Review

Gesamtbesprechung Staffeln 1 - 5

Die Zombie-Lindenstraße

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Leider wurde der Schatten bei The Walking Dead über all die Jahre immer größer.
Fangen wir mit dem Licht an:

Als gelungen empfinde ich Kameraarbeit und Locations.
Ich hatte nie das Gefühl, "nur" in einem Fernsehfilm zu sein; wenn ich mir eine Welt vorstelle, in der es nach einer globalen Seuche kaum noch Überlebende gibt, sieht sie aus wie in The Walking Dead.
Die Zombies sind in meinen Augen erste Sahne; mir fällt kein Zombiefilm ein, in dem die Maskenbildner derart abwechslungsreich Untote geschaffen hätten.
Und bei der Beseitigung derselben geht es auch richtig zur Sache: Blut spritzt, Köpfe rollen und Gliedmaßen werden reihenweise abgehackt - ohne jedoch in einer sinnlosen Splatter-Orgie zu enden.

Auch die Schauspieler machen ihre Sache gut; die ein oder andere Rolle ist für meinen Geschmack zu eindimensional und typisiert angelegt, aber das liegt wohl eher am Drehbuch.

Letzteres ist die Schwäche von TWD. Das Füllmaterial, mit dem das Drehbuch immer wieder in die Länge gezogen wird, langweilt und ärgert:
Es gibt zu viele Folgen, in denen zu viel und vor allem zu Unwichtiges gelabert wird. Dabei geht es nicht um Dialoge, die für die Entwicklung der Charaktere wichtig sind. Natürlich muß in einer Gruppe, die ums Überleben kämpft, auch mal diskutiert werden - aber so exzessiv, wie es hier stellenweise der Fall ist?
Oft fungieren langwierige Dialoge auch ganz offensichtlich als Cliffhanger-Anhängsel, um die Zuschauer an der Leine zu halten (es gibt etliche Folgen, die zu 90% nur aus Reden und Diskussionen bestehen).

Je weiter die Serie voranschritt, desto häufiger hatte ich das Gefühl, daß sie sich im Kreis dreht:
Droht keine Gefahr von außen, beschäftigt sich die Gruppe (um Rick) hauptsächlich mit psychischen oder Beziehungsproblemen.
Wird eine Bedrohung erkannt, folgt eine nicht enden wollende Diskussion darüber, wie man ihr begegnet.
Und ist die Bedrohung schließlich nicht mehr vorhanden, beginnt wieder die Beschäftigung mit sozialen oder psychischen Problemen.

Was Serien wie Prison Break zum spannenden Klassiker macht, fehlt in TWD völlig: der rote Faden und das Ziel.
Wohin wollen die Protagonisten? Ziehen sie in der 15.Staffel immer noch übers Land und killen hie und da Amokläufer und Psychopathen, um in der 16.Staffel zu erkennen, daß da draußen ja immer noch Amokläufer und Psychopathen rumlaufen?

Während ich von der ersten Staffel noch begeistert war, geht es mit den folgenden Staffeln sukzessive bergab. Zu wenig Action, zu viele belanglose Dialoge, zu viel Unwichtiges, zu viel schon Dagewesenes.
TWD hat sich von einem spannenden Survival-Thriller zu einem behäbigen Sozialdrama gewandelt, in dem die Zombies nur noch Staffage sind.

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