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Mitte der 70er Jahre war Wang Yu der wohl beliebteste Martial Arts-Darsteller und -Filmemacher in Hongkong und China. Nachdem es keinen Bruce Lee mehr gab, verlangten das Publikum nach neuen Abenteuern der wohl berühmtesten Wang Yu-Figur: Der einarmige Boxer, der in "Eine Faust wie ein Hammer" große Erfolge feierte. Für sein Follow-Up ließ Wang Yu seinen "einarmigen Boxer" gegen den "Meister der fliegenden Guillotine" antreten. Zwei beliebte Elemente aus Kampfsportfilmen treffen erstmals aufeinander!

Aus diesem historischen Aufeinandertreffen wurde treffenderweise das "Duell der Giganten". Zwar war der Film keine Big-Budget-Produktion, und hatte mit Darsteller und Regisseur Wang Yu eigentlich nur einen Star als Zugpferd, aber es sollte zu einem zeitlosen Klassiker des Hongkong-Kinos der 70er werden. Der Film spielt im 18. Jahrhundert zur Ching-Dynastie. Um einen Putsch zu verhindern tötet ein einarmiger Kung Fu-Lehrer zwei Assistenten von Fung Sheng Wu Chi, einem mysteriösen Meister der fliegenden Guillotine. Letzterer schwört Rache an dem Kämpfer, der als "einarmiger Boxer" berühmt wurde. Fung Sheng zieht aus, um den einarmigen Boxer bei einem Kung Fu-Turnier zu treffen und zu töten.

Dieses besagte Turnier macht den Kern des Films aus: Gegen Mitte von "Duell der Giganten" sehen wir perfekt auschoreographierte Kämpfe zwischen bizarr bis trashig wirkenden Teilnehmern. Die Fights sind atemberaubend schnell, sehr professionell geschnitten und getrickst. Wenn man bedenkt, dass "Duell der Giganten" lediglich eine kleine Indie-Produktion war, dann ist es schon erstaunlich, wie ideenreich Wang Yu und seine Kampf-Choreographen dieses Turnier umsetzten. Besonders nett sind hierbei natürlich die abgedrehten Kämpfer, deren Exotik und übernatürliche Kräfte Pate für jedes aktuelle Beat-'em-Up-Computerspiel standen. So gibt es hier Cheung Shung Wee, der durch einen langen Zopf seinen Gegner erwürgt, oder ein "Iron Skin"-Kämpfer der keinen Schmerz auf seinem Körper spürt. Wahre Highlights sind natürlich der japanische Schummler "Win without a Knife"-Y. Yakuma und ein indischer Yoga-Kämpfer, der seine Arme um einige Zentimeter verlängern kann. Ungewöhnlich für den Martial Arts-Film ist die Tatsache, dass während beim Turnier keine der Hauptpersonen kämpfen. Der einarmige Boxer sitzt zwar im Publikum, hat aber während der gesamten Sequenz keinen Kampf.

Dafür steuert der Film auf den unvermeidbaren Kampf hinzu. Der einarmige Boxer stellt sich dem Meister der fliegenden Guillotine. Davor zeigt sich Wang Yu als cleverer Filmemacher, der sehr schöne, traditionelle Bilder aufnimmt, einige fast schon emotionale Szenen dreht (zum Beispiel die kurze Sequenz zwischen dem Turnier-Präsidenten und der Tochter), um spätere Elemente vorzubereiten und klarer zu machen. Wang Yu erweist sich nicht nur als großartiger Kung Fu-Schauspieler, sondern als auch technisch und erzählerisch versierter Regisseur. Die ganzen bizarren Opponenten machen unglaublich Spaß, seien sie teilweise noch so trashig. Und die Art, die beiden Protagonisten in Szene zu setzen, ist besonders bemerkenswert. Hier haben wir ein Duell, das dem asiatischen Publikum sehr gut gefällt, schon klassisch ist für die Periode des Filmemachens. Beide Kämpfer haben ein körperliches Handicap: Beim einarmigen Boxer sagt es schon der Titel: Er kämpft nur mit einer Hand, da ihm die andere schlichtweg fehlt, während Fung Sheng blind ist. Das bringt grandiose Möglichkeiten mit sich. Gerade diese Handicaps geben Wang Yu die Möglichkeit Szenen einzigartig und unglaublich unterhaltsam zu gestalten. Was vielleicht auch noch erwähnt werden sollte, ist die Tatsache, dass die Figur des Fung Sheng ein Hakenkreuz auf seiner Kleidung trägt. Dies ist sicherlich keine Referenz an die Nazis, sondern ist in diesem Falle ein buddhistisches, religiöses Kennzeichen.

"Duell der Giganten" ist ein oft gescholtener, oft vergessener Film, der von vielen Kritikern zu Unrecht als langweilige Fortsetzung zu "Eine Faust wie ein Hammer" bezeichnet wurde. Der Film ist einer der definitiven Meisterwerke des Martial Arts-Films aus Hongkong. Sicherlich, die Charaktere sind oft schrecklich übertrieben, jedoch macht gerade dies den unvergeßlichen Charme aus. Die Fotographie ist erstklassig und das Produktionsdesign (man denke nur an die Waffe selbst!) ist genial. Für alle, die sich von den aberwitzigen Ideen und den übernatürlichen Kräften der Fighter nicht abschrecken lassen, wird sich ein buntes Martial-Arts-Abenteuer entfalten.

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