Staffel 3
Ich muss gestehen, dass ich diese Staffel nur im Fernsehen auf RTL 2 gesehen habe, sie mich aber - obwohl ich nicht weiß, ob sie geschnitten war oder nicht - noch mehr begeistert hatte als die Zweite.
In dieser dritten Staffel stimmte meiner Meinung nach einfach alles; vor allem eine unheimliche und sehr beklemmende und bedrückende Endzeit-Stimmung, wie ich sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr seit Romero's Dawn und Day of the Dead verspürt hatte - auch wenn man The Walking Dead nicht wirklich mit den Romero-Klassikern vergleichen kann.
Was mich sehr stark beeindruckte war die vielseitigen und für mich zumindest nicht vorhersehbaren Wendungen in dieser Staffel, die immer wieder die Spannung beinahe bis ins Unerträgliche steigerten.
Vor allem gefiel es mir, dass auch die Helden (also Rick Grimes und seine Mitstreiter) im Laufe der drei Staffeln eine eher negative Entwicklung durchgemacht haben, sie Fremden und Hilsbedürftigen gegenüber kaltherzig und mißtrauisch erscheinen, um ihre eigene Gruppe zu schützen.
Oft musste ich mich fragen, ob ich diese Hauptcharaktere überhaupt noch sympthisch finde, allerdings war auch dieses das Authentische an dieser dritten Staffel, das Harte Zeiten eben auch die Menschen verändert - und nicht immer zum positiven.
Gefreut hat es mich, dass Michael Rooker als Grobian Merle wieder auf der Bildfläche erschien... und oft schien es mir, er hätte sich in vielerlei Hinsicht geändert, doch interessanter Weise wurde man eigentlich bis zum Schluss immer wieder an der Nase herum geführt und ich weiß auch nach der letzten Folge mit ihm nicht so recht, was ich nun von diesem Charakter halten soll.
Besonders beindruckend fand ich den Gouverneur, dem man vieles nachsagen konnte, aber mit Sicherheit nicht, dass er ein langweiliger und durchschaubarer Charakter ist. Einerseits ein Opfer der Zombie-Apokalypse, der selbst viel Leid erfuhr und andererseits ein kaltblütiger Manipulator, der anfangs allerdings in seinem Handeln überzeugt, da ihm das Wohl seiner Mitmenschen bzw. "Schützlinge" über dass von Außenstehenden geht. Skrupellos ist er mit Sichheit, aber in so einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, wie in dieser Serie, ist ein solcher Charakter durchaus vorstellbar und vielleicht sogar notwendig ...
Mir gefiel seine Darstellung und auch die unterschwelligen moralischen und ethischen Fragen, die der Gouveneur auffwarf.
im Grunde genommen empfinde ich die dritte Staffel nicht nur als reine plumpe Horror-Action-Show sondern wesentlich tiefgründiger und anspruchsvoller als man ihr vielleicht zusprechen oder zugestehen möchte,
Immer wieder tauchen die Fragen auf, was moralisch oder gar menschlich vertretbar ist, wenn es ums nackte Überleben geht und wie weit Brutalität in einer gewalttätigen Welt in der es ums Überleben oder gefressen werden geht, gerechtfertigt ist sowie auch wer eigentlich die wahren Monster sind... die seelenlosen Zombies oder die sich im Überlebenskampf befindlichen Menschen, die alles tun, um nicht gefressen zu werden.
Und diese Fragen werden schonungslos und ungeschönt in der dritten Staffel von Walking Dead beantwortet - oft vielleicht nicht so, wie man es sich wünschen würde - aber auf jeden Fall realistisch genug, das man geschockt ist.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir diese dritte Staffel, die nicht alleine von Spezial Effekten lebt, auch wenn diese recht derb sind (und auch auf RTL 2 zu sehen waren, dass man sich unweigerlich fragt, warum die FSK Filme wie Dawn- oder Day of the Dead nicht nocheinmal neuprüft - da sie am Blutgehalt und Gewaltdarstellungen um einiges harmloser als diese TV-Ausstrahlung sind).
ich hoffe dass die weiteren kommenden Staffeln nicht an Spannung und Atmosphäre einbüßen, auch wenn ich glaube, dass zu viele Staffeln vielleicht gar nicht so gut für eine solche einzigartige und bombastische Serie wären ... zu schnell wird alles ausgelutscht und verliert sehr schnell an Charme.
Aber natürlich bin auch ich mehr als gespannt....
Wenn ich die bisherigen drei Staffel bewerten müsste, so bekäme diese 3. Staffel die Höchst- und Bestnote noch vor der ersten und zweiten Staffel.