Wow. Was Frank Darabont und Co. mit dem Pilotfilm von "The Walking Dead" abgeliefert haben ist nicht mehr oder weniger als das Beste, was es bislang im Zombie-Genre zu sehen gab.
Die Geschichte folgt dem Polizisten Rick Grimes, der im Koma liegend die Anfänge der Zombie-Apokalypse verpennt hat und nun auf sich gestellt in einer Welt überleben muss, in der mehr Menschen untot, statt am Leben sind...
Und ohne viel von der emotional packenden Handlung vorweg zu nehmen, gibt es drei Gründe, warum der von Darabont inszenierte Pilotfilm so packend ist:
Vor allen Dingen sind die Schauspieler nicht nur gut ausgewählt, sondern spielen ihre Parts auch mit Hingabe. Man kann die Anspannung der Protagonisten in jeder Sekunde spüren, ihre Verzweiflung, aber auch ihre Hoffnung. Mit nur wenigen Schauspielern in der Pilotfolge wird bereits ein Figurenkaleidoskop entworfen, in dem die unterschiedlichsten Charaktere mit einander interagieren, zwar kommen die meisten nur am Rande vor und werden wohl innerhalb der ersten Staffel erst richig ausgebaut, aber schon jetzt kann man auch die internen Probleme erahnen und sieht dunkle Wolken am Horizont, was die persönlichen Verbindungen der Figuren angeht.
Und apropos Figuren, natürlich spielen auch die lebenden Toten eine große Rolle. Die langsam laufenden, Romero-esken Untoten behalten einen kleinen Teil ihrer Erinnerungen. Eine zombifizierte Ehefrau versucht etwa Nacht für Nacht zurück ins Haus zu kommen und dreht immer und immer wieder leicht am Türknopf der zugenagelten Tür. Eine gespenstische Szene, die vom perfekten Make-Up der Untoten noch weiter profitiert. Den Look der Zombies kann man wohl am besten mit dem aus dem "Night Of The Living Dead"-Remake von Tom Savini vergleichen, auch wenn bei "The Walking Dead" alles noch etwas perfekter, oder besser gesagt, natürlicher aussieht. Auch vor halbverwesten und verstümmelten, lebenden Leichen machen da die Make-Up Maestros unter Greg Nicoteros (Mitglied der großartigen KNB-Effektgruppe) Fuchtel nicht halt. So sollten Zombies aussehen: Naturalistisch, denn dann wird der eigentliche Schrecken dieser Geschöpfe immer noch am besten transportiert.
Als Zweites wäre da die einfach großartige Inszenierung an sich. Langsame, ruhige Kamerafahren, kombiniert mit eingängiger, fast schon chill-out-Moods-mäßiger Musik, die an den richtigen Stellen eine Gänsehaut über den Körper wandern lässt, aber genauso schnell ins absurd-schwarzhumorige Umschlagen kann, was man besonders schon am packenden Cliffhanger-Ende der Pilotfolge merkt.
Und zu guter Letzt kommt es eben auf den Inhalt an. Wie schon bei der beschriebenen Szene mit der untoten Frau, die wieder zurück ins Haus will, so baut "The Walking Dead" wieder auf die Grundprinzipien des Genres auf. Emotionale Bindung zu den Figuren wird aufgebaut und dann werden diese durch ihre wortwörtlich persönliche Hölle geschickt. Hier gibt es keine coolen Oneliner, oder aufgesetztes Heldentum, stiller Schrecken beherrscht die Szenerie, die oftmals in absoluten Horror ausartet. Zwar gibt es blutige Kopfschüsse, Entweidungen, etc. was man eben aus dem Genre gewohnt ist, aber im Gegensatz zu vielen Zombie-Kollegen, werden hier diese Elemente nur zum Akzentuieren des eigentlichen Grauens benutzt. Sie sind weder so eklig, dass man wegschauen will, noch ansatzweise als Gröhlunterhaltung für Splatterfans gedacht. Blutig wird es eben manchmal, aber darum geht es der "Walking Dead" Serie nicht, es geht um die Charaktere und deren emotionalen Kampf in einer Welt weiterzuleben, die mehr tot als lebendig erscheint und die so wenig Hoffnung wie sonst noch nie zu geben hatte.
Das könnte dann auch der einzige Punkt sein, der Vielsehern des Zombie-Genres aufstoßen könnte, denn natürlich sind das alles Akzente und Themen, die bereits in verschiedensten anderen Werken, allen voran denen von George A. Romero, Verwendung fanden. So werden einige, wenn nicht viele Handlungen und Abläufe wohl schon bekannt vorkommen. Auf diesem handwerklich großartigen wie auch emotional packenden Level hat es sie aber eigentlich selten gegeben. Selten bis nie sogar.
So kann man "The Walking Dead" nur allen Freunden der lebenden Toten wärmstens ans Herz legen, denn schon allein der Pilotfilm ist, wie schon in der Einleitung bemerkt, wohl mit das Beste, was man jemals aus diesem Genre zu Gesicht bekommen hat. Und macht extrem neugierig auf die weiteren Folgen, die hoffentlich diesen extrem hohen Standard halten können...