Dass ein Jeff Lau heutzutage noch am Schreiben und großbudgetiert Inszenieren ist, ist mit Werken wie A Chinese Tall Story, Metallic Attraction: Kung Fu Cyborg und dem kürzlich angelaufenen, aber seit 2008 [ohne seit Zutun] auf Halde gelegenen Fantastic Water Babes im Rücken alles andere als die bloße Selbstverständlichkeit. Seine Arbeiten immer als Zwischenreich aus viel sicherlich erstmal auch die Massen ansprechender Unterhaltung, die auch mit Stars unterfüttert und populäre Mythen zitierend sich allerdings auch im scheinbar amüsanten Spiel aus oft überaus abstrusen Einfällen herleitet. Sein konsequent beibehaltener Karneval von Sagen, Parodieren auf das Hier und Jetzt ebenso wie das in der Vergangenheit Festgeschriebene und die Macht einer weit in die narzisstische Phantasmen reichende Weltengründung, die oft dorthin führt, wo nur die seltsamsten Ideen möglich sind, unterlaufen die normalerweise geltenden Gebote für auf Dauer erfolgreiches Blockbuster-Entertainment. Zu schräg, zu laut, zu anstrengend, auch meist zu maskenhaft mit Spezialeffekten und um die Darsteller herum als sie zur Identifikation anbietend geschrieben, durchbricht er in autonomer Weise und im Schleier einer Komödienveranstaltung das sonstig Etablierte.
Die 60 Millionen Yuan Production Once Upon a Chinese Classic [ Alternativtitel ] dabei als weiteres Paradebeispiel, welches nach außen hin trotz orgiastischer Ideen und theoretisch konkreter Formvorgabe auch weniger zu bieten hat, als es im Nachhinein in der Bedeutung aufzeigt. Auch hier führt die aufgebotene Besetzung, eine immense Hundertschaft an Klein- und Kleinstauftritten [ u.a. Sandra Ng, Jacky Wu Jing, Stephy Tang, Kenny Bee, Corey Yuen Kwai, Yuen Wah, Wong Cho-Nam, Lam Suet, Lee Lik-Chi, Yu Rong-guang, Ada Choi, Leo Koo ] in extremen theatralischen Agieren, und ihre Umwelt aus filmischer und literarischer und somit exzeptionell medialer Existenz nur begrenzt zu einer Einheit mit dem Publikum. Ein überzogener Episoden-Kosmos aus Festmahl, Karaokewettbewerb, Trinkgelage und Stand up Comedy, der sich seiner Zuschauerschaft nur in der Vorstellung der Figuren, in der direkten Übernahme aus zumeist Red Cliff, Kung Fu Hustle, leider auch Titanic und sonst in nichts weiter vergewissert:
Die gerne der legendären Purple Cloud [ Athena Chu ] nacheifern wollende Rose [ Betty Sun Li ] stiehlt zu diesem Zweck ihr berühmtes "Heavenly Sword", daß auch nur derjenige aus der Scheide ziehen kann, der zukünftig ihr Mann fürs Leben sein soll. Durch ein Missverständnis ist sie bald überzeugt, daß dies ausgerechnet der Gelegenheitsdieb Qing Yi-se [ Ronald Cheng ] sein soll, der überhaupt nicht die Absicht hat, die ihm eifrig nachstellende Aspirantin zu heiraten und eiligst mit der ebenfalls entwendeten "Moon Light Treasure Box", einer Art Zeittor, das Weite sucht. Dabei landet er ausgerechnet in der Periode der Zerstrittenen Königreiche, die ihn in Person des Helden Zhao Zi-long erst in das Lager des invasierenden Cao Cao [ Guo De-gang ] und seines Generals Xia Hou [ Patrick Tam ] und dann in das der sich dem Eindringling entgegenstellenden Liu Bei [ Yuen Biao ], Zhu Ge [ Eric Tsang ], Zhou Yu [ Huang Bo ], Guan Yu [ Alex Fong Lik-sun ] und Zhang Fei [ Fan Siu-wong ] führt. Dass der Krieg direkt vor der Haustür steht, hält weder die sich in Gestalt der Botschafterin von Tukestan [ Gigi Leung ] verwandelnde unhd so einschleichende Rose noch die ortsansässige Sun Shang-xiang [ Gillian Chung ] davon ab, sich weiter energisch um seine Gunst zu bemühen.
