"Es könnte mikrobisch sein. Ein Virus, ein Parasit, ein Pilz." ... "Oder der Zorn Gottes."
Basierend auf der erfolgreichen Comicbuch-Reihe von Robert Kirkman und Tony Moore hat Regisseur Frank Darabont ("Die Verurteilten") die erste erfolgreiche Zombie-TV-Serie entwickelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern in den letzten Jahren setzt "The Walking Dead" inhaltlich und größtenteils auch stilistisch wieder alles auf Anfang und erinnert in seinem Gesamtkonstrukt eher an die "Zombie"-Klassiker von George A. Romero.
"The Walking Dead" funktioniert als klassisch anmutende Vision der Apokalypse, als Sozialdrama, gespickt mit Western-, Thriller- und Horrorelementen. Durchgehend ist die Serie sehr behutsam erzählt und klammert Schreckeffekte völligst aus.
In der überlangen Pilotfolge steht der Polizist Rick Grimes (Andrew Lincoln) und dessen verspätetes Erwachen in die endzeitliche Welt im Vordergrund. Rick wird zur Begleitfigur durch die gesamte erste Staffel, da sein loyales, gerechtes und wohlüberlegtes Gemüt den einfachsten Einstieg gewährt.
Das Erwachen gleicht schon beinahe dem Einstieg in "28 Days Later". Nachdem der Protagonist im Prolog angeschossen wird, wacht er in einem menschenleeren Krankenhaus auf, wandelt über menschenverlassene Straßen, findet die ersten Untoten und andere Überlebende. Die Motivation seine Frau Lori (Sarah Wayne Callies) und seinen Sohn Carl (Chandler Riggs) noch leben zu finden, veranlasst ihn nach Atlanta zu reisen. Die Stadt wurde allerdings bereits von den Untoten überrannt.
Zahlreiche weitere Figuren werden gegen Ende der ersten Folge und zu Beginn der zweiten eingeführt, Glenn (Steven Yeun), Shane Walsh (Jon Bernthal), Dale Horvath (Jeffrey DeMunn), Andrea (Laurie Holden) und Daryl Dixon (Norman Reedus) um einige beim Namen zu nennen. Durch die jeweiligen Figurenkonstellationen entsteht recht schnell eine völlig andere Gefahr neben den lebenden Toten: Die Konflikte untereinander, ausgelöst durch Tyrannei, Herrschaftswahn und Rassismus.
Obwohl viele Charaktere nur wenig Platz in der Serie eingeräumt bekommen, sind sie doch komplex genug um eine eindeutige Position zu beziehen. Gegenüber der Zombie-Thematik liegt der Schwerpunkt überwiegend bei den Figuren. Durch die ruhige Inszenierung kommt es daher in der Hälfte der Folgen zu erzählerischen Längen, denn die Handlung entwickelt sich teilweise nicht weiter. Die finale Folge kämpft zusätzlich mit dem Verlust der aufgebauten Bedrohung, denn in dieser wird der Handlungsort in einen geschützten unterirdischen Komplex verlegt.
Ganz anders verhalten sich die Sequenzen in denen die wandelnden Toten im Mittelpunkt stehen. Die geradezu großartigen Kreatureneffekte erschaffen Gestalten die enorm furchteinflößend sind. "The Walking Dead" ist außerdem ruppig genug um ausschließlich ein Erwachsenenpublikum zu unterhalten. Wenn es zur Sache geht sind blutige Kopfschüsse keine Seltenheit. Steigerungen finden sich durch zerstückelte Leichen, Innereien, klaffende Bisswunden und abgeschlagene Gliedmaßen. Die dabei verwendeten Effekte sind hochwertig.
Darabont zieht ein paar seiner Stammschauspieler mit, zu denen Laurie Holden ("Der Nebel", "Silent Hill") und Jeffrey DeMunn ("The Green Mile") zählen. Neben diesen sehr direkten Darstellern zeigen sich insbesonders Andrew Lincoln, Noah Emmerich ("Super 8", "Windtalkers"), Jon Bernthal ("World Trade Center") und Norman Reedus ("8MM") als enorm vielseitig und wenig abgegriffen. Michael Rooker ("The 6th Day") und Sarah Wayne Callies ("Prison Break") kommen dagegen etwas kurz um sich etablieren zu können.
"The Walking Dead" bedient sich zahlreicher bekannter Elemente aus dem Zombie-Horror Genre, setzt sich aber durch seine Herangehensweise etwas ab. Während die meisten Filme die Untoten selbst in den Mittelpunkt schieben und in diesen eine Veränderung erzwingen, setzt die Serie mehr auf verständliche Alltagsfiguren, die neben der Gefahr durch die lebenden Toten auch um ihr Überleben ohne den Fortschritt kämpfen oder Konflikte untereinander auflösen müssen. Dass dadurch erzählerische Längen entstehen, liegt an der ruhigen Inszenierung. Die ersten beiden Folgen zeigen davon allerdings noch nichts, denn dort geht es um die Erkenntnis und die Flucht vor den optisch herausragenden Zombies. Die aufwendige Endzeit-Kulisse und die heftigen Gewaltspitzen belegen "The Walking Dead" einen hohen, gefestigen Anspruch, der der Authentizität zugute kommt. Knappe ...
9 / 10