"Die Welt die wir kannten existiert nicht mehr. Aber ob wir menschlich bleiben, das entscheiden wir allein."
Sheriff Rick Grimes (Andrew Lincoln) sucht mit einer Gruppe Überlebender, bestehend aus seiner Frau Lori (Sarah Wayne Callies), seinem Sohn Carl (Chandler Riggs), Glenn Rhee (Steven Yeun), Shane Walsh (Jon Bernthal), Dale Horvath (Jeffrey DeMunn), Andrea (Laurie Holden), Daryl Dixon (Norman Reedus), T-Dog (IronE Singleton), Carol Peletier (Melissa McBride) und ihrer Tochter Sophia (Madison Lintz), nach einer sicheren Unterkunft vor den wandelnden Toten. Sophia verschwindet allerdings bei einem Zwischenfall auf einer Autobahn. Die Gruppe sucht sie in der anliegenden Wildnis und stößt auf die Farm der Familie von Hershel Greene (Scott Wilson). Vorübergehend lassen sie sich dort nieder. Hershel möchte allerdings nicht, dass sich Rick und und die restlichen Personen länger bei ihm aufhalten. Besonders Shane ist ihm ein Dorn im Auge, der immer öfter aufsässig wird und die Führungsqualität von Rick in Frage stellt.
Die mit gerade mal 6 Folgen sehr übersichtliche erste Staffel von "The Walking Dead" war ein fulminanter Auftakt für eine Serie dieser Art. Unglaublich aufwendig und tiefsinnig verband die endzeitliche Serie Elemente aus Zombiefilmen mit einem Katastrophen-Szenario, bei dem es ums nackte Überleben ging.
Die zweite Staffel setzt dieses erfolgreiche Konzept fort. Bei den 13 neuen Folgen ist das Tempo allerdings höher, das zuvor doch hin und wieder einbrach. Vorkenntnisse sind erwünscht und ein Quereinstieg erweist sich durch die durchgängige Handlung als schwierig.
Dreh- und Angelpunkt ist diesmal eine abgelegene Farm. Überwiegend dort oder in der Wildnis spielt die Handlung, die sich bis zur Hälfte der Staffel um die Suche nach Sophia dreht, danach äußere und innere Konflike der Figurenkonstellationen fokusiert und auflöst und final seine titelgebenden Hauptdarsteller in den Mittelpunkt setzt.
Thematisch deckt "The Walking Dead" dabei einige sehr schwermütige Themen ab. Neben Beziehungsproblemen, Suizid, Verarbeitung von Traumen bis hin zu menschlichen Abgründen scheint die Bedrohung durch die wandelnden Leichen manchmal etwas kurz zu kommen.
Die Serie legt ihren Schwerpunkt mehr auf ein Survival-Drama als auf Zombie-Action. Langweilig wird es trotzdem selten, denn zur Ruhe kommt "The Walking Dead" so gut wie garnicht. Die Einzelschicksale der Figuren werden ernsthaft angesprochen und auch abgehandelt. Hunger, Durst und der Mangel an Munition sind ebenso Gefahren, wie die Spannungen untereinander. Diese lösen sich dann auch gern in offensiver Art auf, statt nur in verbaler.
Auch die zweite Staffel ist kompromisslos, in ihrer Darstellung wie auch im Umgang mit seinen Charakteren. Wenn hier gestorben wird, dann überwiegend grausam. Visuell ist "The Walking Dead" somit nichts für schwache Gemüter, denn neben massig Blut sind auch abgetrennte Körperteile oder herausgerissene Innereien keine Seltenheit.
Die endzeitliche Kulisse ist ebenso detailreich gestaltet wie die Effekte. Insbesonders die Optik der Untoten ist immer wieder schaurig schön. Somit ist das stetige, beklemmende Gefühl stets greifbar.
Sämtliche Darsteller sind erneut ambitioniert, die bekannten wirken sogar noch einen Tick eingespielter als in der vorherigen Staffel. Es gibt niemanden, der übermäßig auffällt oder unpassend herausfällt. Dadurch ist das Gesamtbild noch harmonischer.
Häufig fragt man sich, wie man selbst in den dramaturgisch glaubwürdig ausgeführten Situationen entscheiden würde. Denn aller Spannung, jedem Anstrich modernen Horrors und offensiven Splatter-Effekten zum Trotz, bleibt "The Walking Dead" ein Drama, deren moralischen Zwiespälte von authentischen Darstellern vortrefflich herausgearbeitet werden.
Dank der beeindruckenden Erzählstruktur, die neben Zeitsprüngen auch parallele Ereignisse abhandelt, sowie der kompromisslosen Art, kommt Staffel 2 nur selten zur Ruhe und bietet neben seinen immer wiederkehrenden Scharmützeln mit den wandelnden Toten und zwischen den Charakteren ein enorm furioses Finale.
10 / 10