Das ist eher wirr als nachvollziehbar, ein Potpourri aus verschiedenen Antikstoffen mit dem Anstrich eines wahr gewordenen Fantasy-Albtraumes. Der Reiz der sich aus der Beijing Bona Cultural Exchange Co., Ltd., Pearl River Film Co., Ltd. und Beijing Galloping Horse Film Co., Ltd. zusammensetzenden Produktion besteht im Großen und Ganzen aus der erneuten Vorstellung eines bereits bespielten Geschehens und aus dem damit verbundenen markanten Ereignishaften. Die Geschichte, bzw. die Parade an Cameos und ihre die Humorgrenzen durchbrechende Ablenkung hangelt sich in divergierender Wiederholung an den Schwer- und Höhepunkten der jeweiligen Filme heran; wobei die Quellen und ihre unter Verlachung zu Grabe getragenen Szenen eine äußerst prägnante Erinnerung und die vorteilhafte Ordnung einer erkenn- und bestimmbaren Handlung auslösen können. Gerade Red Cliff und seine Aufarbeitung als dringend nötige Informationsvergabe gilt als Anschauung von der ausschließlichen Berechtigung; die der die gleiche Saga bearbeitende und im gleichen Zeitraum erschienene Three Kingdoms: Ressurection of the Kingdom trotz anderer Qualitäten bis hin zu Vorzügen eben nicht aufweist, weshalb er auch zu Recht vollkommen ignoriert wird.
Regisseur Lau kokettiert in der knapp zusammenfassenden Nachstellung auch ausgerechnet mit den größeren und auch in der Reihenfolge größer werdenden Akten. Nämlich die erste Kampfaktion von Zhao Zi-long gegen Caos Eindringen mitsamt der Rettung des künftigen, noch im Kleinkindalter befindlichen Thronfolgers. Die erste Schlacht, die besonders wegen der List der die heran galoppierenden Pferde blendenden goldenen Schilde entschieden wird. Und das finale Seemassaker, welches zuvor noch mit dem per Finte durchgeführten Erbeuten der Pfeile eingeleitet wird. Alles Weitere drumherum sind eher belanglose Begebenheiten aus dem taktischen Vorgeplänkel, die kaum weitere Anwartschaft auf derart Memoriables auslösen können oder wollen, als Referenz zu dem John Woo allerdings trotzdem die Eigenschaft wiedergefundenen Eigentums und die entsprechende Detailspannung von Original zur Kopie und umgekehrt aufweisen. Ein Einander Erkennen ohne Identitätsverlust. Laus Fassung kann verständlicherweise nicht denselben Aufwand betreiben, richtet sich im Versuch punktuellen Effektes aber dennoch an den gleichen Status und stellt sich auch durchaus dann als maximiertes Sensationsstück dar, selbst wenn das Interesse eher nicht auf der Action und die Arbeit der Choreographen Yuen Cheung-yan und Yuen Shun-yi nur beliebig schmückendes Beiwerk ist.
Stehen oder fallen tut der Film und sein Jahrmarktslärm aber nicht mit dieser schönrednerischen Bildsprache voller Finanzkraft, die so gar nicht der die preiswerte Einfachheit suchenden Lustspielen des Chinesischen Neujahres entspricht – der Starttermin galt eigentlich für Mitte Februar, wurde aber aufgrund der quantitativ viel zu drängenden Konkurrenz um mehrere Wochen in das Jahr hinein geschoben. Vielmehr ist die Alles oder Nichts - Struktur der Witze im oft radikalen oder sonst wie erschütternd brachialen Gestus entscheidend. Wie gewohnt darf man sich am alternden Komiker Ronald Cheng und reichlich abenteuerlichen Bild- und Metapherverdrehungen erfreuen [oder nicht], die Alles und Jeden zum Verlachen preisgeben, sich aber weiterhin mehrere Spuren zu aufdringlich um das Extrem bemühen und so um Halt oder Balance entmachtend in den Rausch stürzen. Ein schwärmendes Durcheinandergehen voll Inkonsistenz im Alkoholdelier, in der alles Sinnlose anerkannt ist und nicht nur im Notfall bei Bedarf, sondern möglichst ständig errichtet wird.