Review

Staffel 4

"Ich glaube viele werden sterben. So ist es doch immer."

Staffel 4 der Serie "The Walking Dead" setzt einige Zeit nach der dritten an. Ein Jahr ist vergangen seit die Gruppe um Rick Grimes (Andrew Lincoln) den soziopathischen Governor (David Morrissey) vertrieben und Überlebende aus Woodbury in einem Gefängnistrakt aufgenommen haben. Die alleinige Befehlsgewalt von Rick ist einer gemeinschaftlichen gewichen. Die Zäune des Gefängnisses halten die Untoten draußen wodurch es nicht nur eine größere Sicherheit gibt. Auch Ackerbau und Viehzucht kann betrieben werden. Die Ruhe ist allerdings vorbei, als eine Krankheit ausbricht.

Auch die vierte Staffel der preisgekrönten Serie beschäftigt sich mit dem Überleben zahlreicher Charaktere in einem von Untoten verseuchten Umfeld und wirft viele moralische Fragen auf. Der Aufwand ist erneut enorm, die Bilder beeindruckend und die Gewaltspitzen extrem heftig.

Zunächst kommt der Tod diesmal allerdings von innen. Ein Virus führt zum Tode Vieler und lässt sie kurzum wieder als menschenfressende Untote aufstehen. Eine Gefahr, die bislang nicht thematisiert wurde und durch die engen Gänge des Gefängnisses sowie das dichte Zusammenleben der Charaktere noch intensiviert wird.
Einige der ersten Folgen beschäftigen sich mehr mit den Figuren, bauen sie auf die neue Situation hin auf und bereiten etwas Unvorhergesehenes vor. Denn der Erzählstrang um den Governor wird nochmals aufgegriffen, separat erweitert und in einem furiosen Halbstaffelfinale endgültig beendet.

Darauf folgt eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Serie, denn nach der gewaltreichen Eskalation sind die Überlebenden in den Wäldern versprengt. Episodenhaft beschäftigen sich die zweiten 8 Folgen mit den Gruppen aus jeweils 2 bis 4 Personen die nun ohne Mauern den Untoten völligst ausgeliefert sind.
Auch hier finden sich Folgen die das Tempo etwas reduzieren, sogar vereinzelt die Handlung auf der Stelle treten lassen. Aber auch erneute überraschende Folgen, wie beispielsweise die Desillusionierung von Kindern, was drastische Auswirkungen auf das strapazierte Beziehungsgeflecht hat.

Schlussendlich finden die meisten in einer neuen Zuflucht mit einem enorm offenen Ende zusammen. Dies wirkt ein wenig unfertig, denn viele Handlungsstränge bleiben diesmal offen.

Auch wenn die digitalen Effekte von Feuer und Rauch eher mäßig aussehen, ist der Angriff des Governor auf das Gefängnis ein absoluter Höhepunkt der gesamten Serie. Mit einer ungemeinen Wucht fahren hier gar Panzer und weiteres Kriegsgerät auf, um Zäune und Mauern nieder zu reißen. In Kombination mit der üblichen Kompromisslosigkeit, ist die Spannung wer überlebt und sein Leben lässt enorm hoch.

Abseits des Feuers und Rauchs sind die Effekte aber bemerkenswert. Sowohl die Untoten und Gewaltspitzen sind detailreich, beängstigend und verstörend. Das abschlagen von Gliedmaßen und Köpfen, klaffende Einschüsse, Innereien, massig Blut und reißen von Fleisch am lebenden Objekt sind die Tagesordnung. An manches gewöhnt man sich als Zuschauer, vieles überrascht aber dennoch immer wieder.

Mit den Ansprüchen an die Charaktere steigen auch die Ansprüche an die Darsteller. Sicherlich fällt der ein oder andere durch eine längere Sichtbarkeit mehr auf. Verallgemeinert stellen aber alle ihre Figuren eindringlich dar, was gerade dem hohen Konfliktpotential gut tut. Somit baut sich eine komplexe Abhängigkeit aller auf, die in ihren jeweiligen Aufgabengebieten funktionieren.

Grundlegend wird das kompromisslose Konzept von "The Walking Dead" auch in Staffel 4 konsequent weitergeführt. Die Reduktion von Tempo und Entwicklung in manchen Folgen zieht zwar etwas Spannung und Beklemmung ab, dafür haben andere Folgen eine ungemein brachiale oder ernüchternde Wirkung. Die Gefahr von Lebenden und Toten ist nach wie vor allgegenwärtig und führt zu moralischen Konflikten, die auch das Publikum bewegen dürften. Der hohe Grad an Brutalität und die sehr gute Besetzung runden die Serie ab, auch wenn es manchmal an der Nachvollziehbarkeit hakt. Knappe ...

10 / 10

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