Staffel 6
Staffel 6
Der Alptraum nimmt Fahrt auf
Seit der unerreichten, kurzen ersten Staffel, hat "The Walking Dead" es nicht mehr hingekriegt, eine perfekte Staffel abzuliefern. Obwohl es die nach Popularität mit "Game of Thrones" wohl grösste Serie der Welt ist, halten nicht wenige den Zenit für überschritten, ein sinnvolles Ende außer Sicht & die Comics um Längen besser. Und manchmal kann ich sogar verstehen, warum einige sogar die Vereinfachung "Zombie-Soap" in den Mund nehmen. Und trotzdem fasziniert mich als Horrorfan "The Walking Dead" auch in Staffel 6 noch so sehr - als Event, Must-See & gute, gorige Unterhaltung - dass ich mich trotz kleiner Kritikpunkte noch als absoluter Fan outen muss. Die blutige Serie bleibt ein Phänomen, von dem ich mich nur schwer lösen könnte. Selbst wenn auch ich hoffe, dass Schöpfer Robert Kirkman wirklich einen sinnvollen & nicht viel zu späten Schluss im Kopf hat. In Staffel 6 geht es vornehmlich darum Alexandria zu beschützen, vor der größten Zombieherde die es bisher in der Serie gab & noch viel stärker gegen menschliche Gruppen wie den durchgeknallten Wölfen oder den brutalen Saviors - inklusive genialer, wenn auch etwas frustrierender Einführung von deren Anführer Neagan im Staffelfinale. Außerdem war die Erweiterung der Welt & der langsame Aufbau einiger Allianzen & die Einführung quasi-politischer Strukturen toll. Wenige Serien können nach satten 6 Staffeln noch so neue Wege & Optionen eröffnen & anteasen.
Apropos Teasen, ein großes Thema in dieser Staffel & eine klare Schwachstelle. Klar, ohne Hunger keine Befriedigung. Trotzdem waren mir die vielen Cliffhanger oder gar Dead Ends, Verarschungen & falschen Fährten eine Nummer zu manipulativ & offensichtlich fake. Und wer dachte wirklich, dass Glenn mitten in der Staffel stirbt? Oder gar Daryl mit einem feigen Kopfschuss? Und woher kam die plötzliche Übermacht der Saviors am Ende? Viele Fragen, viele Ärgernisse, plus ein paar wirklich lahme Hänger zwischendrin, die die Macher einfach nicht raus kriegen. Und damit meine ich nicht die sehr gefühlvolle Morgan-Background-Story, für mich ein Highlight der Staffel. Allgemein mangelte es der Staffel nicht an Wow-Momenten - Carls Augenverlust, der Angriff der Wölfe zu Beginn in "JSS" oder die Bereinigung Alexandrias in der Staffelmitte standen klar heraus. Von dem Angriff auf Neagans Truppe oder gar dem eisigen Finale, trotz Aufklärungsfrust, ganz zu schweigen. Man wuchs mit den vielen Charakteren noch enger zusammen & einige machen wirklich eine persönliche Entwicklung durch, was den bevorstehenden Verlust nur umso schmerzvoller macht.
Während Carols neue Anti-Töten-Offenbarung eher Stirnrunzeln hervorrief, war Maggies Aufstieg oder auch Abrahams Reifung grandios gelöst. Selbst wenn die Serie es nie wirklich perfekt schafft, das große Ensemble auszutarieren. Diese Staffel zeigte mehr als deutlich & je zuvor, dass die Walker, sogar in so einer riesigen Masse wie vor Alexandria, im Gegensatz zu den verrohten Menschen das geringere Übel sind. Auch innerhalb Ricks Gruppe machte sich eine überhebliche Unmenschlichkeit breit, die erschreckt & ihr Schicksal besiegelt, das bittere Finale fast etwas verdient erscheinen lässt. Die dargestellte Welt ist grauer & brutaler denn je, kleine Lichtblicke wie die heitere Jesus-Episode werden immer rarer. Die Stimmung zieht einen runter & gerade nach dem Finale bzw. den jüngsten Geschehnissen, bin ich auf die weitere Entwicklung gespannt. Die weiter verrottenden Zombies werden immer ekliger & einfallsreicher - fantastische Maskenarbeit & die schrecklich-schönsten Zombies aller Zeiten. Dazu sind die Darsteller von Rick bis Darryl weiterhin beeindruckend intensiv & Neagan scheint imposant böse getroffen, wirft seine Schatten voraus. Gegen Ende durchzog mich eine innere Unruhe & Spannung, die kaum eine Serie bisher hervorrufen konnte. Die Welt guckt auf Lucille & ich ahne Böses...
Fazit: eine der brutalsten Staffeln der Serie, vor allem was Härte gegen Menschen angeht, die sogar verlorene Fans wieder überzeugen kann. Ein paar kleine Hänger in der Mitte & die gewohnt manipulative, das Publikum nicht immer wirklich mündig sprechende Art, nehmen nichts von der Faszination dieses postapokalyptischen Spaßes! (9/10)