangelnde Originalität in Sachen Folter und Gewalt und endet mit dem vorhersehbaren Verlauf einschließlich des Showdowns, bei dem schon weit im Vorfeld feststeht, welche zwei sich am längsten auf den Beinen halten dürften.
Entsprechend mag man niemanden der sechs Reisenden. Veganerin Valerie nervt durch Zickerei, Band-Leader Travis ist höllisch von sich und seinen zwei Groupies auf dem Rücksitz eingenommen und ätzt jeden an, während Fahrer Tom bekifftes Zeug von sich gibt und Mark allenfalls durch Ruhe auffällt: Mehr oder minder allesamt Langweiler.
Nach dem obligaten Zwischenstopp an der Tankstelle mit Ekelklo dauert es zumindest nicht allzu lange, bis die Schweinemutanten ihren Einsatz haben.
Bei diesen handelt es sich um eine dreiköpfige Familie, die aus irgendwelchen Gründen eine Versuchsklinik verlassen hat und nun auf einer Farm vorzugsweise von Menschenfleisch lebt.
Herumhängende Körperteile und Innereien, schön ordentlich verteilt, deuten auf vertauschte Rollen zwischen Mensch und Schwein hin, doch bevor es zu ernährungswissenschaftlicher Kritik kommt, befinden sich unsere Reisenden auch schon allesamt in der Gewalt der Schweinetypen.
Eigentlich nur dem Oberhaupt, denn die Sau hat sozusagen nur einen Kurzauftritt, während Pigboy (ein Liliputaner) für kleinere Ferkeleien zuständig ist.
Maskentechnisch beschränkt man sich auf wesentliche Merkmale mit spitzen Ohren, Schweinenase und zwei gewaltigen Unterkiefer-Hauern. Der Rest des Körpers zeugt von rein menschlicher Anatomie. Dazu kommt hin und wieder ein Grunzen in unterschiedlichen Tonhöhen, doch insgesamt wirkt keiner der Schweinekreaturen wirklich fies oder bedrohlich, phasenweise sogar eher lächerlich trashig.
Im Gewaltsektor tut sich lange Zeit rein gar nichts. Erste Taten finden komplett im Off statt und erst im letzten Drittel bekommt man Einlagen wie einen zugenähten Mund, für eine Millisekunde den Schlag eines Hammers auf den Kopf und das Resultat eines aufgeschlitzten Bauches in Form herunterfließenden Blutes und niederklatschenden Gedärms.
Die härteste Szene ist das Abreißen eines Armes, da die Kamera hier ausnahmsweise mal nicht im Dunkeln oder in reichlicher Entfernung tätig ist.
Ansonsten werden keine sonderlich effektiv gefilmten Momente festgehalten, viele Szenen wirken wie zufällig entstanden, ohne vorher über die Wirkung nachgedacht zu haben.
Einige der Mimen agieren im Übrigen nach demselben Prinzip, denn niemand der Darsteller kommt über etwas gehobenes Laienniveau hinaus, höchstens der Obermutant, der mit seiner Körpersprache noch einigermaßen überzeugen kann.
Alles in allem kommt bei dem Slasher mit reißerischem Titel nicht viel herum außer den üblichen Zutaten wie Weglaufen, Gefangenschaft und zumeist verzweifelten Gegenschlägen, die mit erneuter Gefangennahme oder raschem Tod enden.
Das Erzähltempo ist bei alledem nicht sonderlich hoch und es herrscht ein deutlicher Mangel an körperlichem Einsatz und dazugehörigem Blutvergießen.
Eine Regel für Filmemacher in diesem Subgenre könnte lauten: Wenn du schon einfältige Filme machst die keinerlei Originalität aufweisen und ein paar luschige Schweinemasken Skurrilität verbreiten sollen, dann doch bitte mit etwas mehr Augenzwinkern.
Es muss ja nicht gleich eine vertiefte Herangehensweise zwischen Schweineschnitzel und Hackepeter sein…
3 von 10